Mittwoch, 24. Januar 2007

Santa Migra... (II)

Heute war's noch schlimmer: obwohl ich schon früh dort war (ich kam direkt von zuhause, ging nicht über Los (das Büro) und zog nicht 4000 ein... ;-) ), saß heute morgen am cotejo-Schalter nur eine einzige Person (statt der zwei wie gestern). Also: doppelte Zeit warten; diesmal 1,5 Stunden. Und das alles für ihren lächerlichen Stempel auf ein paar Blatt Papier.
Ich war schon ungehalten; v.a. wegen der blöden abogados, die mit 100.000 Papieren ankamen und sich manchmal geschlagene 15 Minuten am Schalter aufhielten.

Wieder konnte ich mich de panzazo (d.h. in wirklich aller-allerletzter Minute) in der Reihe zur Dokumenten-Abgabe anstellen. Wieder hatte ich die zweifelhafte Ehre, fast zwei Stunden zu warten, bis ich an die Reihe kam. Allerdings kam mir die Wartezeit wegen der netten "Mit-Leidenden" vor mir gar nicht zu lang vor.

Dabei erfuhr ich auch, dass selbst Mexicanern (oder solchen, die es eigentlich sein sollten) das Leben auf der Migra schwergemacht wird.

Wie?
Eine der beiden Damen vor mir wurde als Tochter zweier Mexicaner in den USA geboren. Sie lebt jetzt -verheiratet mit einem Mexicaner- seit einigen Jahren in Mexico. Leider kann sie nicht nachweisen, dass ihre Eltern (Vater von 1900; Mutter von 1909) tatsächlich gebürtige Mexicaner sind (dann wäre sie aus dem Schneider), denn sie und ihre Geschwister wissen a) nicht, wo die Eltern geboren wurden (in welchem municipio) und b) ob sie überhaupt auf irgendeinem Amt registriert worden waren.
Die Folge: seit acht Jahren lebt sie mit FM3 als dependiente von ihrem Ehemann im Land. Auf meine Frage, warum sie kein FM2 hätte, antwortete sie ganz erstaunt, dass ihr nie irgendjemand was gesagt hätte; nicht mal, als sie ihr erstes FM3-Heftchen voll hatte.
Mexicana por naturalización möchte sie nicht werden aus Sorge, die US-Staatsbürgerschaft zu verlieren.

Die andere Dame wurde in Deutschland als Tochter eines Österreichers und einer Deutschen geboren; ihre Großeltern waren sogar Jugoslawen (sie sprach ein paar Worte deutsch mit mir und erzählte mir, sie hätte vor kurzem nochmal die Sissi-Filme angesehen, zuerst gar nichts vom Gesprochenen kapiert und dann nach einer Viertelstunde wieder angefangen zu verstehen was gesagt wurde). Mit 4 Jahren wanderte die Familie nach Chicago, IL aus und sie heiratete später einen gebürtigen Mexicaner, mit dem sie vor 27 Jahren, zusammen mit den beiden gemeinsamen Töchtern nach Mexico umzog (voller Stolz erzählte sie mir, sie sei schon 43 Jahre verheiratet). Über fast 20 Jahre reiste sie alle halbe Jahr zu ihrer Familie nach Chicago und kam mit neuem Touristenvisum FMT wieder zurück.
Irgendwann war sie's leid und beantragte das FM3 als dependiente ihrer Tochter, die mittlerweile als maestra (Lehrerin) tätig ist.

Die Tochter erzählte mir, dass sie zwar in Mexico studiert habe, aber 7 Jahre warten mußte, um ihre tesis (Diplomarbeit) schreiben zu können, weil sie nicht bereit war, die Gebühren, die Ausländern auferlegt werden, zu zahlen. Erst als die doppelte Staatsbürgerschaft möglich war, wurde sie Mexicanerin (sie zeigte mir sogar ihre carta de naturalización, in der stand, dass sie mexicana por nacimiento sei) und hat jetzt drei Staatsbürgerschaften: die deutsche ihrer Mutter, die US-amerikanische per Geburt und die mexicanische durch ihren Vater.
Auf meine Frage, in wievielen Sprachen sie aufgewachsen war, antwortete sie mir: "In fünf. Deutsch durch meine Großeltern, serbokroatisch und kroatisch durch meine Urgroßeltern, spanisch durch meinen Vater und englisch, weil wir halt in USA lebten."
Da war ich wirklich erstaunt. Sie gab aber zu, dass sie in den meisten Sprachen nicht mehr firm sei, aber durch Zuhören und/oder vorsichtiges Sprechen die Fähigkeiten zurückkehren würden (die gleiche Erfahrung mache ich ständig mit meinen Niederländisch-Kenntnissen).

Diesmal wurden mir von seiten der Migra-Fuzzis nicht noch mehr Steine in den Weg gelegt und die Papiere anstandslos akzeptiert.
Morgen also nochmal zum Abholen hingehen.

Und zur Erinnerung ;-) :



Apropos inmigrado: mir ist klar, dass ich den nicht automatisch bekomme. Das wird wohl ähnlich abgehen wie damals bei der Erteilung des inmigrante-Status: da mußte ich in einem Brief erklären, dass ich mich bereits in die Gesellschaft eingefügt hatte. Weil ich das tatsächlich bin (bin mittlerweile genauso unpünktlich... ;-) ), sehe ich da aber kein größeres Problem auf mich zukommen.
Falls doch: der Cousin eines Arbeitskollegen ist abogado, spezialisiert auf Immigrations-Recht (ernsthaft; habe mich mit dem chavo schon mal ausgiebig unterhalten und der weiß wovon er redet). Den werde ich evtl. im Fall der Fälle bitten, mir unter die Arme zu greifen. Ist ja nur noch einmal und dann nie wieder.

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2 Kommentare:

Blogger cabronsito schrieb...

Hach jaa, diese Begegnungen auf den Aemtern sind noch immer die interessantesten.... ;-)

24. Januar 2007 um 20:24  
Anonymous Anonym schrieb...

tja, da hab ich doch auch gerade gedacht, das leidige einer Papierauffrischung ist doch wirklich interessant.
Mir fiel dann auch etwas wieder ein,
was ich so an Gesprächen beim deutschen Tüv hatte, bzw. riss dort jemand einen Witz, was zur Folge hatte, dass alle Wartenden erstmal hinaus gingen. Was war der Effekt?

+
Roland, gehe weiterhin dorthin, auch wenn du keine neuen Papiere brauchst. :)

Gruss Clara

25. Januar 2007 um 13:59  

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