Freitag, 16. Juni 2006

Deutsche Arbeitslose = faules Pack? (II)

Al-le Jah-re wie-der ... haben deutsche Arbeitslose "kein Bock" zu arbeiten und leben lieber auf Staatskosten (schließlich haben sie vor zig Jahren einmal Steuern bezahlt und so das Recht, die Solidargemeinschaft auszunehmen um Hilfe zu bitten).
Man könnte sich ja die Hände schmutzig machen beim Spargel-Stechen (Iiih, diese häßlichen Ränder unter den Fingernägeln!). Oder einen Sonnenbrand im Nacken bekommen. Oder sich mit dem Messerchen schneiden; oder so früh aufstehen müssen; oder ... - da ist Fernsehgucken zuhause und einmal im Monat zum Stempeln auf's Arbeitsamt rennen doch viel bequemer.

Bei tagesschau.de steht (Hervorhebungen durch mich):
An der Umfrage [des Deutschen Bauernverbands] beteiligten sich rund 400 Betriebe, die insgesamt 2064 inländische Erntehelfer bei den Agenturen für Arbeit beantragt hätten. Die Arbeitsämter stellten ursprünglich sogar mehr Helfer in Aussicht - nämlich 2451. Von diesen seien 1405 zum Vorstellungsgespräch erschienen, von denen wiederum 602, also rund ein Drittel, einen Arbeitsvertrag unterzeichneten. 589 seien schließlich bei der Arbeit erschienen - 267 von ihnen seien allerdings schon nach kurzer Zeit nicht mehr im Einsatz gewesen. Nach Angaben des Verbandes waren nach einer Woche noch insgesamt 322 Inländer im Einsatz.


Rechnen wir das mal durch: 2451 sind einsatzfähig; nur 57% halten es für nötig, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen; von diesen 57% nur 43% (also nicht mal ein Viertel der offiziell zur Verfügung stehenden) haben die Absicht, doch etwas zu arbeiten - und am Ende sind nur popelige 13% der Arbeitslosen überhaupt arbeitswillig.

Und dann wird gewettert, Ausländer würden den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen!
Wenn's nach mir ginge, bekämen jetzt 2129 faule Säcke Arbeitslose während der Erntezeit keinen einzigen Cent auf ihr Konto überwiesen. Vielleicht würden sie doch noch auf den Feldern auftauchen und sich die manikürten Händchen schmutzig machen (aber nein, das kann ja nicht sein: dann wird einfach der Staat verklagt).

Schon mal was von "Mitnahme-Mentalität" gehört?

1 Kommentare:

Anonymous Hollito schrieb...

Och nee Roland, nicht auch noch bei dir das "Spargelstechen" Thema. :-(
Das ist hier in D mittlerweile so oft durchgekaut worden, dass es langweilig wird. Und es wird ständig auch dazu benutzt, von der völligen Konzept- und Hilflosigkeit der momentanen Regierung in Sachen Arbeitslosigkeit abzulenken.

Und das ganze Thema ist m.E. zu komplex, um es auf das ewige "Spargelstechen" zu begrenzen.

Ein weiterer Mosaikstein dazu ist z.B. die Meldung, dass Airbus in Hamburg angeblich händeringend 600 Ingenieure einstellen möchte, aber keine findet...dabei gibt es Tausende arbeitssuchende, gut ausgebildete Ingenieure in D. Die haben aber wohl teilweise nicht das zu bieten, was Airbus sucht. Sie sind z.B. über 40 (KO-Kriterium).
Oder sie sind z.B. nicht maximal 25, haben 10 Jahre Berufserfahrung, können 5 Fremdsprachen, haben ihr Studium mit 1,x abgeschlossen und möchten mal eben für nen Zeitvertrag inkl. Familie umziehen und für wenig Geld arbeiten, um dann nach 1-2 Jahren wieder gefeuert zu werden.

Das ganze ist mal wieder eine total durchsichtige Aktion, damit sich Airbus gezungenermassen im Ausland nach Fachkräften umgucken kann, die natürlich für viiiieeeel weniger Geld als die Deutschen arbeiten und viiiielll besser sind... :-(

Airbus hat vor gar nicht langer Zeit unter dem Projektnamen "Dolores" 10000 Arbeitsplätze abgebaut. Selbst schuld.
Oder, wie es jemand im Spiegel-Forum schrieb:
"Ich stelle mit vor, wie das ausgesehen hätte, wenn heutige Konzernlenker im 15 Jh. versucht hätten Amerika zu entdecken. Sie hätten bei gutem Wetter alle Seeleute, die sie beim in See stechen nicht brauchen, über die Reling geschubst, um Gewicht und Proviant zu sparen, in der Hoffnung, wenn ein Sturm aufkommt und man viele Leute in den Masten braucht, um die Segel zu raffen, die aus dem Meer fischen zu können, die andere ebenso aus wirtschaftlichen Gründen über Bord gehen ließen." (c) Rainer Daeschler

Hier in D wird u.a. mit HartzIV versucht, die Lohnkosten massiv zu drücken. Weil man ja im Ausland (China, Ost-EU-Erweiterung) viiieeel billiger produzieren kann. Das klappt aber alleine desewegen schon nicht, weil die Leute in D leben und ihre Lebenshaltungskosten hier zahlen müssen, nicht in China...

Nen Liter Normal bleifrei kostet hier mittlerweile über 1,30 Euro, die Gas- und Elektroversorger erhöhen hier auch nach Belieben ihre Preise. Steuern und Abgaben kennen nur eine Richtung - rauf, und zwar heftig.

Und weil D so unglaublich hohe Lohnkosten hat, ist es auch Exportweltmeister? Dann kauft das Ausland unsere Produkte wohl nur aus Mitleid?!

Sorry Roland, aber bleib bei den MX Themen. Die nehm ich dir ab. Arbeitslosen-Bashing nicht.

Zum Thema Mitnahmementalität: Zu diesem Thema gibt es hierzulande eine Menge ausgewiesene Experten. Nämlich Politiker und Manager.

22. Juni 2006 um 17:48  

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