Donnerstag, 14. Juni 2007

"Arbeitgeber-Masche"

Arbeitgeber-Masche|n, f

Ausdruck von höheren gerentes oder Firmenchefs, um ihren verschwenderischen Lebensstil oder ihr hohes Gehalt und gleichzeitig die dadurch bedingte Unkenntnis der Situation finanziell schlechtergestellter zu rechtfertigen.

Beispiel: "Ich leiste meinen Beitrag indem ich Arbeitsplätze schaffe, die diesen Mitmenschen auch die Möglichkeit gibt sich ihr Auskommen selbst zu verdienen."

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Was mich dabei verschnupft reagieren läßt, ist dieses herablassende Getue. Meiner Auffassung nach hat ein "Arbeitgeber" nicht das Recht zu behaupten, er sei der alleinige Retter der Enterbten Armen, weil ihm nur ein Teil der Ehre zusteht.

Es stimmt nur bedingt, dass jemand, der einen anderen einstellt und ihn bezahlt, ihm finanzielle Möglichkeiten gibt. Viele Arbeitgeber gefallen sich darin, dieses als selbstlosen Akt darzustellen und vergessen dabei (absichtlich oder nicht), dass auch eine Gegenleistung vom Arbeitnehmer erbracht wird. Der Arbeitnehmer trägt nämlich zum Wohle der Firma bei, das sich (hoffentlich) in größerem Umsatz und vermehrtem Reichtum der Firma niederschlägt, der wiederum vor allem (machen wir uns da nichts vor) dem gerente/Firmenchef zugute kommt.

Sicher..., als Arbeitgeber entscheide ich, wen ich einstelle und wieviel ich ihm zahle. Und wenn die Gegenleistung (Arbeitswille/Effizienz/Qualifikation) nicht stimmt, kann ich den Arbeitnehmer auch wieder entlassen - ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen; schließlich hat er seinen Teil des Arbeitsabkommens nicht eingehalten.
In der Zwischenzeit (wenn er gut arbeitet und der Arbeitgeber pünktlich zahlt) ist er aber Teil des Firmen-Erfolgs.

Beispiel: als "Kartenmaler" bin ich, zusammen mit der Administration (die Geld und Aufträge für den Druck bereitstellt), ziemlich direkt verantwortlich für den Erfolg (und damit das Einkommen) der Verkäufer: keine Karten = kein Verkauf = kein Einkommen.
Die Verkäufer geben -wenn auch nur zu einem sehr kleinen Teil- den Buchhandlungen, Zeitschriften-Kiosks, Hotel-Shops, dem Sanborns,... Arbeit bzw. Umsatz. Wenn der Endkunde das Produkt für qualitativ gut genug und den Preis für angemessen befindet (ersteres ist mein Ressort; zweiteres zum Teil meins (Produktionskosten), zum Teil das der Administration), kauft er es.
Wenn wir (Produktion + Administration) unseren Teil erfüllt haben (d.h. aktualisierte, gedruckte Karten sind vorhanden), aber die Verkäufer nichts "hereinbringen", ist die weitere Kartenproduktion gefährdet, weil die Administration nicht investieren kann.

Wer also glaubt, nur er gebe Arbeit in seiner Firma, der "vergißt", dass er genauso von der guten Leistung seiner Arbeitnehmer abhängt wie sie vom Gehalt, das er zahlt, und dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist.
Er bestimmt -das ist sein Verdienst, der ihn vom "einfachen" Arbeitnehmer unterscheidet- die Richtung der Firma, nimmt (manchmal) die komplette Verantwortung auf sich, muß mit Aufträgen, Arbeitseinteilung, den Finanzen, etc. disponieren, planen, ausführen, usw. In den allermeisten Fällen läßt er sich dafür aber ausreichend entlohnen; manchmal unverhältnismäßig, weil die eigentliche Arbeit von anderen getan wird.

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4 Kommentare:

Blogger Sven schrieb...

Zumal das Angestelltenverhaeltnis in den meisten Faellen nicht unbedingt eine Win-Win-Situation darstellt, da die meisten Angestellten unter Wert arbeiten.

Die Differenz zwischen dem eigentlichen Wert der Arbeit und dem eigentlichen Verdienst nennt man uebrigens Profit. Und wer kriegt den??? Genau. Solang das einigermassen verantwortlich aufgeteilt ist, will ich ja gar nicht meckern. Jeder Arbeitgeber taetigt eine Investition und verlangt dafuer einen ROI. Der Profit ist quasi auch der Lohn fuer das Risiko.

Ein Arbeitgeber hat aber auch andere Verantwortungen, als Geld zu verwalten. Dazu zaehle ich soziale Verantwortung. Wenn jemand 10 Stunden/Tag schuftet und trotzdem nicht weiss, wie er seine Familie durchbringen soll, dann ist irgendwas falsch. Und solche Situationen, in denen aus der Verzweiflung und Alternativlosigkeit von Menschen Kapital geschlagen wird, sehe ich hier leider viel zu oft.

Das bringt uns zu einigen anderen Begriffen, die ich sogenannten Arbeitgebern hier in Mexico gern mal auf die Stirn schreiben wuerde. Dazu zaehlen:

Profitgier, f (nur Sg.)
Raubtier-Kapitalist|en, m

14. Juni 2007 um 16:30  
Blogger Miesepeter schrieb...

ich halte es mehr mit dieser sicht der dinge:
der arbeitgeber ist in wirklichkeit der arbeitnehmer, er nimmt die arbeit der arbeitgeber (die ihre arbeit verkaufen)und gibt ihnen dafuer lohn. den mehrwert steckt er ein. weitere gedanken fuehren dann in die richtung die sven schon agedeutet hat. das eingesteckte geld wandert (meist uber eine bank) zu einem anderen arbeitnehmer und das spielchen wiederholt sich. es gibt immer mehr geld, von dem die arbeitgeber nix sehen. den vokabeln die sven hier eingebracht hat moechte ich noch ein ganz aktuelles hinzufuegen:

wirtschafts(neo)liberalismus

15. Juni 2007 um 00:54  
Blogger Hollito schrieb...

Öhm...worum ging es denn in dem verlinkten Thread?
Wenn ich da draufklicker, kommt nur
"Das gewählte Thema oder der Beitrag existiert nicht."

15. Juni 2007 um 11:48  
Blogger rolandmex schrieb...

Ja, da hat der Moderator geschnippelt und das "politisch inkorrekte" gelöscht.

In diesem Mexico-Community-Beitrag hatte ich mich in einem Begriff im Ton vergriffen (ich schrieb "Ignoranz", obwohl ich "Unkenntnis" meinte; ... kommt davon, wenn man ans spanische "ignorancia" denkt...) und der angesprochene hatte das (zu Recht) sehr übel genommen.
In seiner (ebenfalls persönlich werdenden) Antwort brachte er das Argument, das ich oben im "Lexikon-Eintrag" wörtlich zitiere (nur das "ae" und "oe" wurden in echte Umlaute geändert). Ich antwortete darauf mit "Ach, die Arbeitgeber-Masche", einer Entschuldigung und dem Rückzug aus der Diskussion, die der Herr wohl für (sinngemäß) "die mieseste Entschuldigung die man je gehört hat" hielt, dies aber in seiner Antwort schnell editierte und was von "Klassenkampf" schrieb.

Hier erkläre ich, was ich unter der Arbeitgeber-Masche verstehe.

15. Juni 2007 um 12:21  

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