Donnerstag, 25. Januar 2007

Hippokrates? Wer?

Heute morgen sah ich in den Nachrichten, dass im DF ein Kind in einem Auto geboren wurde. An sich ist das nichts neues in der "Stadt des Wartens" (a.k.a. "ciudad de la esperanza") - täglich passieren viele Dinge in Mexico's größter Parkplatz-Stadt.

Ungewöhnlich an dem Fall ist, dass Vater und Mutter der heute morgen Geborenen stundenlang durch die Stadt irrten auf der Suche nach einem Krankenhaus, das ihnen Aufnahme gewährte. Die Notaufnahmen sämtlicher Regierungs-Kliniken (IMSS, ISSSTE, DF-Regierungs-Kliniken, etc.) wollten die schon in starken Wehen befindliche Frau nicht aufnehmen, weil sie keine derechohabiente (zu deutsch: nicht sozialversichert) ist. Andere, kommerzielle Krankenhäuser wollen ja immer eine Kreditkarte sehen, bevor Du überhaupt deren Schwelle übertreten darfst.

Na - da wurde das Kind eben im Auto geboren.
Die Frau konnte, obwohl ihr Ehemann am Steuer des Autos sie beschwor, nach eigener Aussage die Beine nicht mehr zusammenhalten und so wurde das Mädchen (übrigens gesund und munter) am Straßenrand geboren. Der Vater war schnell rechts rangefahren und half.
Erst nach der Geburt war eine Klinik in La Villa bereit, Mutter und Kind aufzunehmen; sogar mit dem Krankenwagen wurden sie abgeholt (die Nabelschnur mußten die Sanitäter noch durchtrennen).

Ich frage mich, welche Ethik mexicanische, namentlich chilango-Ärzte haben.
Kennen sie überhaupt den Eid des Hippokrates, der sie dazu verpflichtet, jedem Kranken/Notleidenden zu helfen?

Gerade habe ich einmal bei der World Medical Association nachgesehen, deren Mitglieder sich verpflichten, einen aktualisierten Hippokrates-Eid zu befolgen und stelle erstaunt fest, dass nur das Colegio Médico de México in Monterrey und ein Doc in der Col. Roma (DF) dem Welt-Ärztebund angehört; nicht aber die allgemeine Ärztevereinigung Mexico's.

Úchala... - da wird man wohl besser nicht zu einem Notfall (Arm-, Beinbruch; Vergiftung; schwerer Autounfall;...), wenn man kein derechohabiente ist; nicht mal -oder vielleicht noch viel weniger; wir Ausländer kriegen ja allein schon wegen unseres komischen Akzents Vertrauensvorschuß- als Mexicaner.

Wo ist eigentlich dieser vielbeschworene seguro popular, die Fox und jetzt Calderón so vollmundig angekündigt haben?
Gibt's das überhaupt -oder besser: funktioniert das tatsächlich- und wird man damit z.B. in einer IMSS- oder ISSSTE-Klinik not-aufgenommen?

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3 Kommentare:

Blogger Hollito schrieb...

Tja, Roland, das gleiche kannst du in D mit seinem angeblich so modernen (und teuren) Gesundheitswesen auch erleben, wenn du Pech hast:

Beispiel 1
Beispiel 2
Beispiel 3

Natürlich wird das Thema nach Möglichkeit nicht großartig öffentlich gemacht - da könnte sich so mancher schließlich fragen, wofür soviel Geld in das ganze Gesundheitswesen gepumpt wird...von der Ethik der Ärzte gar nicht zu reden. :-|

26. Januar 2007 um 03:30  
Blogger Andreas Bohn schrieb...

Mich würde in dem Zusammenhang auch mal noch was ganz anderes Interessieren: Wenn ich mal so eine Geburt mit einem Hexenschuß oder dem Vom-LKW-überfahren-werden vergleichen darf, dann hat man vor einer Geburt doch eine ungleich längere Zeit, um sich auf selbige vorzubereiten. Und dann, wenn es nach über einem halben Jahr losgeht, setzt man sich ins Auto und fährt mehrere Kliniken an, in der Hoffnung, daß da schon eine sagen wird "Klar, warum sollen wir einen Unterschied zwischen Beitragszahlern und Nicht-Beitragszahlern machen, komm rein, setz Dich, nimm Dir 'nen Keks"?

Wie ging das bei den Toten Hosen? "Ihr wisst ja gar nicht, wie das ist, wenn Du eines Tages aufwachst und Bundeskanzler bist."

Es würde mich schonmal interessieren, wie die Eltern das erklären. Ist ja nicht so, daß man gar nichts vorbereiten kann. Vielleicht hätte sich ja im Vorfeld ein Arzt oder eine Hebamme gefunden, der oder die bei einer Hausgeburt dabei ist.

Ich wünsch' dem Kind viel Glück!

26. Januar 2007 um 10:31  
Blogger Andreas Bohn schrieb...

Mich würde in dem Zusammenhang auch mal noch was ganz anderes Interessieren: Wenn ich mal so eine Geburt mit einem Hexenschuß oder dem Vom-LKW-überfahren-werden vergleichen darf, dann hat man vor einer Geburt doch eine ungleich längere Zeit, um sich auf selbige vorzubereiten. Und dann, wenn es nach über einem halben Jahr losgeht, setzt man sich ins Auto und fährt mehrere Kliniken an, in der Hoffnung, daß da schon eine sagen wird "Klar, warum sollen wir einen Unterschied zwischen Beitragszahlern und Nicht-Beitragszahlern machen, komm rein, setz Dich, nimm Dir 'nen Keks"?

Wie ging das bei den Toten Hosen? "Ihr wisst ja gar nicht, wie das ist, wenn Du eines Tages aufwachst und Bundeskanzler bist."

Es würde mich schonmal interessieren, wie die Eltern das erklären. Ist ja nicht so, daß man gar nichts vorbereiten kann. Vielleicht hätte sich ja im Vorfeld ein Arzt oder eine Hebamme gefunden, der oder die bei einer Hausgeburt dabei ist.

Ich wünsch' dem Kind viel Glück!

PS: Irgendwie hab' ich Probleme mit der Kommentarfunktion. Der Erste Versuch erscheint nicht auf der Artikelseite.

26. Januar 2007 um 11:20  

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