Mittwoch, 28. November 2007

Sensibelchen

Gestern erhielten ein paar Abgeordnete während einer Plenarsitzung in der Honorable (sic!) Cámara de Diputados auf ihrem (vom Steuerzahler finanzierten) Handy SMS bzw. Anrufe, dass Familienmitglieder von ihnen entführt worden seien (halt die weithin bekannten Drohanrufe mit weinenden, um Hilfe flehenden Kindern, die jeder Normalbürger kennt).

Einigen der Damen und Herren schlug das so sehr auf den Magen, dass die Sitzung abgebrochen wurde.

Da lach' ich mich doch kaputt: wenn's darum geht, mit narcos und anderem lichtscheuen Pack kriminelle Abmachungen zu schließen, sich in aller Öffentlichkeit im Plenarsaal wie rotznäsige Halbwüchsige zu kloppen, die Steuern zu erhöhen, um sich dann das gezahlte Geld per "Sonderzahlungen für gute Arbeit" in die eigene Hosentasche zu stecken oder sonstwelche krummen Dinger zu drehen, haben die diputados kein schlechtes Gewissen - wenn's ihnen dann aber persönlich an den Kragen gehen könnte (!), fallen sie in Ohnmacht.

Wie war der Spruch? "Ladrón que roba a ladrón..."
Sorry, kein Mitleid von mir; nicht für senadores und diputados.

(mehr im El Universal)

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6 Kommentare:

Anonymous Don Pedro schrieb...

Tough, tough......

..warte mal bis dich so ein Anruf erreicht, dann denkst Du vielleicht etwas anders...mehr in Vater-Kind Kategorien als deine sattsam bekannten "alle Politiker sind Idioten und Schwachkoepfe" Schubladen. Ob du dich dann immer noch darueber kaputtlachst?

28. November 2007 um 21:56  
Blogger Andreas Bohn schrieb...

..warte mal bis dich so ein Anruf erreicht, dann denkst Du vielleicht etwas anders...

Das ist doch der Punkt: Für viele Bürger hier im Land sind diese Anrufe seit mindestens zwei Jahren bittere Realität und es wurde bisher nur sehr wenig bis gar nichts dagegen getan.

Ich konnte mir gestern abend das Grinsen auch nicht verkneifen, als es durch die Nachrichten ging, daß

a) ein Diputado (oder eine Diputada) Opfer eines solchen Anrufes wurde und

b) jetzt großartige Pläne aufgetischt werden, wie man dem Problem Herr werden könnte.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

29. November 2007 um 08:36  
Blogger rolandmex schrieb...

Sind Politiker etwa nicht so wie ich denke - besonders in Mexico?
Ach so, ich vergaß den heiligen Manuel Andrés. Asche auf mein Haupt.

Den Rest (von wegen Anruf-bekommen-und-plötzlich-schwer-
besorgt-sein-um-sich-selbst-während-
einem-die-Bevölkerung-vorher-immer-am-
Ar...-vorbeiging-Hauptsache-mein-
Geldbeutel-ist-voll) hat Andreas ja schon erklärt.

29. November 2007 um 10:23  
Anonymous Don Pedro schrieb...

Sind Politiker etwa nicht so wie ich denke - besonders in Mexico?


Klar, genauso sind Sie! Alle, pauschal! Ohne Unterschied. Und nochmal so schlimm. Aber denke ruhig weiter.

Ach so, ich vergaß den heiligen Manuel Andrés. Asche auf mein Haupt.

Sehr guter Witz!

Aktuell und neu!

Du scheinst irgendwie ein mentale Fixation zu diesem Herrn zu haben.

Doch zurueck zum Ausgangsthema.....will dich mal sehen, wenn du deinen ersten secuestro virtual am Telefon handelst.....ob Du dann immer noch so schnippisch-souveraen die Sache von oben herab kommentierst?

As es mich erwischt hat hatte ich, auf gut deutsch, die Hosen voll!

29. November 2007 um 13:21  
Blogger Hollito schrieb...

Ist "don pedro" die aktuelle Inkarnation von "Miesepeter" aka "Zona" aka...?

29. November 2007 um 17:07  
Blogger rolandmex schrieb...

"Und nochmal so schlimm. Aber denke ruhig weiter."

Tue ich, keine Angst. Aber wenn Du mir einen mexicanischen Politiker zeigen kannst, der nicht korrupt ist und seine Wähler über's Ohr haut, könnte ich umdenken.
Du weißt ja: in Mexico gilt der napoleonische Kodex und bei dem ist der Beschuldigte solange schuldig, bis er seine Unschuld beweisen kann.

"Du scheinst irgendwie ein mentale Fixation zu diesem Herrn zu haben."

Don Manuel ist ein Alliierter von mir; wußtest Du das nicht?
Jedesmal, wenn ich mich über ihn lustig mache, kommt der gleiche Hund und kläfft. Das entlarvt dann ziemlich einfach die Leute, die sich hinter ständig wechselnden Pseudonymen zu verstecken versuchen, das Rollenspiel aber offenbar nicht beherrschen.
Am Niederrhein sagen wir dazu: "Dumm jeboren un' nix dazujelernt." ;-)

Apropos (und das ist jetzt ohne jegliche Ironie): ich hoffe, Du bist Dir selbst treu und läßt den "Don Pedro" stehen.

"(...) so schnippisch-souveraen die Sache von oben herab (...)"

Ich höre und sehe immer Werbespots, wo die Cámara de Diputados irgendwas von "el México que quieres es el México que nosotros queremos" faselt. Wenn die Damen und Herren diputados dann aber absichtlich die Augen vor der Wirklichkeit verschließen und dann von ihr eingeholt werden, dann finde ich das in Ordnung. Schließlich ist es ihre eigene Schuld, dass es soweit gekommen ist; sie hatten es in der Hand, diese Zustände zu unterbinden - aber es ist ja wichtiger, sich gegenseitig zu blockieren, zu beschimpfen und Parolen zu brüllen.

Das sage ich unabhängig davon, wie schwierig es ist, einen solchen Drohanruf zu verkraften. Das gleiche würde ich sagen, wenn ihnen z.B. auf offener Straße (oder sonstwo) mit vorgehaltener Schußwaffe ihre (übermotorisierte) camioneta abgenommen würde.

Ein guter Freund von mir wurde schon entführt (nicht bloß angerufen) und konnte entwischen - barfuß in der glühenden Hitze der Steinwüste nördlich von Acapulco. Er wechselte Telefonnummern, Auto und Gewohnheiten. Als er dann Drohanrufe gegen seine drei Kinder erhielt, packte er Familie und Siebensachen ein und floh in eine andere Stadt.

Das und anderes ist eine Realität in Mexico seit vielen Jahren. Was haben Regierung, diputados und senadores dagegen getan? Nichts, weil sie sich selbst sicher fühlten (können sie auch; der Steuerzahler finanziert ja die guaruras, während er selbst ungeschützt bleibt).

Es ist traurig, dass es erst soweit kommen muß, damit die "Volksvertreter" begreifen, was im Volk vor sich geht. So fies sich das für Dich anhört, fallen diese Anrufe doch in die Kategorie "Dumm gelaufen" und "selbst Schuld".

30. November 2007 um 10:07  

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