Freitag, 4. September 2009

Bei der Eltern-Versammlung

Heute morgen war die erste reunión de padres im neuen Kinderhort meiner Tochter. Die Regional-Direktorin des DIF (dem der Hort angehört) war da, und wäre in einem Moment nicht protección civil aufgetaucht, um sie zu beschützen -so schilderte es meine Frau, denn ich war nicht dabei- dann hätten sie sie glatt gelyncht.

Warum?
Es gibt eine neue Hort-Leiterin, von der man nicht weiss, ob sie durch Beziehungen an den Job gekommen ist (hier fand gerade Bürgermeister-Wechsel statt und da ist es (leider!) üblich, dass alle möglichen Familienmitglieder und Kumpels des presidente municipal irgendwo "untergebracht" werden) oder ihres Könnens wegen; es gibt -zwei Wochen nach Schulbeginn- immer noch kein Erziehungs-Programm für das Schuljahr; es scheint, eine der Kindergärterinnen hat gar keine entsprechende Ausbildung (und war vorher Putzfrau des Horts); es gibt keinen Speisesaal für die Kinder, weil das Mobiliar für die zwei Gruppen benötigt wurde, die neu formiert wurden; usw. usf. - und zu allem Überfluss kam irgendwann eine Mutter in den Saal gerannt und rief: "Man serviert den Kindern das Frühstück aus Eimern!" - woraufhin eine Horde Eltern aus dem Saal stürmte, um mitanzusehen, wie das huevo a la mexicana mit großen Löffeln auf die Teller der Kinder geschaufelt wurde.

Ansonsten gab es das übliche Gemeckere und Gezetere, dass die Kinder (hier wurde über 1- bis 5-Jährige gesprochen!) doch Ballett- oder Volkstanz-Stunden haben sollten, ihnen Englisch beigebracht werden soll oder computación (wobei ich mich frage, was ein 3-Jähriger am Rechner soll...).
Nur meine Frau und ein Vater, dessen Frau Pädagogin ist, waren dagegen - alle anderen schwafelten was von "fitmachen für den Konkurrenz-Kampf" (als ob "pollo - chicken, gallina - hen" oder wildes Rumgehacke auf Tastaturen steinalter XT-Rechner da irgendwas ändern würde...).

Arme Kinder - noch ärmere Eltern.
Weil sie keine Zeit mehr für ihre Kinder haben (wollen), müssen ihre Sprösslinge Englisch und Computer lernen anstatt zu spielen... - und wenn Fragen aufkommen, können Papa und Mama nicht helfen. Wie gesagt: 1- bis 5-Jährige.

Wie das wohl wird, wenn sie 13 sind? - Aber nee, hier ist Mexico... - mit 13 hat man mit lahmem Vorankommen im Lernstoff und Schulausfall (puentes, huelgas, monatliche, völlig unnötige "Lehrer-Versammlungen", etc.) so viel Zeit vertändelt, dass man auf dem Niveau eines Dritt-Klässlers in Deutschland ist.

Jedenfalls ist meine Frau nun Angehörige eines 5-köpfigen "Kontroll-Komitees", das prüft, ob in dem Hort alles in Ordnung ist und dessen Mitglieder auch unangekündigt kommen dürfen.
Mal sehen, was daraus wird...

(andere Mexico-Blogger zum Thema: cabronsito und Andreas)

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Donnerstag, 9. Juli 2009

Die Liste der IMSS-Kindergärten

Nun hat die staatliche Sozial-/Krankenversicherung IMSS nach 33 (in Worten: dreiunddreissig) Tagen endlich die famose Liste der lizensierten Kindergärten abgegeben.

Warum das so lange gedauert hat?
- Na, man musste die entsprechenden Dokumente erst einscannen, um sie dann als TIF-Dateien zu präsentieren. Offenbar hat der IMSS nur einen Scanner oder nur eine Person im staff, die das Gerät bedienen kann. Dass man zum effizienten Gebrauch der Liste die Daten eigentlich in einer Datenbank haben sollte, ist bis zum IMSS noch nicht vorgedrungen.
Ich frage mich, wie der IMSS seine Lizenznehmer kontrolliert, und ob er überhaupt weiss, wo die Kindergärten sind...

Zur Liste selbst ist wohl nicht viel zu sagen, weil sie so ausfiel, wie zu erwarten war: alle möglichen Leute mit palancas sind darauf vertreten, wie z.B. ein entfernter Cousin des Präsidenten, Familienangehörige, Freunde, Kumpel und was-weiss-ich von Gouverneuren, Ex-Gouverneuren, Bundes- und Landes-Abgeordneten, Senatoren, Bürgermeistern und anderen Politikern.
Also alles nicht neues in Impunilandia - obwohl ich glaube (wie viele andere auch), dass die Liste geschönt wurde, und Namen vom Schlage eines Chapo Guzmán, Norberto Rivera, Carlos Salinas de Gortari oder José María Aznar aus dem Register gestrichen wurden, um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen...

(Mehr dazu hier, hier und hier)

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Dienstag, 7. Juli 2009

Trocken-Gesetz (II)

Nach den Vorfällen bei den Wahlen am Sonntag (z.B. dieser oder dieser) verstehe ich, weswegen die Mexicaner wie kleine Kinder ans Händchen genommen werden müssen, damit sie sich am Wahltag nicht besaufen und danach Dummheiten anstellen.

Sie können sich am Tag der Wahl ja nicht einmal wie rationell denkende Erwachsene benehmen, wenn sie nüchtern sind!
Stellt Euch vor, was passiert wäre, wenn sie ein paar intus gehabt hätten: noch mehr Tote und Verletzte.

Aber wie das nationale Wahlinstitut IFE immer sagt: "...para que nuestra democrácia crece..." - schön wäre es allerdings, wenn die Mexicaner wüssten, was diese ominöse democracia überhaupt ist...

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Sonntag, 5. Juli 2009

ABC, you and me...

Heute vor einem Monat brannte der Kindergarten ABC in Hermosillo aus; bisher sind 47 Babies und Klein-Kinder an ihren schweren Brandverletzungen gestorben.
Eine wirklich traurige Geschichte, die mich jedes Mal heftig schlucken lässt, wenn ich mir vorstelle, unter den Opfern wäre meine eigene Tochter gewesen...

Trauriger ist allerdings, wie man die Schuldigen sucht, bzw. welche Ungereimheiten da (wieder mal!) auftauchen.
Wie vor einem guten Jahr bei der gescheiterter Razzia in der Discothek News Divine (es kamen mehrere Jugendliche um, man steckte einen Verantwortlichen der Polizei in den Knast (der Sündenbock), der 'Sicherheits-Minister' des DF trat zurück (besser: er wurde zurückgetreten - und ist -wie immer bei Politikern in dieser Kategorie- damit von jeglichen Untersuchungen ausgenommen und damit unschuldig wie die Jungfrau Maria), die Disco wurde von der DF-Regierung enteignet und weiter passierte... - nichts!), steckt auch hier wieder mal der Wurm drin, weil von vorne bis hinten, von unten bis oben und diagonal in alle Richtungen alles voller Heuchelei, Betrug, Gesetzes-Überschreitungen und -Missbrauch, Kompetenzgerangel, nepotismo und einfacher "Scheiss-egal-war-ja-nicht-mein-Kind"-Mentalität ist und die Korruption zum Himmel stinkt.

Kurz:
- keiner ist zuständig; nicht der Gouverneur des Bundesstaates Sonora; nicht die örtliche Feuerwehr, die für die Feuersicherheit von öffentlichen Gebäuden zu sorgen hat; nicht die Besitzer des Kindergartens; nicht der IMSS, unter dessen Namen der Kindergarten lief; nicht die Bundesregierung... niemand halt. Man schiebt sich die Schuld gegenseitig zu (übigens mit den absurdesten Argumente, die man je gehört hat; das beste war, dass der Brand ja in der angrenzenden Lagerhalle ausgebrochen sei - als ob damit erklärt sei, weswegen es kaum Fenster, keine Feuerlöscher, Rauchmelder und Notausgänge im Kindergarten gab) - keiner hat was gesehen, gehört oder gesagt (dieser "Keiner" muss eine einflussreiche Person in Mexico sein; der macht soviele schlimme Dinge, dass man ein hohes Kopfgeld auf ihn aussetzen sollte).

- Berichten zufolge waren alle Papiere des Kindergartens in Ordnung. Herr Mordidota lässt grüssen!

- die (nominellen) Besitzer des Kindergarten sind die Ehefrauen wichtiger Politiker im Staat Sonora (Muss ich mehr sagen? Hallo, Herr Tráfico de Influencias! - aber wir können beruhigt sein: die Herren sind zurückgetreten - und werden sicherlich, wenn der Medienrummel vorbei ist, an anderer Stelle wieder positioniert)

- kurzfristig hat man ein paar "Schuldige" festgesetzt, nachdem wochenlang keiner ausfindig gemacht werden konnte. Ich nehme an, das sind so wichtige Leute wie die Putzfrau oder der Nachtwächter, oder ein Obdachloser, der gerade auf der anderen Strassenseite seinen Rausch ausschlief.

- angeblich (!) gibt es Haftbefehle gegen Verantwortliche, die sich alle auf wundersame Weise entweder in Luft aufgelöst und verschwunden sind oder sich sonstwie geschützt haben. Da es sich ja "nur" um Totschlag von 47 Kindern handelt, können alle auf Kaution wieder raus, damit sie nicht wie in ihrem eigenen Kindergarten im schmutzigen und ungemütlichen Gefängnis bleiben müssen (Ratet mal, wer die fianza zahlt? Kleiner Tip: die, die die Steuern zahlen...).

- das IMSS wurde aufgefordert, eine Liste aller lizensierten Kindergärten zu präsentieren, an der sie nun schon gut zwei Wochen herumdoktorn. Pfuschen und Manipulieren konnten (und können) die von der PRI besser...

Wer hier irgendwelche Gerechtigkeit erwartet, wird -wie immer- enttäuscht werden.

Wer sich etwas mehr dafür interessiert, der sollte Katia D'Artigues' Kolumne von gestern lesen.
Und wer eine Idee davon bekommen will, wie es den Eltern der durch die Korruption in diesem Land ermordeten (ja, das ist es: vorsätzlich und aus niedrigen Beweggründen (= Selbstbereicherung ohne Rücksicht auf Verluste)) Kleinkinder geht, der lese Javier Solorzano's Vitral. Mir selbst steigt bei diesen Schilderungen die blanke Wut in den Kopf.

Viva México... - ¡malditos cabrones!

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Mittwoch, 27. Mai 2009

Lokale Ignoranz - reloaded

Erinnert Ihr Euch an den Beitrag, in dem ich über behördliche Ignoranz zum Thema Miguel E. Schultz schrieb?

Offenbar hat die DF-Regierung ihren Fehler bemerkt und das Schild mit einem Aufkleber korrigiert, um den Namen in Ordnung zu bringen.

Pero que creen...? - Es ist schlimmer gekommen. Das ist wirklich eine Lachnummer.
Seht selbst (aufgenommen an der gleichen Straßenecke - wohlgemerkt: der offizielle Name der Straße ist Miguel E. Schultz):

Vorher:



Nachher:



Vive México! LOL

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Dienstag, 24. Februar 2009

Kuckucke kleben



Diese Zettel mit einem riesigen EMBARGADO oben wurden mehrfach (so an die 10x) auf die Glastüren eines Bestattungs-Unternehmens im D.F., an dem ich täglich vorbeikomme, geklebt; wohl, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass dieser Betrieb dem IMSS (gesetzliche Krankenversicherung) Geld schuldet.
Das hilft, denn es ist schlecht für's Image der jeweiligen Firma, solche Zettel (mit einem ekligen Kleber, der sehr schwer zu entfernen ist) an der Tür zu haben, und deswegen wird schnell bezahlt, bevor es dem Geschäft schadet.

Wieviel dieses Unternehmen schuldet? - Ganze und sagenhafte 330 Pesos; nicht ganz 18 €.

Manchmal frage ich mich, was behördliche Sesselpupser die Damen und Herren Verwaltungsangestellte im Kopf und woher sie ihre Kriterien haben.

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Montag, 23. Februar 2009

Spiel mit dem Feuer (II)



Vor einigen Monaten hatte ich den wohl selben Fahrer, der alle Nase lang seinen Gefahrgut-LKW in einer Wohnstraße abstellt, angeprangert.

Diesmal tue ich es etwas öffentlicher, denn dieser, mit Hypochlorid-Lösung (= Clarasol -- Gefahrgut-Code 1791) beladene LKW mit dem Nummernschild 558-EF-9 stand mehrere Tage an der selben Stelle ohne bewegt zu werden.

Ob's was nützt, bezweifle ich. Aber versucht habe ich's.

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Samstag, 24. Januar 2009

Bitte helft! (II)

Um es kurz zu machen: Julián wurde gefunden; gestern Abend in einem Park in der Nähe der Autobahn México - Puebla. Tot.
Mit gebrochenen Gliedmaßen (Bein und Arm). Ohne jegliches Geld oder Identifikation. Ohne seine Brille.
Die offizielle Version: er wurde überfahren.

Wer die mex. Polizei und deren Zuverlässigkeit kennt, weiß, dass da keiner nachforscht, was wirklich passiert ist (CSI gibt's nur im Fernsehen oder für Reiche wie Fernando Martí), und man "erfindet" eine Todesursache, um sich des Falls möglichst schnell zu entledigen (und die Kriminalitätsstatistik zu schönen).

Heute nachmittag war die Beerdigung. Ich war schon auf verschiedenen, aber auf keiner habe ich so viele Leute (auch Männer) weinen sehen.

Die Vermutungen, was wirklich geschah, gehen weit auseinander.
Tatsache ist, dass Julián in der Nähe der Zona Rosa arbeitete, in Iztacalco wohnte und irgendwo JWD ("Janz weit draußen") aufgefunden wurde.
Möglicherweise wurde er auf dem Heimweg in ein Auto gezerrt, mit roher Gewalt dazu gezwungen, Geld auszuhändigen, und als die Räuber keine Verwendung mehr für ihn hatten, entledigten sie sich von ihm (so wie viele 08/15-Mexicaner eine leere Plastik-Flasche aus dem Fenster des fahrenden Autos werfen...).

Nach all' dem, was man in den letzten Monaten in den Nachrichten hört (trotz der vermeintlichen Erfolgsmeldungen), denke ich, es kommen in dieser Krise schwere Zeiten auf uns zu.
1995 war eine Wirtschafts-Krise; diese hier ist außerdem eine Gesellschafts-Krise, in der wegen des sich seit Jahren entwickelnden Werte-Verfalls ein Menschenleben soviel zählt wie eine leere Cola-Flasche: "Nix mehr drin, was ich gebrauchen kann? Ex & Hopp und weg damit!"
Ich glaube, langsam aber sicher geht dieses Land vor die Hunde.

Ich werde damit beginnen, nach Alternativen zu suchen.

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Freitag, 16. Januar 2009

El Petroleo es nuestro...

Ich hatte angenommen, dass neben der Förderung und der Raffination des mex. Erdöls auch der Transport desselben und der Veredlungsprodukte (sprich: Kraftstoffe) eine rein hoheitlich-mexicanische Aufgabe wäre und somit nur von PEMEX durchgeführt werden dürfte.

Das scheint aber nicht so zu sein, denn schon Anfang Dezember 2008 sah ich eine lange Warteschlange privater Tank-LKWs vor einem PEMEX-Lager auf ihren Sprit warten:

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Montag, 12. Januar 2009

Rechtssicherheit in Mexico

Bei der Beantwortung einer Frage in der Mexico-Community stolperte ich soeben über ein Zitat, das ich selbiger vor fast zwei Jahren postete - und weil´s so schön wahr ist, klebe ich es hier nochmal hin:
¡Ay México! Siempre puro relajo, lo hacen como quieren, pero cuando te quieres chingar a alguien ¡aplícale la ley!*

Amen.

(Quelle)

* zu deutsch: Ach, Mexico! Immer Unordnung; jeder macht was er will; aber wenn Du jemanden in die Pfanne hauen willst - wende die Gesetze an!

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Dienstag, 6. Januar 2009

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...

... dass ich so fröh-höh-lich bin...

Soeben verfaßte ich einen Beitrag in der Mexico-Community, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren!

Ein netter Gruß an all' die armen Schweine, die sich noch jährlich mit der herzallerliebsten mexicanischen "Migra" herumschlagen müssen!
Ich bin inmigrado.

Nä, wat schön!
;-)

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Lokale Ignoranz

Miguel E. Schultz kennt eigentlich kaum jemand (FYI: sein Wikipedia-Eintrag). Nach dem ehemaligen Rektor der UNAM wurde vor vielen, vielen Jahren in der Colonia San Rafael des D.F. eine Straße benannt.

Nun ist die D.F.-Regierung darauf gekommen, Geld zum Fenster hinauszuwerfen und unnötigerweise die Straßenbeschilderung zu erneuern, und die Straße Miguel E. Schultz war auch betroffen.

Nur leider waren die lokalen behördlichen Sesselpupser burócratas wohl offenbar nicht fähig (oder willens? Der Name ist ja so ungewöhnlich...), den Namen des Herrn Schultz richtig auf das neue Schild zu schreiben, und nun heißt die Straße so:



Einen "Miguel A. Schultz" gibt es nicht, und so wird das Gedächtnis an einen -nach mex. Maßstäben- verdienten Bürger von irgendwelchen faulen Ignoranten einfach so ausgelöscht.

Bravo, Marchello Erbroch Cinnamón!

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Montag, 5. Januar 2009

Abgeschnitten von der Außenwelt



Wer nach Pachuca, Hgo. einfährt, wird mit diesem Schild begrüßt, das einem die Benutzung von Handys (oder ist's Handies?) untersagt.
Ob es wohl von Telmex oder anderen Öffentliche-Telefonzellen-Besitzern gesponsert wird?

;-)

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Montag, 1. Dezember 2008

Ungeschicktes Design

Das hier links ist das neue Logo der staatlichen mexicanischen Post.
Hübsch, was?

So, und nun dreht es einmal auf den Kopf und deckt den Brief mit dem Daumen ab.
Hübsch, was?
LOL

Ob das wohl Absicht war?

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Freitag, 31. Oktober 2008

Zentral dezentralisiert



Die Büros der dezentralisierten Behörde (Organismo Público Decentralizado) des Red de Transporte de Pasajeros (RTP) des D.F. befinden ganz zentral (Oficinas Centrales) in der Colonia San Rafael.

Nein... - kein Widerspruch! Mexico!

;-)

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Montag, 20. Oktober 2008

Nutzlos (II)



In einem zivilisierten Rechtsstaat sollte man davon ausgehen können, dass die Bürger ihre Steuern und Abgaben rechtzeitig zu entrichten haben, und wenn sie es nicht tun, in irgendeiner Form bestraft werden.
In Mexico nicht. Hier ist jeder Abgaben-Zahler, der frühzeitig zahlt, ein naiver Voll-Trottel.

Warum?
Na, weil man nur etwas warten muß und schon gibt es eine Erlassung der Strafe (hier: 100%) und einen Rabatt auf die erhöhte Gebühr (hier: 50%).

Warum also rechtzeitig zahlen, wenn man das Geld in der Zwischenzeit woanders Zinsen bringen lassen kann und dann irgendwann, wenn es mal wieder Rabatt gibt, berappt?
Oder eben nie - außer, es wird einem irgendwann mal Wasser oder Strom abgestellt.

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Freitag, 17. Oktober 2008

Nutzlos



Ibbitos schreibt über den Wettbewerb, den nutzlosesten Behördengang zu prämieren.

Heute sah ich ihn (den Behördengang, nicht Ibbitos) in der Metro-Station San Cosme und habe ihn gleich fotografiert.
Volkes Mund tut Wahrheit kund? ;-)

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Dienstag, 9. September 2008

Korrupt - und stolz drauf

Wie die meisten wissen, hat der Mexicaner Guillermo Pérez bei den olympischen Spielen in seiner Disziplin Taekwondo Gold gewonnen (Männer unter 58 kg) - denkbar knapp durch eine Schiedsrichter-Entscheidung, weil der Kampf unentschieden ausging.

Nun hat vorgestern der Präsident des mexicanischen Taekwondo-Verbands, Roberto Beltrán Ramonetti, (angeblich) "aufgeklärt", wieso das Gold an Mexico ging: nämlich deswegen, weil er, Beltrán Ramonetti, dafür "gesorgt" hatte, dass im Zweifelsfall für Mexico entschieden wurde.

Wie?
Mit einer Million Pesos aus dem Staatssäckel (gut € 65.000,–) lud er schon im Vorfeld der Spiele wichtige Mitglieder und Schiedsrichter anderer nationaler Taekwondo-Verbände "zum Essen" ein.

An sich sind solche Korruptereien international wohl (leider!) normal; wer aber aus Geltungssucht so blöd ist, das so laut herauszuposaunen, den sollte man mitsamt Bürostuhl die Treppe runterstoßen (das ist keine Aufforderung zu gewalttätigem Handeln, sondern nur bildlich gemeint für "vor die Tür setzen"oder "achtkantig hinauswerfen").

Ich erfuhr von diesen Aussagen heute morgen in der Telerisa-Nachrichtensendung 1:N ("Primero Noticias"). Einziger Kommentar der Moderatoren (Carlos Loret de Mola und Antonio de Valdéz): "Wie kann der sowas sagen? Der will sich doch nur wichtig machen und den Verdienst von Guillermo schmälern."

Eigentlich sollte man gegen den Herrn Beltrán Ramonetti von seiten des IOC ein Disziplinar-Verfahren einleiten und darüber nachdenken, bei stichfesten Beweisen die Goldmedaille abzuerkennen; auch wenn das vielleicht unfair dem Sportler gegenüber erscheint, der ja eigentlich nichts für die Korruptereien der Funktionäre kann.

Aber da wird wohl nichts passieren, denn in Mexico gilt: Quién no transa, no avanza. (zu deutsch: Wer nicht bescheißt, kommt nicht weit(er).)

(Mehr dazu hier, und wen interessiert, wie Beltrán versucht, mit billigen Ausreden seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen: hier)

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Donnerstag, 24. Juli 2008

Dumme Fragen



Die Stadtregierung des D.F. (bekanntlich der Partei PRD angehörend) hat sich (wieder einmal) etwas schlaues ausgedacht. Da sie gegen eine Energiereform ist, werden öffentliche Gelder veruntreut für parteipolitische Zwecke "verwendet", um eine völlig irrelevante Umfrage zu veranstalten (dafür wurde sogar der sommerliche Stadt-Sandstrand-Badespaß gestrichen).

Konkret: am 27. Juli 2008 (also nächsten Sonntag) sind die D.F.-Bürger dazu aufgerufen darüber abzustimmen, ob sie der Energiereform zustimmen oder nicht - eine Aufgabe, die nicht ihnen, sondern den gewählten Vertretern (des gesamten Volkes; nicht nur des D.F.) im Parlament zusteht.

Dabei ist den Fragestellern (neben dem Realitätssinn) anscheinend auch die Logik abhanden gekommen; semantisch sind die Fragen jedenfalls völlig daneben.
Ich zitiere aus oben abgebildetem Flugblatt, das an mich verteilt wurde:

1. Actualmente la explotación, transporte, distribución, almacenamiento y refinación de los hidrocarburos (petróleo y gas) son actividades exclusivas del gobierno.
¿Está usted de acuerdo o no está de acuerdo que en esas actividades pueden participar empresas privadas?

2. En general ¿está usted de acuerdo o no está de acuerdo con que se aprueben las iniciativas relativas a la Reforma que se debaten actualmente en el Congreso de la Unión?

(zu deutsch:
1. Zur Zeit sind die Ausbeutung, der Transport, die Verteilung, die Lagerung und die Raffination [?] von Öl und Gas hoheitliche Aktivitäten, die nur von der Regierung ausgeführt werden dürfen.
Sind Sie damit einverstanden oder sind Sie nicht damit einverstanden, dass an diesen Aktivitäten Privatfirmen teilnehmen können?

2. Im Generellen: sind Sie damit einverstanden oder sind Sie nicht damit einverstanden, dass die Initiativen zur [Energie-] Reform, die momentan im Parlament diskutiert werden, verabschiedet werden?
)

Unter jeder Frage ist links neben den möglichen Antworten SI und NO ein weißes Quadrat zum Ankreuzen.

So.
Jeder, der eine Meinung hat (egal ob pro oder contra), muß beide Fragen mit SI (ja) beantworten.
Warum?
Na, die Frage ist: "Sind Sie einverstanden oder sind Sie nicht einverstanden?" Wenn ich einverstanden oder nicht einverstanden bin, muß ich SI ankreuzen. Nur der, der sich der Stimme enthalten will oder keine Meinung hat, kreuzt NO an.

Alles klar? ;-)

P.S. Sowieso: wie kann man über Dinge, die das Parlament nicht einmal verabschiedet hat und die, wie in Frage 2 erwähnt, immer noch diskutiert werden, abstimmen?
Was nützt eine Meinung, die in meinem Haus zählt ("Porque Aquí mi opinión sí cuenta"), wenn die Nachbarschafts-Gemeinschaft das nicht die Bohne interessiert?

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Mittwoch, 23. Juli 2008

Geschrumpfte Sicherung

Auf dem Foto sind zwei Sicherungen aus unserem (valga la redundancia) Sicherungs-Kasten vor dem Haus abgebildet. Die rechte hat die Original-Höhe; die linke ist "geschrumpft".

Was war passiert?
Als vorgestern abend im Erdgeschoß gleichzeitig der Kühlschrank, die Mikrowelle und die 1,5-PS-Wasserpumpe lief, war die Stromspannung für die Glühbirnen schon niedrig; als die Waschmaschine dann auf Schleudergang schaltete, flackerte es erst im ganzen Haus und dann wurde es dunkel (wohlgemerkt: alle diese Geräte hängen an einer einzigen 20A/110V-Sicherung).
Mit einer Taschenlampe suchte ich nach den Sicherungsschaltern, doch außer dem des Erdgeschosses waren alle eingeschaltet.

Ich ging vor das Haus, um im außen gelegenen, mit guten alten Drahtsicherungen (in Mexico Pflicht!*) ausgestatteten Kasten nachzusehen. Dort sah ich die Sicherung, die auf dem Foto links ist. Ich schaltete den Hauptstrom ab und griff nach der Sicherung: sie war butterweich und so heiß, dass ich schnell meine Finger zurückzog. Ich mußte sie mit einer Zange herausziehen und eine neue einsetzen.

Das Erstaunliche für mich ist, dass der Draht, der angeblich bei Überlastung durchbrennen sollte, noch völlig intakt ist. Die Sicherung selbst ist nun aber ein Schrumpfpaket und nicht mehr zu verwenden.



* Vor Jahren habe ich mich einmal erdreistet, diese Uralt-Teile durch Schaltsicherungen zu ersetzen. Als der Ableser der staatlichen Stromfirma das sah, wurde ich erst angepfiffen und dann dazu verdonnert, die Antiquität wieder einzubauen.

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