Dienstag, 1. Dezember 2009

Saison-Beginn

Von draussen vom Bus, da komm ich her; ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr...

Gestern bin ich das erste Mal seit mehr als 3 Jahren im Bus überfallen worden. Ein großer Fettsack, der alleine mit einer silberner Pistole rumfuchtelte und Schimpfwörter ausstoß.
Wenn ich nicht mittlerweile Familie hätte, würde ich irgendeinem von diesen Schmarotzern mal eins in die Fresse hauen auch auf die Gefahr hin, selbst verkloppt (oder schlimmeres) zu werden. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den anderen Schafen Fahrgästen das Haupt zu senken und zu blöken meine Habseligkeiten in einen Beutel zu werfen.
81 Pesos hat mich die Feature Rich Real Robbery gekostet; Uhr und Handy konnte ich rechtzeitig verstecken.

Ich fürchte, das wird nicht der einzige Überfall gewesen sein in dieser fröhlichen, seligen, gnadenreichen Weihnachtszeit 2009. Wie gut, dass der mex. Präsident verkünden läßt, dass die Krise vorbei ist und es aufwärts geht.
Ob das auch die Wirtschaft und vor allem die Räuber schon wissen...?

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Mittwoch, 11. November 2009

Karnevals-Umzug

Heute mittag, als ich auf dem Paseo de la Reforma unterwegs war, kam er gerade vorbei: der mexicanische Karnevals-Umzug vom 11.11. (um 11:11 Uhr).

Nur: es gab keine Prunkwagen; alle liefen zu Fuß; keiner warf Kamelle; kaum einer war verkleidet (und falls doch, dann nur in schwarz-rot); viele trugen ein seltsames Schild, auf dem eine Faust abgebildet war und irgendwas vom Fuß von María de la Luz ("... en pie de Lucha") stand; und anstatt gesungen wurden Parolen gerufen.

Tja... - andere Länder, andere Karnevals-Sitten... - seht selbst:


;-)

(näheres dazu im El Universal)

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Freitag, 16. Oktober 2009

Männer-Emanzipation

Als ich Anfang 1995 mein Studium beendete sah es auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieur-Kartographen nicht rosig aus. Der Boom nach der Wiedervereinigung, bei der die Leute schon vor Ende ihrer Diplomarbeit weg-kontratiert wurden, war vorbei und viele standen, wenn nicht auf der Strasse, so doch auf der Abschussliste.
Von meinen Kommilitonen waren es die Frauen, die zuerst (und fast ausschliesslich) eine Arbeitsstelle fanden.

Warum?
Na, grösster Arbeitgeber war der Staat, und der hatte die ach-so-heilbringende Frauenquote eingeführt, um den Anteil von Damen auf den Ämtern zu erhöhen und so den Anschein von Gleichberechtigung zu erwecken. In allen Stellenausschreibungen stand etwas von "...bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt...", was in der Praxis soviel hiess wie: "es können sich 1000 Männer auf die Stelle bewerben und nur eine Frau, und wenn die Frau die gleiche Qualifikation hat, kriegt sie den Job und die ollen Macho-Schweine Männer gucken in die Röhre." - ...eine schöne "Gleichberechtigung"...

Aber es scheint, die Politik hat endlich (knapp 15 Jahre nachdem (auch) ich "Opfer" dieser Regelung wurde) begriffen, dass Männer (und Jungs) schon seit langem benachteiligt werden: in den Koalitions-Verhandlungen von CDU/CSU und FDP wurde beschlossen, demnächst Männer zu fördern.

... ob in Zukunft Frauen so betitelt werden wie wir Anfang der 1990er?
So im Stile von "Chauvinistin", "Macha-Sau", "Frauen-Schwein", ...? - Bekommen wir nun endlich auch einen "Internationalen Männer-Tag"?

;-) LOL

(mehr Info dazu auf SPON)

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Umweltschutz

Wie es sich für eine mex. Regierung gehört (egal, ob lokal, auf Staats- oder auf Bundes-Ebene), gibt es zum Tag, an dem der Jahresbericht abgeliefert wird, eine Werbekampagne (auf Steuerzahlers Kosten, versteht sich), um die wichtigsten Errungenschaften des Jahres ganz besonders zu würdigen.
Eines der diesjährigen Plakate weist auf die Arbeiten zum Schutz der Umwelt und der Errichtung öffentlicher Räume hin; hier sieht man die neu eingerichteten Fußgängerzonen, die Fahrrad-Leihstationen und die Renaturierung des Río Magdalena.

Lachen musste ich vor allem über letzteres, denn am 23.9.09 sah es am Lauf des Flusses Río Magdalena nach einem heftigen Regenguß so aus:



Was war passiert? Ein Autoverkäufer hatte den Flußlauf beeinträchtigt, indem er illegal einen Parkplatz gleich am Ufer errichten ließ, der das heraneilende Wasser nicht schnell genug ablaufen ließ, es so einen Teil der Stützmauer mitnahm und damit ein paar (neue!) Autos in die Tiefe riss.

(Foto: esmas.com)

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Freitag, 4. September 2009

Bei der Eltern-Versammlung

Heute morgen war die erste reunión de padres im neuen Kinderhort meiner Tochter. Die Regional-Direktorin des DIF (dem der Hort angehört) war da, und wäre in einem Moment nicht protección civil aufgetaucht, um sie zu beschützen -so schilderte es meine Frau, denn ich war nicht dabei- dann hätten sie sie glatt gelyncht.

Warum?
Es gibt eine neue Hort-Leiterin, von der man nicht weiss, ob sie durch Beziehungen an den Job gekommen ist (hier fand gerade Bürgermeister-Wechsel statt und da ist es (leider!) üblich, dass alle möglichen Familienmitglieder und Kumpels des presidente municipal irgendwo "untergebracht" werden) oder ihres Könnens wegen; es gibt -zwei Wochen nach Schulbeginn- immer noch kein Erziehungs-Programm für das Schuljahr; es scheint, eine der Kindergärterinnen hat gar keine entsprechende Ausbildung (und war vorher Putzfrau des Horts); es gibt keinen Speisesaal für die Kinder, weil das Mobiliar für die zwei Gruppen benötigt wurde, die neu formiert wurden; usw. usf. - und zu allem Überfluss kam irgendwann eine Mutter in den Saal gerannt und rief: "Man serviert den Kindern das Frühstück aus Eimern!" - woraufhin eine Horde Eltern aus dem Saal stürmte, um mitanzusehen, wie das huevo a la mexicana mit großen Löffeln auf die Teller der Kinder geschaufelt wurde.

Ansonsten gab es das übliche Gemeckere und Gezetere, dass die Kinder (hier wurde über 1- bis 5-Jährige gesprochen!) doch Ballett- oder Volkstanz-Stunden haben sollten, ihnen Englisch beigebracht werden soll oder computación (wobei ich mich frage, was ein 3-Jähriger am Rechner soll...).
Nur meine Frau und ein Vater, dessen Frau Pädagogin ist, waren dagegen - alle anderen schwafelten was von "fitmachen für den Konkurrenz-Kampf" (als ob "pollo - chicken, gallina - hen" oder wildes Rumgehacke auf Tastaturen steinalter XT-Rechner da irgendwas ändern würde...).

Arme Kinder - noch ärmere Eltern.
Weil sie keine Zeit mehr für ihre Kinder haben (wollen), müssen ihre Sprösslinge Englisch und Computer lernen anstatt zu spielen... - und wenn Fragen aufkommen, können Papa und Mama nicht helfen. Wie gesagt: 1- bis 5-Jährige.

Wie das wohl wird, wenn sie 13 sind? - Aber nee, hier ist Mexico... - mit 13 hat man mit lahmem Vorankommen im Lernstoff und Schulausfall (puentes, huelgas, monatliche, völlig unnötige "Lehrer-Versammlungen", etc.) so viel Zeit vertändelt, dass man auf dem Niveau eines Dritt-Klässlers in Deutschland ist.

Jedenfalls ist meine Frau nun Angehörige eines 5-köpfigen "Kontroll-Komitees", das prüft, ob in dem Hort alles in Ordnung ist und dessen Mitglieder auch unangekündigt kommen dürfen.
Mal sehen, was daraus wird...

(andere Mexico-Blogger zum Thema: cabronsito und Andreas)

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Freitag, 24. Juli 2009

So? Oder darf es etwas mehr sein?


Seit der D.F. "unabhängig" ist, regiert die gleiche Partei, die wesentliche Verbesserungen gegenüber den Vorgängern der SED PRI versprochen hatte.
Hier sieht man die logros der letzten Jahre.

(Protest-Aufkleber in der Metro)

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Donnerstag, 9. Juli 2009

Die Liste der IMSS-Kindergärten

Nun hat die staatliche Sozial-/Krankenversicherung IMSS nach 33 (in Worten: dreiunddreissig) Tagen endlich die famose Liste der lizensierten Kindergärten abgegeben.

Warum das so lange gedauert hat?
- Na, man musste die entsprechenden Dokumente erst einscannen, um sie dann als TIF-Dateien zu präsentieren. Offenbar hat der IMSS nur einen Scanner oder nur eine Person im staff, die das Gerät bedienen kann. Dass man zum effizienten Gebrauch der Liste die Daten eigentlich in einer Datenbank haben sollte, ist bis zum IMSS noch nicht vorgedrungen.
Ich frage mich, wie der IMSS seine Lizenznehmer kontrolliert, und ob er überhaupt weiss, wo die Kindergärten sind...

Zur Liste selbst ist wohl nicht viel zu sagen, weil sie so ausfiel, wie zu erwarten war: alle möglichen Leute mit palancas sind darauf vertreten, wie z.B. ein entfernter Cousin des Präsidenten, Familienangehörige, Freunde, Kumpel und was-weiss-ich von Gouverneuren, Ex-Gouverneuren, Bundes- und Landes-Abgeordneten, Senatoren, Bürgermeistern und anderen Politikern.
Also alles nicht neues in Impunilandia - obwohl ich glaube (wie viele andere auch), dass die Liste geschönt wurde, und Namen vom Schlage eines Chapo Guzmán, Norberto Rivera, Carlos Salinas de Gortari oder José María Aznar aus dem Register gestrichen wurden, um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen...

(Mehr dazu hier, hier und hier)

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Dienstag, 7. Juli 2009

Trocken-Gesetz (II)

Nach den Vorfällen bei den Wahlen am Sonntag (z.B. dieser oder dieser) verstehe ich, weswegen die Mexicaner wie kleine Kinder ans Händchen genommen werden müssen, damit sie sich am Wahltag nicht besaufen und danach Dummheiten anstellen.

Sie können sich am Tag der Wahl ja nicht einmal wie rationell denkende Erwachsene benehmen, wenn sie nüchtern sind!
Stellt Euch vor, was passiert wäre, wenn sie ein paar intus gehabt hätten: noch mehr Tote und Verletzte.

Aber wie das nationale Wahlinstitut IFE immer sagt: "...para que nuestra democrácia crece..." - schön wäre es allerdings, wenn die Mexicaner wüssten, was diese ominöse democracia überhaupt ist...

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Sonntag, 5. Juli 2009

ABC, you and me...

Heute vor einem Monat brannte der Kindergarten ABC in Hermosillo aus; bisher sind 47 Babies und Klein-Kinder an ihren schweren Brandverletzungen gestorben.
Eine wirklich traurige Geschichte, die mich jedes Mal heftig schlucken lässt, wenn ich mir vorstelle, unter den Opfern wäre meine eigene Tochter gewesen...

Trauriger ist allerdings, wie man die Schuldigen sucht, bzw. welche Ungereimheiten da (wieder mal!) auftauchen.
Wie vor einem guten Jahr bei der gescheiterter Razzia in der Discothek News Divine (es kamen mehrere Jugendliche um, man steckte einen Verantwortlichen der Polizei in den Knast (der Sündenbock), der 'Sicherheits-Minister' des DF trat zurück (besser: er wurde zurückgetreten - und ist -wie immer bei Politikern in dieser Kategorie- damit von jeglichen Untersuchungen ausgenommen und damit unschuldig wie die Jungfrau Maria), die Disco wurde von der DF-Regierung enteignet und weiter passierte... - nichts!), steckt auch hier wieder mal der Wurm drin, weil von vorne bis hinten, von unten bis oben und diagonal in alle Richtungen alles voller Heuchelei, Betrug, Gesetzes-Überschreitungen und -Missbrauch, Kompetenzgerangel, nepotismo und einfacher "Scheiss-egal-war-ja-nicht-mein-Kind"-Mentalität ist und die Korruption zum Himmel stinkt.

Kurz:
- keiner ist zuständig; nicht der Gouverneur des Bundesstaates Sonora; nicht die örtliche Feuerwehr, die für die Feuersicherheit von öffentlichen Gebäuden zu sorgen hat; nicht die Besitzer des Kindergartens; nicht der IMSS, unter dessen Namen der Kindergarten lief; nicht die Bundesregierung... niemand halt. Man schiebt sich die Schuld gegenseitig zu (übigens mit den absurdesten Argumente, die man je gehört hat; das beste war, dass der Brand ja in der angrenzenden Lagerhalle ausgebrochen sei - als ob damit erklärt sei, weswegen es kaum Fenster, keine Feuerlöscher, Rauchmelder und Notausgänge im Kindergarten gab) - keiner hat was gesehen, gehört oder gesagt (dieser "Keiner" muss eine einflussreiche Person in Mexico sein; der macht soviele schlimme Dinge, dass man ein hohes Kopfgeld auf ihn aussetzen sollte).

- Berichten zufolge waren alle Papiere des Kindergartens in Ordnung. Herr Mordidota lässt grüssen!

- die (nominellen) Besitzer des Kindergarten sind die Ehefrauen wichtiger Politiker im Staat Sonora (Muss ich mehr sagen? Hallo, Herr Tráfico de Influencias! - aber wir können beruhigt sein: die Herren sind zurückgetreten - und werden sicherlich, wenn der Medienrummel vorbei ist, an anderer Stelle wieder positioniert)

- kurzfristig hat man ein paar "Schuldige" festgesetzt, nachdem wochenlang keiner ausfindig gemacht werden konnte. Ich nehme an, das sind so wichtige Leute wie die Putzfrau oder der Nachtwächter, oder ein Obdachloser, der gerade auf der anderen Strassenseite seinen Rausch ausschlief.

- angeblich (!) gibt es Haftbefehle gegen Verantwortliche, die sich alle auf wundersame Weise entweder in Luft aufgelöst und verschwunden sind oder sich sonstwie geschützt haben. Da es sich ja "nur" um Totschlag von 47 Kindern handelt, können alle auf Kaution wieder raus, damit sie nicht wie in ihrem eigenen Kindergarten im schmutzigen und ungemütlichen Gefängnis bleiben müssen (Ratet mal, wer die fianza zahlt? Kleiner Tip: die, die die Steuern zahlen...).

- das IMSS wurde aufgefordert, eine Liste aller lizensierten Kindergärten zu präsentieren, an der sie nun schon gut zwei Wochen herumdoktorn. Pfuschen und Manipulieren konnten (und können) die von der PRI besser...

Wer hier irgendwelche Gerechtigkeit erwartet, wird -wie immer- enttäuscht werden.

Wer sich etwas mehr dafür interessiert, der sollte Katia D'Artigues' Kolumne von gestern lesen.
Und wer eine Idee davon bekommen will, wie es den Eltern der durch die Korruption in diesem Land ermordeten (ja, das ist es: vorsätzlich und aus niedrigen Beweggründen (= Selbstbereicherung ohne Rücksicht auf Verluste)) Kleinkinder geht, der lese Javier Solorzano's Vitral. Mir selbst steigt bei diesen Schilderungen die blanke Wut in den Kopf.

Viva México... - ¡malditos cabrones!

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Samstag, 4. Juli 2009

Trocken-Gesetz

Nicht vergessen: am 5. Juli -also morgen- ist Wahl.
Das heisst -obwohl wir Ausländer sozusagen "frei" haben-, dass es am Sonntag ab 0.00 Uhr bis nach 19.00 Uhr nirgends (nicht mal im Restaurant) Alkohol zu kaufen gibt.

Weiss der Kuckuck, wer diesen Humbug erfunden hat: muss wohl ein PRI-Einfall gewesen sein, um sicherzustellen, dass auch alle die "richtige" Partei wählen und nicht in beschwipstem Zustand spontan woanders ihr Kreuzchen machen.
Frage: Sind mexicanische Wähler weniger mündig als andere, dass sie bei legalen Tätigkeiten (ein Bierchen schlürfen) bevormundet werden müssen?

Sei's drum... - wichtiger ist vorzusorgen, wenn's am Sonntag was zu trinken geben soll...

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Dienstag, 23. Juni 2009

Psycho-Terror im Bus

Vorige Woche, als ich nach der Arbeit in den Bus stieg, der mich in meine "Legohaus-Siedlung" (O-Ton Andreas) vor den Toren der Stinkestadt bringt, wunderte ich mich, dass vorne in dem schon etwas klapprigen Bus zwei moderne Flachbildschirm angebracht waren, auf denen Videos gezeigt wurden.

Der "Service" entpuppte sich schnell als ein lästiger Marketing-Trick der Partei "que sí cumple" (und das seit mehr als 70 Jahren) PRI: die Videos waren eine Mischung aus Hollywood-Film-Trailers auf englisch (! - wohl alle von der Apple Movie Trailers-Seite heruntergeladen), Piraten-Musikvideos von amerikanischen Rockbands (AC/DC, The Offspring) und mexicanischen Schnulzensängern (Vicente Fernández und andere) und Ausschnitten aus "America's Funniest Home Videos" (synchronisiert).

Nach jedem dieser Kurzvideos (30 sec. bis 5 Minuten) sprang der DVD-Spieler zurück und spielte immer die gleichen zwei PRI-Werbespots ab, die einem schon ab dem zweiten Mal heftig auf den Zeiger gingen. Natürlich war der Ton bei den Spots doppelt so laut wie bei den Videos.
Danach folgte das nächste Filmchen, welche nach etwa 45 Minuten anfingen sich zu wiederholen.

Glücklicherweise hatte ich an dem Tag meinen iPod dabei und konnte den PRI-Psycho-Terror durch Hochdrehen der Musiklautstärke ausblenden während ich ein Buch las.

Heute morgen aber nicht. Als ich in den Bus stieg war da an der Tür dieser Aufkleber "BusTV"... - und erst als ich mich hinsetzte merkte ich, dass ich den "Terror-Bus" erwischt hatte.
Na denn: "... Highway to Hell..."

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Mittwoch, 27. Mai 2009

Lokale Ignoranz - reloaded

Erinnert Ihr Euch an den Beitrag, in dem ich über behördliche Ignoranz zum Thema Miguel E. Schultz schrieb?

Offenbar hat die DF-Regierung ihren Fehler bemerkt und das Schild mit einem Aufkleber korrigiert, um den Namen in Ordnung zu bringen.

Pero que creen...? - Es ist schlimmer gekommen. Das ist wirklich eine Lachnummer.
Seht selbst (aufgenommen an der gleichen Straßenecke - wohlgemerkt: der offizielle Name der Straße ist Miguel E. Schultz):

Vorher:



Nachher:



Vive México! LOL

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Freitag, 1. Mai 2009

Schweine-Grippe: Mindestschutz

Dass ich die Schweinegrippe-Hysterie in Mexico für einen Akt staatlichen Terrors halte, ist kein Geheimnis mehr.

Trotzdem muss man sich vor dem ach-so-gefährlichen Virus schützen. Hier der Mindest-Schutz für Büro-Arbeiter:



LOL

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Dienstag, 31. März 2009

Verdächtiges Pack


(Foto: DPA)

Würden Sie diesen Mann in Ihr Land einreisen lassen; einfach so ohne genauere Untersuchung?

Nein?
Na, die USA auch nicht.

Was man nicht alles der heiligen Sicherheit wegen tut...

(Nachricht bei Spiegel Online)

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Die gerechtesten aller gerechten Wahlen

Demnächst stehen Parlaments-Wahlen an. Deswegen sind die Parteien plötzlich wieder am Bürger (= Wähler) interessiert und reden ihm nach dem Mund: sie fordern die Todesstrafe für Entführer, Legalisierung von Drogen, wollen das Gehalt erhöhen/den Spritpreis senken und anderen populistischen Unsinn und veranstalten partei-interne Wahlen, bei denen so viel gemauschelt und geschoben wird (allen voran die demokratischste aller Parteien: PRD), dass selbst Manipulations-Profis wie Venezuela's Hugo Chávez mit den Ohren schlackern.
Gleichzeitig schlagen alle Parteien aufeinander ein, um wenigstens etwas Profil zu erlangen; konkrete und vor allem realisierbare Vorschläge (die sie nach den Wahlen auch einhalten wollen) haben sie nämlich mal wieder keine (ausser die obengenannten, die grösstenteils verfassungswidrig sind).

Währenddessen muss man neben lächerlichen Partei-Werbespots auch die Radio- und Fernseh-Werbung des IFE (Instituto Federal Electoral - das ist das nominell unabhängige Klüngel-Gremium, bei dem sich die Parteien absprechen, wie und wen sie bei den nächsten Wahlen veräppeln) über sich ergehen lassen und erfahren, dass die anstehenden Wahlen am 5. Juli 2009 noch weisser... - äh, gerechter sind als alle anderen vorher (und ich Naivling glaubte doch tatsächlich, gerechter als die gerechten Präsidentschafts-Wahlen 2006 ginge es gar nicht mehr...).

Ausserdem wurden die Bürger über Monate hinweg mit der Aufforderung bombardiert, sie müssten unbedingt (!) ihre credencial para votar des IFE erneuern (die zum Wählen notwendig ist), wenn darauf eine "03" stünde (was heisst, dass sie schon steinalt ist), sonst könnten sie nicht wählen.

Aber offenbar kennen die sesselpupsenden IFE consejeros (die wahrscheinlich noch nie ein stinknormales IFE-Büro von innen gesehen haben) ihr eigenes Volk nicht, und es ist ihnen unbekannt, dass Mexicaner traditionell (fast) alles auf den letzten Drücker machen.
Konkret: das IFE kommt in den letzten Monaten mit dem Ansturm der Bürger nicht zurecht und nun -man spiele einen Tusch oder den Narhalla-Marsch- kann man auch mit der alten credencial IFE wählen.

... para que nuestra democracia crece!

LOL

P.S. Heute ist der letzte Tag, an dem man seine neue credencial IFE (d.h., die der jenigen, die vorher eine neue beantragt hatten) abholen kann. In den Nachrichten heute morgen hörte ich, dass die IFE-Büros bis 23.59 Uhr geöffnet sein werden.

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Dienstag, 24. Februar 2009

Kuckucke kleben



Diese Zettel mit einem riesigen EMBARGADO oben wurden mehrfach (so an die 10x) auf die Glastüren eines Bestattungs-Unternehmens im D.F., an dem ich täglich vorbeikomme, geklebt; wohl, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass dieser Betrieb dem IMSS (gesetzliche Krankenversicherung) Geld schuldet.
Das hilft, denn es ist schlecht für's Image der jeweiligen Firma, solche Zettel (mit einem ekligen Kleber, der sehr schwer zu entfernen ist) an der Tür zu haben, und deswegen wird schnell bezahlt, bevor es dem Geschäft schadet.

Wieviel dieses Unternehmen schuldet? - Ganze und sagenhafte 330 Pesos; nicht ganz 18 €.

Manchmal frage ich mich, was behördliche Sesselpupser die Damen und Herren Verwaltungsangestellte im Kopf und woher sie ihre Kriterien haben.

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Mittwoch, 11. Februar 2009

Hat Slim Recht oder nicht?

Gestern sagte Carlos Slim bei einem Kongress (in etwa und sinngemäß):
Die wirtschaftliche Situation ist sehr schlimm; die schlimmste Krise seit den 1930ern. Viele Firmen -große, mittlere, kleine- werden schließen müssen und des wird tatsächlich leerstehende Bürogebäude geben.

Er möchte kein Schwarzmaler sein, aber es wird eine sehr schwierige Situation sein; man sollte sich darauf vorbereiten und nicht später die Konsequenzen sehen und weinen. Er schlug vor, sich auf die pymes (kleine und mittlere Firmen) und die interne Wirtschaft zu konzentrieren.
Natürlich ging gleich das große Gejaule der politiquillos los, er solle doch nicht so pessimistisch sein, sonst wäre es seine Schuld, wenn es mit der Wirtschaft weiter bergab geht (so in etwa die Regierungspartei PAN, die sich lieber darauf beschränkt alles schön nicht so schlimm zu reden, indem sie -zusammen mit den Medien- einfach nichts von den tagtäglichen Katastrophen-Weltwirtschafts-Nachrichten sagen).

Katia D'Artigues vom El Universal (von der ich das von Slim gesagte übersetzt habe), meint dazu heute, man solle Slim ruhig glauben und führt an warum:
  1. Die staatliche Krankenversicherung IMSS meldet 5.885 entlassene Arbeitnehmer täglich.
    Seit November 2008 bis Januar 2009 wurden 541.000 Personen entlassen - und hier ist nur die Rede von denen, die tatsächlich beim IMSS angemeldet sind (das sind viele eben nicht und werden daher auch gar nicht erfaßt).

  2. Gestern wurde im El Universal eine Umfrage veröffentlicht, die Ende Januar/Anfang Februar 2009 durchgeführt wurde und bei der herauskam, dass "nur" 84% der Mexicaner von der Krise betroffen sind (bisher!).
    73% haben das Budget für Vergnügen (Kino, Theater, Restaurant- und Kneipen-Besuche, etc.) zusammengestrichen, 69% das für Bekleidung, rund 50% sparen bei Kosten im Haushalt (Miete, Renovierungen, etc.) und Transport (Auto, Sprit, etc.), 53% geben weniger für Essen aus.
    70% fürchten, entlassen zu werden.

  3. Der Präsident wird die Gesetze des IMSS und des INFONAVIT (sowas wie die Bausparkasse des Bundes) ändern, um den Arbeitslosen zu helfen. Das ist gut, könnte man meinen. Aber da ist ein kleines Detail: die Initiative wurden einen Monat (!) nach der Unterschrift unter dem so wichtigen "Nationalen Konsens zur Verbesserung der Familien-Ökonomie und der Arbeit" begonnen. Es scheint eben wichtiger zu sein, sich beim Unterschreiben pompös ablichten zu lassen, anstatt etwas wirkungsvolles zum richtigen Zeitpunkt zu tun und ist somit (so sieht es Katia D'Artigues) eine Lüge.

Sie führt dann noch ein paar andere Argumente an, aber die bringe ich hier nicht ein, denn ich denke, vor allem die ersten zwei sind aussagekräftig genug, oder nicht?

Lest selbst (falls Ihr des Spanischen mächtig seid)

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Montag, 9. Februar 2009

Lachnummer

Gestern abend lag ich schon im Bett und schaute gemütlich fern. In einer "Werbepause" sah ich folgenden Spot:
Ein Mann sitzt am Mittagstisch, seine Frau serviert ihm das Essen, und er klagt: "¿Qué? ¿Romeritos sin camarones?"
("Was denn? Romeritos ohne Garnelen?")

Sie antwortet: "Si, para un esposo sin trabajo."
("Ja. Für einen Ehemann ohne Arbeit.")

Er daraufhin: "Con López Obrador no hubiera pasado eso."
("Mit López Hablador wäre das nicht passiert.")

Ich musste so laut lachen, dass meine Frau erschrocken zusammenzuckte.

Danach erschien der Leibhaftige Manuel Andrés López Obrador (MALO) auf dem Bildschirm, hielt seine Fresse Visage sein Gesicht in die Kamera und sagte etwas, was ich nicht hörte, weil ich so laut lachte.
Am Ende erschien das Logo der Partido de Trabajo (PT).

Es ist wohl unnötig zu sagen, dass mich der Spot köstlich amüsierte, denn jetzt wissen wir: wäre der MALO heute mex. Präsident, wäre die Weltwirtschaftskrise nicht passiert und alles wäre gut.

*ROFL*

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Donnerstag, 29. Januar 2009

Abwasser-Entsorgung à la mexicana

In meinem Kuhdorf Wohnort wird z. Zt. das Abwasser-Netz modernisiert.
Konkret: es werden die Straßen aufgerissen, irgendwelche PVC-Rohre (die bei der nächsten Belastung der Straße -z.B. wenn ein schwerer LKW auf ihr fährt- zerspringen) verlegt und das Ganze wieder mit dem Aushub zugeschüttet. Asphaltiert wird später, wenn die "Asphaltier-Kolonne" Zeit und Lust hat (das kann also Wochen oder Monate dauern).

Aber das ist nicht was, wovon ich schreiben wollte; interessanter ist es, wo die Abwässer hingeleitet werden.
Gleich neben der Straße auf meinem täglichen Weg zur Bushaltestelle gibt es ein schmales Tal mit einem kleinen Bach. Ein großes Rohr, das unvermittelt aus der Talwand kommt, entläd dort seine übelriechende Brühe mitsamt den üblichen Blasen und Schaum. Genau in dieses Tal wird auch das Abwasser des "modernen" PVC-Rohres geleitet werden.

Schön, nicht?

Zusätzlich selbst-belobhudelt die orange-blaue Stadtregierung seit Wochen auf großen Plakaten (und auf Steuerzahler's Kosten; schließlich sind bald wieder Kommunalwahlen...) die Fertigstellung des sog. Dren San Diego.

Was das ist?
Nichts weiter als ein offener Kanal, der zum Himmel stinkt und Flora, Fauna und Grundwasser verseucht die städtischen Abwässer zum Gran Canal (einem noch größeren, zum Himmel stinkenden offenen Abwasser-Kanal, der aus dem D.F. kommt) ableitet, der sein "Rosenwässerchen" (natürlich!) ungeklärt in den Lago de Zumpango gießt.

Lecker, lecker!

Und die Mexicaner glauben tatsächlich, sie würden umweltfreundlich handeln, indem sie die Verschmutzung möglichst weit wegleiten anstatt das Wasser wenigstens vorzuklären...

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Samstag, 24. Januar 2009

Bitte helft! (II)

Um es kurz zu machen: Julián wurde gefunden; gestern Abend in einem Park in der Nähe der Autobahn México - Puebla. Tot.
Mit gebrochenen Gliedmaßen (Bein und Arm). Ohne jegliches Geld oder Identifikation. Ohne seine Brille.
Die offizielle Version: er wurde überfahren.

Wer die mex. Polizei und deren Zuverlässigkeit kennt, weiß, dass da keiner nachforscht, was wirklich passiert ist (CSI gibt's nur im Fernsehen oder für Reiche wie Fernando Martí), und man "erfindet" eine Todesursache, um sich des Falls möglichst schnell zu entledigen (und die Kriminalitätsstatistik zu schönen).

Heute nachmittag war die Beerdigung. Ich war schon auf verschiedenen, aber auf keiner habe ich so viele Leute (auch Männer) weinen sehen.

Die Vermutungen, was wirklich geschah, gehen weit auseinander.
Tatsache ist, dass Julián in der Nähe der Zona Rosa arbeitete, in Iztacalco wohnte und irgendwo JWD ("Janz weit draußen") aufgefunden wurde.
Möglicherweise wurde er auf dem Heimweg in ein Auto gezerrt, mit roher Gewalt dazu gezwungen, Geld auszuhändigen, und als die Räuber keine Verwendung mehr für ihn hatten, entledigten sie sich von ihm (so wie viele 08/15-Mexicaner eine leere Plastik-Flasche aus dem Fenster des fahrenden Autos werfen...).

Nach all' dem, was man in den letzten Monaten in den Nachrichten hört (trotz der vermeintlichen Erfolgsmeldungen), denke ich, es kommen in dieser Krise schwere Zeiten auf uns zu.
1995 war eine Wirtschafts-Krise; diese hier ist außerdem eine Gesellschafts-Krise, in der wegen des sich seit Jahren entwickelnden Werte-Verfalls ein Menschenleben soviel zählt wie eine leere Cola-Flasche: "Nix mehr drin, was ich gebrauchen kann? Ex & Hopp und weg damit!"
Ich glaube, langsam aber sicher geht dieses Land vor die Hunde.

Ich werde damit beginnen, nach Alternativen zu suchen.

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