Montag, 22. Mai 2006

Mexico den Mexicanern...

... Ausländer raus.

Naja, nicht ganz. Aber fast. Das besagt ein Artikel der Associated Press auf MSN.

Selbst nationalisierte Mexicaner (sprich: die, die vorher Ausländer waren) dürfen per Gesetz bzw. Erlaß nicht:

    - Abgeordneter sein im Senado de la República oder Congreso de la Unión

    - Abgeordneter sein in den Parlamenten der estados

    - Gouverneur eines estado sein

    - Richter sein an der Corte Suprema

    - Feuerwehrmann, Polizist oder Richter sein

Die Verfassung reserviert jedweden Posten in den Bundesbehörden, beim Militär und der Marine für in Mexico geborene Mexicaner.

Und wozu das alles?
Weiß der Kuckuck. Mexico's Ausländer machen gerade einmal 0,5% der Bevölkerung aus und gefährden garantiert weder Job- noch Kultur-Verlust (mich würde einmal interessieren, wieviel sie zum Brutto-Sozial-Produkt beitragen).

Das Argument mit dem Krieg von 1847/48 finde ich ziemlich überholt - das ist mehr als 150 Jahre her! Selbst die Enkel der Feiglinge Helden von Chapultepec sind längst tot!
Ich halte diesen Revisionismus sowieso nur für Neid: ähnlich wie in Israel, wo die Juden aus vernachlässigter Wüste grüne Oasen gemacht haben, haben die USA aus einem vergessenen Land (es gab dort nur ein paar spärlich gesäte presidios und kaum mex. Bevölkerung) eine Wirtschaftsmacht aufgebaut - und Mexico blieb in der Misere.
Wessen Schuld ist das wohl?

(über ALT1040)

6 Kommentare:

Blogger zonametropolitana schrieb...

natuerlich ist die misere schuld der mexikaner. wer sonst. und wer hier in der politik gluecklich werden will, muss mexikaner sein. ist das so schlimm?
mexiko war immer ein land das auslaender aufgenommen hat, spanische republikaner, deutsche juden, argentinische dissidenten, selbst den shah von persien.
das es aber klare grenzen gibt, selbst fuer eingebuergerte mexikaner ist eben so. das hat nichts mit revisionismus oder neid zu tun. sobald deine kinder hier geboren werden sind sie mexicaner! denen steht dann der praesidentenstuhl oder ein posten bei der feuerwehr offen.
p.s. los heroes de chapultepec waren in deinen augen feiglinge? enkel hatten sie wohl alle keine, sind ja jung gestorben.

22. Mai 2006 um 14:12  
Blogger rolandmex schrieb...

... und alle müssen, selbst, wenn sie sich entscheiden, Mexicaner zu werden, schön brav sein, die Hände in den Schoß legen und darauf hoffen, dass die mexicanos por nacimiento die Sache schon schaukeln.

Das ist doch das Indiz dafür, dass die Aufgenommenen nur geduldet werden. Das schreit doch förmlich:
Total-Integration strengstens verboten!

Und ja: die Niños Héroes sind für mich Feiglinge wie jeder, der Selbstmord begeht, um sich vor der Verantwortung des Lebens zu drücken.

22. Mai 2006 um 14:23  
Blogger Andreas Bohn schrieb...

@ zona:
sobald deine kinder hier geboren werden sind sie mexicaner!

Das stimmt so und ist für komplett ausländische Paare vorteilhaft, verglichen mit beispielsweise der deutschen Regelung.

Aber: Für uns (meine Frau und ich) ist das erstmal egal, das Kind bekommt beide Staatsangehörigkeiten, auch wenn es in der Wallachei zur Welt kommt. Und wenn meine Frau die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt hätte, hätte sie eben diese bekommen. Und zwar eine, die der Meinigen gleichwertig ist.

Ich will ja gar nicht Präsident (oder Feuerwehrmann) werden, aber über mir schwebt immer das Damokles-Schwert der Ausweisung, selbst als Vater eines mexikanischen Kindes werde ich nie davor sicher sein, zufälligerweise zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und dann als politischer Aktivist ausgewiesen zu werden.

Glaubst Du ernsthaft, wenn ich zufälligerweise in Atenco aufgegriffen worden wäre, wäre mir die Ausweisung erspart geblieben, egal aus welchen Gründen ich mich dort aufgehalten hätte?

So gesehen ist es zwar nett, das mein Kind Präsident werden darf, aber ein bischen mehr Sicherheit für mich wäre schon wünschenswert.

22. Mai 2006 um 14:51  
Blogger zonametropolitana schrieb...

ausweisen koennen sie dich dann nicht mehr so einfach, da wirds schon etwas komplizierter. wie dem auch sei, wir inmigrados( mexikaner 3.klasse) koenne uns eigentlich nicht beschweren, und wenn du erwischt wirst musst du eben durch, irgendwie bekomt man hier mit der zeit schwielen an den haenden, den fuessen, und woanders auch noch. ich gege da ganz konform mit der "ley de herodes" o te chingas o te jodes!

23. Mai 2006 um 04:08  
Blogger Andreas Bohn schrieb...

Na, ich finde schon, daß wir uns beschweren können.

Klar, es steht uns jederzeit frei, in unser Heimatland zurückzukehren, aber wenn man hier mal jahrelang gearbeitet (und Steuern bezahlt), sich eventuell ein Haus oder gar ein eigenes Geschäft aufgebaut hat, dann wäre es nett, zumindest die Möglichkeit zu haben, irgendwann mal als "echtes" Mitglied dieser Gesellschaft anerkannt zu werden.

Ob man den letzten Schritt denn tatsächlich geht, steht auf einem anderen Blatt, mir leuchtet immer noch nicht ein, weshalb ich keine zwei Staatsangehörigkeiten haben kann. Bei Kindern aus Mischehen (furchtbares Wort!) geht das ja schließlich auch.

Sei's drum, wir werden uns damit abfinden müssen, vielleicht wird ja mal eines unserer Kinder Präsident und ändert das dann. ;-)

23. Mai 2006 um 09:16  
Blogger Herr Juanito schrieb...

Man müsste daran denken, dass diese Gesetze in ihrer ursprünglicher Form am Anfang des 20. Jahrhunderts verabschiedet worden sind. Wenige Jahre nach der letzten Intervención estadunidense en Veracruz und nach dem berühmt berüchtigten Botschafter Henry Lane Wilson.
Da es sich wenig geändert hat liegt wohl an der Tatsache, dass es so wenige Ausländer in Mexiko leben und keine Lobby haben.
Immerhin, Fox hätte in den Achtzigern keine Chance gehabt, Präsident zu sein. Nicht nur wegen der damals mächtigen PRI, sondern auch weil für jemdanden mit ausländischen Eltern gesetzlich verboten war Präsident zu sein.
Ich bin für eine glechgültige "Mexicanidad" der "Ausländer" mit mexikanischer Staatsbürgerschaft, so wie ich auch für die deutsche Staatsbürgerschaft für die in DE geborenen Kinder bin.

Juan Alberto

25. Mai 2006 um 05:06  

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