Donnerstag, 10. April 2008

Wie man sich widerrechtlich ein Grundstück aneignet - Teil II

(Fortsetzung von Teil I)

Die örtlichen Taxifahrer -wie so oft findige Leute, die jede Abkürzung lieben, wo sie nach Herzenslust rasen und noch einfacher und schneller Geld verdienen können- hatten in Eigenregie mit Hacken und Spaten einen sandigen, ein-Fahrzeug-breiten "Weg" am Übergang von vorbeiführender Straße und fraccionamiento ausgehoben.

Ich weiß nicht, von wem die Initiative ausging (ob von der Taxifahrer-Mafia Vereinigung oder ihm selbst), aber eines schönen Tages stand der ältere Herr dort, hatte Wasser auf den sonst staubigen Weg gespritzt und grüßte zahnlos, aber freundlich lächelnd die durchfahrenden Autos (Merke: wenn Mexicaner irgendwo an einer Engstelle der Straße stehen und winken, wollen sie immer nur eins: "Una moneda que no afecta su economía.").

Im Laufe der Wochen wurde der Weg auf Zwei-Autos-nebeneinander-Breite ausgebaut, die holprige Oberfläche geglättet und er wird vom mittlerweile täglich dort stehenden Herrn gepflegt. Ab und zu hält jemand an und gibt ihm eine Münze.

So einfach geht das: man dringt in ein brachliegendes Gelände ein, baut eine Baracke und sucht sich sein Einkommen in Sichtweite der Bude (damit nicht irgendwann jemand -sei es der rechtmäßige Besitzer oder die Behörden- kommt und sie abreißt).
Es würde mich nicht wundern, wenn der Herr bald problemlos sein "Domizil" erweitern könnte; schließlich ist er als "Weg-Wächter" wichtig und erweist der "Gemeinschaft" einen Dienst.

In ein paar Jahren, wenn er mit seiner widerrechtlich gebauten Bude etabliert ist, bekommt er dann bestimmt von einem -wie immer nur in Ausnahmefällen korrupten- Bürgermeister als Dank für irgendwelche "Wahl-Hilfen" die escrituras des Stückes Land überreicht, während der rechtmäßige Besitzer in die Röhre gucken und keinen centavo für das geklaute Grundstück bekommen wird.

Deswegen fahren viele Mexicaner, die irgendwo en provincia ein Grundstück haben, oft dorthin: entweder, um zu sehen, ob nicht irgendwelche paracaidistas eingedrungen sind (am schlimmsten sind die, die einer politischen Partei nahestehen wie z.B. die "Pancho Villas" (offiziell: FPFV)) oder um eine hohe Mauer um den Besitz zu ziehen, damit keiner so einfach hineinkommt.

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5 Kommentare:

Anonymous Andreas schrieb...

Ich bin erschüttert. Da kann also ein zahnloser älterer Herr einfach so eine fensterlose Behausung aufbauen, eine suspekte Taxifahrereinigung Abkürzungen durch widerrechtlich angeignetes Land planieren, da werden Geldmünzen ohne jegliche steuerliche Erfassung übergeben. Wasser wird gegen illegale Staubentwicklung ausgebracht. Was folgt? Enteignung? Progrom? Sozialismus? Wie gut das solche bedrohlichen Zustände an den Toren eines gut gesicherten Fraccionamientos enden, die solchen Bürgern Schutz bieten, die sich nicht durch widerrechtliche Grundstücksaneignungen am Gemeinwohl vergreifen. Der Mann gehört bestraft! Unbedingt!

11. April 2008 um 23:30  
Blogger rolandmex schrieb...

ROFL

Man merkt, dass Du nichts über mich weißt.
Lies Dich mal durch den Blog, und wenn Du begriffen hast, was ein fraccionamiento de interés social ist, schreib' noch mal einen Kommentar.

13. April 2008 um 22:54  
Anonymous andreas schrieb...

Du hast recht, ich weiss nicht ueber Dich. Aber ich weiss was ein "fraccionamiento de interes social" ist. Dazu muss ich nicht dein Blog lesen.

Das sind diese Schachtelsiedlungen. Was hat das mit deinem Bericht ueber die "widerrechtliche Aneignung" zu tun? Der klingt so, also ob Du selbst bald Schritte gegen den Zahnlosen einleiten wuerdest. Als ob der auf deinem Grund seine Huette aufgebaut haette.

15. April 2008 um 22:18  
Blogger rolandmex schrieb...

"Was hat das mit deinem Bericht ueber die "widerrechtliche Aneignung" zu tun?"
Ich lebe in so einer "Schachtelsiedlung" und nicht in einem -wie Du wohl angenommen hast- Ausländer- oder Reichen-Ghetto mit vigilancia & Co.

Es liegt mir fern, zu beurteilen, inwiefern der alte Herr rechtlich belangt werden sollte oder nicht, und ich werde mich hüten eingreifen zu wollen.
Ich bin nur Gast in diesem Land (trotz legalem Aufenthalt von fast 10 Jahren) und beobachte. Und von einer dieser Beobachtungen schrieb ich in diesem Beitrag, welcher -wie sich das gehört- natürlich keinerlei Ratschläge für widerrechtliches Handeln beinhaltet, aber verdeutlicht, wie leicht es in einem zumindest dubiosen Rechts-Raum wie Mexico ist, mit etwas Dreistigkeit, Beharrlichkeit und Geduld (und Spucke) aus einem Diebstahl (delito federal!) eine legale Angelegenheit zu machen.

15. April 2008 um 23:49  
Anonymous andreas schrieb...

Das siehst Du aber sehr eng....als ob sich der alte Mann das Stückchen Land einverleibt hätte und es als sein Eigentum betrachten würde. Es handelt sich dabei um, du schreibst selbst, ca. 4 qm. Unglaublich. Das Taxifahrer eine "Abkürzung" über ein Grundstück einrichten ist doch im Grunde sehr positiv.
Eigeninitiative nennt man das.
Sobald die Gemeinde, oder deine Siedlung sich entschliessen die Zufahrt fertig zu bauen wird sowohl der alte Mann, sein Bruchbude und die Sandpiste verschwinden. Wem wäre den geholfen, ausser deinem Rechtsempfinden, wenn der satus quo wieder hergestellt werden würde?
Ein Diebstahl kann schon deshalb nicht vorliegen weil es sich nicht um ein bewegliches Gut handelt. Betrug würde vorliegen, wenn der alte Mann aus dem Grundstück einen geldlichen Vorteil ziehen würde. Da die vorbeifahrenden Autos aber nicht zur "cooperacion" gezwungen werden liegt auch keine Nötigung vor. Aber irgendetwas wird man dem alten Mann sicher anhängen können.

17. April 2008 um 21:16  

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