Dienstag, 14. November 2006

Erleuchtet!


(Satellitenaufnahme: Google Maps)

Soeben komme ich von einer Kundgebung von ihm vor dem Hemiciclo a Juárez zurück.
Ich bin seelig, denn ich habe ihn zum ersten Mal in Person gesehen: San Manuel Andrés!

Als ich -etwas verspätet- zum Essen ging, sah ich, dass die Av. Juárez von der Polizei abgesperrt wurde; etwas alltägliches, besonders seit die APPOs vor dem Hemiciclo campieren und alle Nase irgendwo hinmarschieren.

Auf dem Rückweg vom Essen hörte ich etwa auf Höhe des Hotel Sheraton Centro Histórico eine mir bekannt erscheinende Stimme mit einem gern parodierten tabasqueñischen Akzent durch den Lautsprecher und näherte mich der am Hemiciclo stehenden unscheinbaren Bühne (das rote Rechteck im Foto oben), um zu meiner Überraschung festzustellen, dass er dort eine Rede hielt.

Die versammelte Menge war allerdings erstaunlich klein (die schraffierte Zone); auf einer Fläche von vielleicht 20 x 50 m und sehr locker angesiedelt, so dass ich problemlos bis zu dem als grünen Punkt gekennzeichneten Platz gehen konnte (sogar ohne mich jemals mit einem "con permiso" vorbeidrängeln zu müssen).

Der Diskurs enthielt das übliche (welches man bestimmt bald in einschlägigen Medien nachlesen kann); wirklich lustig fand ich folgende Ansage: "Ich bin von 53, und am gestrigen Tag bin ich 53 geworden." (was die Leute mit einem lauten "Oooh!" quittierten; ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass López verzweifelt war, weil ihm wohl kaum einer zum Geburtstag gratuliert hatte).
Lustig fand ich das deshalb, weil es mich an einen meiner Geburtstage von vor vielen Jahren erinnerte (wir waren alle in den Endzügen unserer Diplomarbeiten), als ich ein paar Tage vorher in die versammelte Kommilitonen-Runde sagte: "In 4 Tagen [oder so] habe ich Geburtstag und wer will, der kann auf ein Bierchen zu mir in die Bude kommen." Ich wartete an diesem Tag mit mehreren Kisten Bier bei mir zuhause auf Gäste... - und es kamen exakt zwei Leute. :(

Nach den üblichen Schlachtrufen "Viva México", etc. drehte ich mich um, ging Richtung Balderas und machte dabei wohl ein skeptisches Gesicht. Sofort wurde ich von einem Fahne-tragenden jungen Mann angeraunzt: "¿Y esa cara, cabrón?". Ich sagte nichts und ging einfach weiter.

Ich wußte, dass López an Anhängerschaft verloren hat, aber dass es nur noch so wenige sind, fand ich doch überraschend. Verteidigend sei gesagt, dass die Kundgebung an einem Dienstag um 17:45 Uhr stattfand, wo normale Menschen arbeiten (hm, naja, beim plantón waren sie ja auch rund um die Uhr da ohne Probleme auf der Arbeit zu haben).

2 Kommentare:

Anonymous Anonym schrieb...

Eigentlich das Überraschende ist der Umzug von Zocalo zum Hemiciclo. Hat er kein Geld mehr, um sich Acarreados leisten zu können?
Mal schauen wie viele Leute am 20 November in seinem "toma de protesta" erscheinen

15. November 2006 um 02:40  
Blogger rolandmex schrieb...

Auf der Reforma-Webseite war gestern abend von 500 Teilnehmern die Rede; ich hätte die Menge auf aller- (aber aller-!) höchstens 1000 geschätzt.

Mir wurde auch ein Zettel in die Hand gedrückt (naja, ich habe ihn mir abgeholt), auf dem deutlich zu lesen ist, dass López Polygamist ist. Der Zettel, der zur "toma de protesta" am 20. November aufruft ist unterzeichnet von "Las mujeres de Andrés". ;-)

15. November 2006 um 11:27  

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