Sonntag, 22. November 2009

Die "Hosen" in Mexico - mein Review

Geil war's, das Konzert (bin vor etwa einer Stunde zurückgekommen); ich habe mir bei den Liedern, die ich (noch?) kannte, die Seele aus dem Leib gebrüllt und bin herumgehüpft wie eine Grille (übrigens eine gute Streß-Abbau-Therapie).

Die "Hosen" sind, seit ich sie das letzte Mal sah (das war 1992 in Waldbronn bei Karlsruhe) extrem professionell geworden. Da kommt Campino mit geföhnter Durcheinander-Frisur auf die Bühne und hat ein Hemd an, an dem man noch die Bügelfalten sehen kann; das auf die Bühne gestellte Dosenbier (Modelo Especial und irgendeins, auf dem D 4 stand) wird von ihm nur aufgerissen, er nimmt allerhöchstens einen Schluck und wirft die Dose dann ins Publikum (ebenso wie die bereitgestellten Wasserflaschen); ab und zu geht Andi mal heimlich zu einer Box im hinteren Teil der Bühne und nimmt einen tiefen Schluck einer Flüssigkeit, die so aussieht wie Gatorade oder O-Saft - und die anderen Gitarristen trinken während des knapp zweistündigen Konzertes keinen Schluck Wasser, Bier oder sonstwas (jedenfalls sah ich das nicht). Als die Jungs am Ende des Konzertes etwa 3 Meter von mir entfernt (und hinter der Absperrung) an mir vorbeigingen und ich laut "Ja, sind wir im Wald hier, wo bleibt unser Altbier?" sang/brüllte, zeigte keiner eine Reaktion, und alle gingen wortlos vorbei in die camerinos; sie schauten nicht einmal, wer da gerade gebrüllt hatte.

Campino hatte einen wohlkontrollierten Ausflug ins Publikum per Stage Dive, bei dem er von mehreren guaruras sofort an den Beinen festgehalten wurde, um nicht ins Publikum gezogen zu werden. Er goss sich eine Dose Bier über den Kopf, die noch minutenlang an ihm heruntertriefte, als er schon längst auf die Bühne zurückgekehrt war.

Campino kann 3 - 4 Worte spanisch, aber Breiti spricht es sehr gut und wurde immer vorgeschickt, wenn es was zu erklären gab, das über "muy complicado", "muchas gracias" und "yo no soy marinero" hinausging. Breiti war auch derjenige, der sich nach dem Konzert (das pünktlich um kurz vor 0.00 Uhr endete) als einziger den Fans stellte und bereitwillig Fragen beantwortete (und genau wußte, was er erlauben wollte und was nicht).

Alles in allem fand ich es ein gelungenes Konzert mit viel Spaßfaktor; ich denke, jeder kam auf seine Kosten, auch die geschniegelten Männer in ihren feinen Hemden und die herausgeputzten Mädels in Kostüm und Nylon-Strumpfhosen, die so aussahen, als ob Bryan Adams für sie schon Heavy Metal wäre. Die "Hosen" sind keine Punks mher, sondern gewiefte Geschäftsmänner, die wissen, wovon sie leben, und was sie ihrem Pubikum schulden, ohne sich selbst gesundheitlichen Schaden zuzufügen - na, die jüngsten sind sie ja mittlerweile auch nicht mehr: um die 50 werden sie sein, und möglicherweise singen sie deshalb nicht mehr das "Wort zum Sonntag", wo es heißt: "Ich bin noch keine 60, und ich bin auch nicht nah dran, und erst dann werde ich erzählen, was früher einmal war..."

Labels:

Donnerstag, 12. November 2009

Die "Hosen" in Mexico


Heute erfahren: am 21.11.09 (also nächste Woche Samstag) spielen die Toten Hosen aus Düsseldorf im Salón Tijuana im oder am Goethe-Institut in Mexico City (siehe Updates unten).

Na, wenn das nicht ein Grund ist, doch mal am Samstag in die Stinke-Stadt zu fahren (zumal die Tickets nur 200 Pesos kosten)...

(auf das Bild klicken, um zur hochauflösenden Version des Konzert-Plakats zu kommen)

Update vom 18.11.09: Heute wollte ich mein Ticket an der taquilla des Salón Tijuana kaufen. Als ich dort ankam, sah ich, dass da gerade (um-) gebaut wird. Anscheinend hat der Laden dichtgemacht und nun wird da eine Disco (o.ä.) eingerichtet. Ein Mann, der dort arbeitete und den ich nach dem Konzert fragte, meinte nur: "Geh' zum Rock Shop; die wissen mehr. Das Konzert wird wahrscheinlich hier nicht stattfinden." - also stiefelte ich dorthin, kaufte mein Ticket (übrigens gibt's die nur dort - nächste ÖPNV-Station: Metrobús Sonora) und fragte den Jüngling hinter'm Tresen, was er wüßte.
Kurz: er wußte nix, gab mir aber die Telefon-Nummer seines Ladens mit der Bitte, doch morgen oder übermorgen anzurufen und nachzufragen. Vom Veranstalter wußte er (noch) nichts über Konzertsaal- oder Termin-Änderung.

Update vom 19.11.09: Das Konzert findet wohl entweder auf dem Parkplatz oder im (sich im Umbau befindlichen) Gebäude des Goethe-Instituts statt; Meldung hier. (Danke, speedymiguelito!)
Morgen werde ich das mit einem Anruf beim Rock Shop zu bestätigen versuchen.

Labels: ,

Google StreetView in Mexico

Wer es noch nicht gesehen hat, der sei aufgeklärt:

seit letzten Montag gibt es bei Google Earth/Google Maps auch StreetView-Panoramen der Städte Monterrey, Guadalajara, Mexico City, Puerto Vallarta , Playa del Carmen, Cozumel und Cancún.

Wie das funktioniert?
In Google Earth in der Layer-Spalte "Street View" einschalten, dann in eine der genannten Städte zoomen. Daraufhin erscheinen kleine Fotoapparate über die Stadt verteilt; man zoomt an einen heran, klickt doppelt darauf und "taucht" gleich in die Straße ein.

In Google Maps ist es noch einfacher: man gibt eine Adresse im Suchfeld oben ein. Die Karte wird auf die Adresse gezoomt und man zieht über der Vergrößerungsleiste links das Männchen mit der Maus. Sofort werden alle Straßen, die über Street View verfügen, mit einm blauen Rand umgeben. Man läßt das grüne Feld unter dem Männchen einfach auf die Stelle einer blau gerahmten Straße "fallen", das man sehen möchte und voilá - man "taucht" in die Straße ein.

Hier ein Blick in die Straße, in der ich in den ersten Monaten meines Aufenthalts in Mexico lebte:


View Larger Map

(über Google Maps Mania)

Labels: , , ,

Mittwoch, 11. November 2009

Karnevals-Umzug

Heute mittag, als ich auf dem Paseo de la Reforma unterwegs war, kam er gerade vorbei: der mexicanische Karnevals-Umzug vom 11.11. (um 11:11 Uhr).

Nur: es gab keine Prunkwagen; alle liefen zu Fuß; keiner warf Kamelle; kaum einer war verkleidet (und falls doch, dann nur in schwarz-rot); viele trugen ein seltsames Schild, auf dem eine Faust abgebildet war und irgendwas vom Fuß von María de la Luz ("... en pie de Lucha") stand; und anstatt gesungen wurden Parolen gerufen.

Tja... - andere Länder, andere Karnevals-Sitten... - seht selbst:


;-)

(näheres dazu im El Universal)

Labels: ,

Montag, 2. November 2009

Konsequenzen von Schwulen-Ehen



...ein wunderbares Beispiel dafür, wie man mit einer einfachen Grafik alle Vorurteile wegräumen kann - vorausgesetzt, die, die Bedenken haben, akzeptieren die Argumente.

Es gilt der Spruch: Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

(über Urban Cartography)

Labels: , ,

Samstag, 31. Oktober 2009

Magical Mystery Tour

Vor wenigen Minuten -schaut auf die Uhrzeit dieses Threads- bin ich nach Hause gekommen. Nicht etwa aus einem antro oder einer cantina, sondern direkt von der Arbeit (nüchterner war ich selten; ich bin sogar so nüchtern, dass mir der Magen knurrt und ich mich erstmal im Kühlschrank bedienen mußte, um den Hunger ein wenig zu stillen).

Der Bus, mit dem ich normalerweise etwa 50 Minuten unterwegs bin, hat heute knapp 7 (in Worten: sieben!) Stunden gebraucht.

Heute (oder besser: gestern) nachmittag fiel eine Regen-tromba (bei dem es sprichwörtlich wie aus Eimern gießt und im Nu alles überschwemmt ist) auf den Norden der Stinke-Stadt nieder. Als ich meinen Bus Richtung Norden (Ecatepec/Tizayuca) nehmen wollte, stand da ein einsamer Wagen, und der Beifahrer rief: "Es gibt keine Busse, steigt ein, auch wenn Ihr stehen müsst!" Ich dachte kurz nach und quetschte mich mit vielen anderen in den Bus, denn ich wollte nicht wie bei anderen Unwettern stundenlang warten, um einen Bus zu erwischen, auch wenn ich stehen mußte (wenn die Strassen überschwemmt sind und Verkehrs-Chaos herrscht, kommen die Busse aus dem Norden, die sozusagen der Nachschub sind für Fahrten in Richtung Norden sind, nicht zahlreich genug an).

Als er losfuhr, konnte ich durch die regennassen, beschlagenen Fenster gar nicht richtig sehen, wo wir langfuhren, erkannte aber etwas später, dass wir in Richtung Tlalnepantla unterwegs waren - eine völlig verkehrte Richtung, die einen enormen Umweg bedeutete, aber ich dachte mir, der Fahrer wisse wohl, was er tue.

Weit gefehlt!
Zuerst schien es, er suche immer genau die Straßen auf, auf denen am meisten Verkehr herrschte - stehender Verkehr. Dann hätte man vermuten können, er würde absichtlich Chaos erzeugen, indem er versuche, die stehenden Vehikel auf den eigentlichen dem Gegenverkehr vorbehaltenen Spuren zu überholen und dadurch den entgegenkommenden Autos den Weg zu versperren (was noch mehr Chaos und Stehen verursachte). Dann fuhr er in ein kleines Sträßchen, bei dem er nach gut 500 m umkehren mußte, weil eine LKW-Sperre (auf etwa 2,5 m Höhe) angebracht war (wohl um zu verhindern dass eine Brücke zu schwer belastet wird). Danach fuhr er in noch kleinere, holprige Sträßchen, die zu Matschwegen wurden und an deren Ende es auch nicht weiterging, weil ein Bach über die Ufer getreten war und der Weg daher unpassierbar war.

Kurz: auf unserer Reise "besuchten" wir die municipios Tlalnepantla, Tultitlán, Tultepec, Coacalco, San Pablo de las Salinas, ... - und das Ganze erlebte ich die gesamte Zeit über stehend im Bus.

Hätte nicht ein gut gelaunter 19-Jähriger angefangen Witze zu reißen (anfangs, um einem Mädchen zu gefallen) und hätten nicht etwa 5 Passagiere (unter ihnen meinereiner) den Spaß mitgemacht und allen möglichen Unsinn geredet, der viele Mit-Fahrer zum Lachen brachte, wäre diese Magical Mystery Tour unerträglich und noch länger, als sie schon war, geworden.
In einem sonst absolut anonymen Ambiente lernte ich Oscar, Juan, Gaby, Ángel und Paty kennen, mit denen ich viel Spaß hatte - und das bei purem cotorreo. Bestimmt werden wir uns wiedererkennen und erinnern, falls wir uns noch einmal im Bus begegnen.
Auf jedem Fall haben wir schon abgemacht (mehr im Scherz als ernsthaft), uns am selben Tag nächstes Jahr zu treffen, um eine Rundtour durch den Süden der Stadt zu machen - diesmal aber vorbereitet: tortas, chelas, chescos und -wichtig!- Snickers sind dann dabei.

(ein paar Nachrichten zum Regen-Guß: hier, hier und hier)

P.S. Von der Bushaltestelle wurde ich von einer (mir bisher wildfremden) Familie mitgenommen (den Mann hatte ich im Bus kennengelernt), und der Herr erzählte mir, sein Sohn wäre mehr als eine Stunde später von C.U. (im Süden der Stadt) losgefahren, aber schon vor gut 2 Stunden angekommen - mit dem gleichen Bus, nur, dass dieser die normale Strecke genommen hatte.

Labels: , ,

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Und meine Milch...?

Heute morgen war ich gerade dabei, meine Sieben-Sachen einzupacken, um mich auf den Weg zur Arbeit zu machen, als meine Frau in die Küche kam und meinte: "Die Kleine ist schon wach. Sag' ihr doch einfach noch adios bevor Du gehst."

Ich ging also zu ihrem Zimmer, klopfte an die Tür, öffnete, und als sie mich sah, sagte sie mir nur mit großen Augen: "Mi agua...?"

Ich konnte mir ein erstauntes Lachen nicht verkneifen.

Was war passiert?
Meine Frau war vorher schon bei ihr im Zimmer und hatte ihr versprochen, nur schnell in die Küche zu gehen, um ihre Milch zu holen. Als also jemand an die Tür klopfte, vermutete unsere Tochter eher meine Frau mit dem Milchbecher als den Papa, der ihr nur einen Kuß geben wollte.

Kinder können so grausam sein... ;-)

Labels: ,

Menschlicher Einfluss auf das Öko-System

Dienstag, 27. Oktober 2009

Armes Mexico...!?!


Um das Einkommens-Niveau in verschiedenen Ländern vergleichen zu können, haben sich Geographen seit vielen Jahren immer wieder neue Indikatoren ausgedacht. Früher waren es die Anzahl der Kühlschränke pro 1000 Einwohner, danach die Fernseher-Anzahl pro 1000 Einwohner - beides heute selbst in den unterentwickeltsten Ländern keine Seltenheit mehr.

Also besann man sich auf etwas praktischeres. So wie wir als Studenten den SchniPoSa-Faktor* hatten, um das Preis-Niveau eines Restaurants zu erkennen, nimmt man heutzutage den Preis eines Big Mac bei McD im Vergleich zu der Zeit, die man arbeiten muss, um sich einen dieser Hamburger leisten zu können.

Konkret: während man z.B. in Frankfurt und Sydney keine 20, in São Paulo 40 Minuten und in Budapest eine knappe Stunde arbeiten muss, um sich einen Big Mac schmecken lassen zu können, ist in Mexico City mehr als 2 Stunden Racken angesagt.

Das spricht nicht gerade für ein hohes Einkommens-Niveau, sondern eher dafür, dass das Einkommen eines durchschnittlichen Mexicaners von der Kaufkraft her nicht einmal die Hälfte von dem eines Ungarn, ein Drittel von dem eines Brasilianers und ein Sechstel von dem eines Deutschen ausmacht.
Wundert sich nun noch jemand, weswegen mex. Restaurants so "billig" sind?

(über Urban Cartography)


* SchniPoSa-Faktor: SchniPoSa ist kurz für "Schnitzel mit Pommes und Salat". Jedes Restaurant hat auf der vor der Tür ausgehängten Speisekarte dieses Gericht; anhand des Preises des SchniPoSa kann man auf das Preis-Niveau des Restaurants schliessen.

Labels: , ,