Donnerstag, 22. Juni 2006

Auswandern aus Deutschland (II)

Deutsche wollen weg aus Deutschland.
Offiziell waren es letztes Jahr 160.000 (von 150.000 im Jahre 2004), die Deutschland den Rücken kehrten - inoffiziell (v.a. durch die, die sich nicht ordnungsgemäß abgemeldet haben) um die 250.000.
Vor allem der brain drain macht Arbeitsmarktexperten Sorgen: Ärzte, Ingenieure, Doktoranden... - Akademiker. Aber auch Arbeitslose suchen nach Chancen, die sie in Deutschland nicht finden.

Im Klartext: Deutschland schafft es nicht mehr, jungen und fähigen Menschen im eigenen Land eine Perspektive zu geben.

Mehr im Spiegel-Online-Artikel "Flucht aus Deutschland: Größte Auswanderungswelle der Geschichte".

Wie gesagt: was zahlt Deutschland, wenn ich zurückkomme? ;-)

(dazu auch "Auswandern aus Deutschland")

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5 Kommentare:

Anonymous Hollito schrieb...

Tja,
es liegt wohl doch nicht nur an den "faulen" deutschen Arbeitnehmern, die sich mit 345 Euro/Monat HartzIV Geld ihr Luxusleben gestalten müssen...

Letztes Jahr hat die SPD (eine Partei, die ursprünglich mal für den "kleinen Bürger" eingetreten ist) noch trompetet, mit ihr gäbe es keine 2% Mwst Erhöhung, und hat das auch noch mit dem Slogan "Merkel-Steuer" belegt. Geeinigt hat sie sich dann mit der CDU auf satte 3% - schönen Dank auch!

D wird systematisch kaputt gemacht von der "Großen Koalition". Letzes Jahr ist Angie M. zum Europa-Gipfel gefahren, um zwischen England und Frankreich zu vermitteln - mit Erfolg. D zahlt einfach pro Jahr 2 Milliarden Euro (!) mehr, und alles war gegesssen.

Kann man es da den Leuten vorwerfen, das sie sich schnellstmöglich hier verpieseln, wenn sie es können?

22. Juni 2006 um 18:05  
Blogger rolandmex schrieb...

Ich glaube kaum, dass die Auswanderer-Welle damit zu tun hat. In anderen Ländern ist's doch noch schlimmer mit dem Politiker-Pack (bestes Beispiel: Mexico)!

Und mehr als in D verdiene z.B. ich nicht - nur, dass ich was habe, was ich in Deutschland nicht hätte: einen Arbeitsplatz (Kartografen gibt's in D mehr als Beschäftigungs-Möglichkeiten für sie).

Die Gründe für Auswanderung liegen doch auf der Hand: kaum berufliche Perspektive, wirtschaftliche Sorgen.
Sei es, weil es keine (geeigneten) Arbeitsplätze gibt, sei es, weil die Fähigkeiten des Arbeitnehmers nicht genügend gewürdigt werden (z.B. diese ständigen Zeitverträge, ewiges "Praktikanten"-Dasein bei Minimum-Bezahlung, unbezahlte Überstunden, etc. etc.).
Da hat man wirklich Lust, dem Ganzen zu entfliehen (was bei mir so nicht der Fall war: man wollte sogar das eine Jahr, das ich in Vancouver sein sollte, auf mich warten - dass ich den Job dann sausenlassen habe, hatte andere Gründe).

Eine Sache sollte man aber bedenken: es ist wahrscheinlich, dass eine große Anzahl Deutscher irgendwann zurückkehrt; spätestens dann, wenn die Existenz gesichert ist und der Lebensabend genossen werden will.

Die Globalisierung und die wachsende Wichtigkeit Deutschlands haben eben nicht nur (direkte) Vorteile; aber durch viele "Geldspende"-Aktionen werden Arbeitsplätze erst gesichert - wenn auch oft nur auf nicht direkt erspürbare Sicht.

Ich bleibe dabei, dass es deutschen (Lang-) Arbeitslosen im allgemeinen zu gut geht und sie nicht mehr arbeiten wollen. Klar, Hartz IV ist nicht die Welt, aber frag' mal einen mex. Arbeitslosen, wieviel er vom Staat bekommt - wenn der sich nicht bewegt, kommt bald nur nicht mal tortillas y frijoles auf den Tisch. Deutsche bekommen dann "günstigen Wohnraum" und haben Anspruch auf eine komplette Kleider-Montur alle halbe Jahr (auf Staatskosten, versteht sich).

Ah, und: jedes Land hat die Regierung, die es verdient.

22. Juni 2006 um 20:20  
Anonymous Hollito schrieb...

Hallo Roland,

prinzipiell sind wir ja einer Meinung...
Ich schrieb doch: "D wird systematisch kaputt gemacht von der "Großen Koalition"."

Und du schriebst dazu: "Die Gründe für Auswanderung liegen doch auf der Hand: kaum berufliche Perspektive, wirtschaftliche Sorgen.
Sei es, weil es keine (geeigneten) Arbeitsplätze gibt, sei es, weil die Fähigkeiten des Arbeitnehmers nicht genügend gewürdigt werden (z.B. diese ständigen Zeitverträge, ewiges "Praktikanten"-Dasein bei Minimum-Bezahlung, unbezahlte Überstunden, etc. etc.).
Da hat man wirklich Lust, dem Ganzen zu entfliehen


Mein Reden. Der Arbeitsmarkt wird auf Drängen der Arbeitgeber immer weiter "aufgeweicht", Steuern, Abgaben und Lebenskosten immer weiter erhöht. Der Staat hat kein Geld? Da wird natürlich nicht gespart, sondern halt die Steuern erhöht. Das meine ich mit "D kaputtmachen".

Schönes Wochenende und Gruß aus Ostwestfalen, Hollito

23. Juni 2006 um 01:46  
Anonymous Hollito schrieb...

Zur Lage in D, sehr lesendwert:

http://blog.zeit.de/herdentrieb/?p=64

23. Juni 2006 um 04:07  
Blogger Andreas Bohn schrieb...

Ich weiß nicht, wie repräsentativ ich für die Welle bin, aber die Politik in D ist für mich tatsächlich einer der Gründe gewesen.

Ich hatte das Glück, als Freiberufler recht erfolgreich zu sein, ich hatte auch ein Angebot von einem meiner Kunden, mich fest einzustellen, es lag bei mir also nicht am Job.

Was ich in D furchtbar finde ist die Gängelei. Alles ist so dermaßen geregelt, man hat im Prinzip keinen Freiraum irgendetwas neues auszuprobieren. Als mein Arbeitgeber pleite ging, kamen auf Bewerbungen nur Absagen. Immer mit der Einschränkung "naja, als Freiberufler könnten wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen". Warum? Erstens ist es ein großer Aufwand, Leute einzustellen: Steuern, Krankenkasse, Berufsgenossenschaften etc. Ich rede nicht von den Kosten, sondern einfach nur vom Papierkram. Und dann kommt bei größeren Firmen das Problem dazu, daß man sich von problematischen Arbeitnehmern halt nur sehr schwer wieder trennen kann.

Also hab' ich mich selbständig gemacht und noch bevor ich den ersten Euro verdient hatte bekam ich Post von IHK, Berufsgenossenschaft, Gemeinde und der GEZ.

Bei der IHK wurde ich zum Mitglied erklärt, ich soll doch bitte zahlen.
Die Berufsgenossenschaft wollte wissen, wieviele Angestellte ich habe.
Die Gemeinde teilte mit, daß sich meine Müllgebühren verdoppelt haben.
Und die GEZ wollte wissen, ob der neue Betrieb einen Fernseher hat.

Man hat ja sonst nichts zu tun, als dem Beamten zu erklären, warum man als Softwareentwickler nicht mehr Müll macht, als man es als Privatperson tun würde.

Muß ich noch das so furchtbar durchdachte Dosenpfand erwähnen? Oder das Steuersystem mit seinen zig tausend Regeln und noch vielmehr Ausnahmen? Oder die Tatsache, daß auch Privatpersonen ein Impressum auf ihrer Homepage brauchen, wenn sie nicht gefahr laufen wollen, abgemahnt zu werden?

Warum braucht es für alles eine Regelung, wo ist der mündige Bürger, der gesunde Menschenverstand?

Und, um zu einem Ende zu kommen: Nein, ich halte die Politiker hier in Mexico nicht für besser oder schlechter, aber sie regulieren mein Leben weniger, sie lassen mir mehr Freiheit und sie nehmen mir weniger Geld aus der Lohntüte.

23. Juni 2006 um 10:18  

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