Dienstag, 24. Januar 2006

"A, ab, abs, e, ex und de, ...

... cum und sine, pro und prae stehen mit dem Ablativ."
So habe ich's von der 7. bis zur 11. Klasse auf dem Gymnasium gelernt und mein (großes) Latinum erworben (den "Hic, haec, hoc,..."-Spruch habe ich aber nicht mehr drauf).
Schön.

Warum ich das schreibe?
Im Spiegel Online wird berichtet, wie sehr Germanistik-, Lehramt- (z.B. Deutsch, Geschichte oder Englisch) und Naturwissenschaft-Studenten leiden, weil von ihnen der Latinum-Schein verlangt wird. In 10 Wochen pauken sie das ein, was ich (z.B.) in 4,5 Jahren erlernt (und mittlerweile so ziemlich vergessen) habe.
Einen Sinn sehen sie angesichts der Plackerei natürlich nicht darin - das kenne ich, es ging mir genauso.

Trotzdem möchte ich hier eine Lanze für das Latinum brechen (obwohl meine Lateinlehrerin Frau Viefers mir desöfteren "Stratze" aufgegeben hat, weil ich die Vokabeln nicht gelernt hatte).

Kurz: ich bin dafür, dass angehende Deutsch-Lehrer diese Kenntnisse haben (soweit ich weiß, müssen sie auch das Graecum (Alt-Griechisch) nachweisen).
Schließlich sind sie eine Art von "Sprach-Hüter", und wenn ich sehe, welche Sau-Grammatik und -Rechtschreibung sogar Ingenieure und Doktoren mittlerweile haben, kommt mir das Grausen.
(Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich selbst in Deutsch nie besonders gut war (Texte analysieren, usw.), aber mein letzter Deutschlehrer Herr Lange war immer angetan von meiner Rhetorik ;-) )

Noch ein Zitat der Latein-Seminar-Leiterin:
"Wer ein Plusquamperfekt im Deutschen nicht bilden kann, kann ein lateinisches auch nicht übersetzen."
Wo sie Recht hat, hat sie Recht...

3 Kommentare:

Anonymous Sebastian schrieb...

Diese Lateinpflicht ist nun wirklich der größte Scheiß überhaupt! Ich studiere Englisch im Nebenfach (Magister) (!) und muss das Latinum machen um in Englisch die Zwischenprüfung machen zu dürfen. Völlig unsinnig vor allem auch deshalb, weil man nur den Zettel vorzeigen muss wo drauf ´steht das man es hat, nach dem Können fragt niemand. Dafür soll man neben den anderen Fächern sich mit Latein auseinander setzen. Das will mir aber nicht gelingen. Werde also das Fach wechseln müssen, was das Studium nur noch weiter in die Länge zieht. Klasse Regelung.

25. Januar 2006 um 15:38  
Blogger rolandmex schrieb...

Sei mir nicht böse, aber wußtest Du das nicht vorher? Hast Du Dich etwa nicht genügend informiert, bevor Du Dich für Englisch eingeschrieben hast?
Zu meiner Zeit (WS 1989/90) war ich informiert über die Voraussetzungen - aber dmalas gab's ja noch kein Internet, Handys, PSP, Kabelfernsehen, ...

Im Endeffekt ist's doch so, wie "mein" Prof. Dr. Dietrich O. Müller sagte: "Sie werden später Ingenieur sein, haben diese Dinge zu entscheiden und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Wenn Sie das hier nicht lernen, werden Sie das nachher im Beruf auch nicht tun. Dann sollten Sie besser das Studium abbrechen und Straßenkehrer werden."

(Hähä. Kleine Sarkasmus-Attacke ;-) )

25. Januar 2006 um 16:12  
Anonymous Sebastian schrieb...

Doch, wußte das vorher. Habe allerdings nicht ganz das Ausmaß abschätzen können. Worum es mir eigentlich geht, ist die Verhältnismäßigkeit. Ich stimme dir zu, als angehender Deutschlehrer macht das Sinn aber gerade bei Nicht-Lehramtsstudenten ist das zumeist zweifelhaft. Vor allem da der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Man verplempert meist mehrere Semester mit dem Lernen von Sachen, die man später nicht mehr braucht und die auch nicht fürs Studium relevant sind. Wenn es denn unbedingt Latein sein muss, dann würde es meiner Meinung nach auch ein einsemestriger Grundlagenkurs reichen, es muss doch nicht gleich das ganze Latinum sein. Das würde sowohl Studenten wie auch Uni entlasten.

25. Januar 2006 um 16:23  

Kommentar veröffentlichen

Links zu diesem Beitrag:

Link erstellen

<< Home