Mittwoch, 22. Februar 2006

Peter Jöriskes

Kennengelernt habe ich ihn 1986. Ich erinnere mich genau: auf einem Wochenende für angehende Pfadfinder-Leiter kamen er und seine Frau Trude als "Quer-Einsteiger" über ihren Sohn Michael zu den Pfadis.

Peter wurde schnell der Material-Wart des Stammes St. Clemens Kaldenkirchen.
Bei ihm zuhause im Schuppen, den er speziell dafür herrichtete, wurden alle Zelte, Häringe, usw. aufbewahrt - auch der allgegenwärtige Koffer mit den bei Dutzenden Lagern vergessenen Kleidungs-Stücken, Gabeln, Messern, Löffeln, etc., die anscheinend niemandem gehörten.

Er war auch mein Rover-Leiter über viele Jahre.
Mit ihm fuhren wir zu Georgs-Tagen (unvergessen der in St. Hubert, wo wir das Auto meiner Mutter im Zelt parkten); er war der Organisator der mittlerweile berüchtigten Rover-Hikes, bei denen er uns, nur mit einer 1:500.000-Straßenkarten-Fotokopie ausgestattet, irgendwo (in der Eifel oder im Sauerland) aussetzte und wir in 2 Tagen bis zu 80 km zum Lagerplatz laufen mußten.
Ich erinnere mich an ein Lager, wo ich morgens aufwachte und mich über die nahebeistehenden "Beine" erschreckte. Es waren Peter's (er hatte als 9-jähriger beide Unterschenkel bei einem Eisenbahn-Unfall verloren). Oft mußten wir, die Rover, Peter beim Bergauf-Gehen unter die Arme greifen und ihn mitziehen; beim Bergab-Gehen aber bremsen.

Er schaffte sich nur für "der Verrein" (wie er ihn nannte) einen VW-Bus an, der fortan das Pfadi-Gefährt war. Überall fuhren wir damit hin; Peter und sein Bus war immer dabei - ohne Fehl und Tadel.
Er, Schleifer von Beruf, fertigte in seiner Freizeit die Fahnenspitze der Pfadfinder und hielt den Bannerstab immer gut poliert.
Peter besorgte über einen Freund das Pfadfinder-Heim HüHott (Hütte am Hottweg) und baute die Ruine von Grund auf wieder auf. Mit seinem Trecker (eigentlich ein Rasenmäher) brachte er unzählige Male Material zur Hütte und arbeitete nach Feierabend dort. Er war schon von weitem zu hören: "Da kütt der Pitter mit der Trecker!", hieß es immer wieder.

Wie oft haben wir in seinem riesigen Garten die Zelte aufgebaut: nach den Lagern zum Trocknen-Lassen und Sauber-Machen; für die Wochenend-Lager, die billig sein mußten; für eine Grill-Fete;...

Mehrmals versuchte er, das Rauchen aufzugeben, und jedesmal trieb er seine Frau in den Wahnsinn, weil er statt der Zigaretten Schokolade mit ganzen Haselnüssen haben wollte - und wenn er die nicht bekam, wurde er unerträglich.

Peter war ein Vorbild an Zuverlässigkeit. Peter war immer da, um zu helfen.
Peter war allzeit bereit.

In Mexico sagen die Pfadfinder: Ya se adelantó al campo del reposo y de la dicha, dónde puso su tienda para la eternidad.
(Er ging uns voraus zum Tal des Glücks und der Ruhe, wo er sein Zelt für die Ewigkeit aufgebaut hat.)

Wenn wir einmal dort ankommen, können wir sicher sein, dass Peter mittlerweile die Latrinen gebaut, eine Dusche eingerichtet und ein Küchenzelt aufgebaut hat und es in Schuß hält.
Und der Rasen ist gemäht. Blitzsauber.

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