Donnerstag, 18. Oktober 2007

Adoptions-Bürokratie

Wie ein jeder Ausländer, der in Mexico geheiratet hat, weiß, sind die mexicanischen Behörden alles andere als Ausländer-freundlich. Das fängt schon dort an, wo man zum Standesamt (registro civil) geht und um einen Heiratstermin bittet (zumindest bei mir: in der delegación Xochimilco wollte man ein "Extra-Geld" für den angeblichen Versand von Dokumenten an das Instituto Nacional de Migración (INM), für das keine Quittung ausgestellt werden konnte).

Danach schlägt die Bürokratie zu und man hat die "Ehre", eine Heirats-Erlaubnis beim allseits beliebten INM zu beantragen, bei dem eine Unzahl von unsinnigen Papieren beigebracht und genaue Daten angegeben werden müssen, damit das INM eine Heirats-Erlaubnis (permiso de matrimonio) erteilt, die nur vier Wochen Gültigkeit besitzt (von denen knapp zwei wegen der vergangenen Zeit seit der Antragsstellung schon vorbei sind), nur für eine ganz bestimmte Person gilt, die man auf einem ganz bestimmten registro civil heiraten darf.
Es könnte ja sein, dass man es sich anders überlegt und eine hübschere/jüngere/wohlhabendere heiratet...

Naja, der Heirats-"woe" ist schon ein paar Jahre her, aber jetzt werde ich von dem Blödsinn wieder eingeholt:
diesmal brauche ich eine Adoptions-Erlaubnis (permiso de adopción), die wieder nur ganz spezifisch gilt; und zwar nur für meine Frau und mich und für ein ganz bestimmtes Kind (wir könnten ja plötzlich jede Menge anderer Kinder adoptieren... - als ob die Behörden nicht wüßten, dass das selbst für Mexicaner unmöglich ist).

Für mich ist das Paranoia hoch zehn.
Warum hat der mexicanische Staat so viel Angst vor ganz legal im Land lebenden, redlichen und nachgewiesenermaßen nicht vorbestraften Ausländern?

Ich würde mich nicht wundern, wenn ich demnächst eine Erlaubnis bräuchte, um ein Paar Schuhe zu kaufen - einen sog. "permiso de compra de mercancía, ropa o zapatos" (Vorsicht, Übertreibung!).

Ich muß dann vorher in den Laden gehen, die Schuhe aussuchen (hoffentlich darf ich sie anprobieren; vorausgesetzt, dies ist laut meinem F.M. erlaubt - Hinweis: es muß ausdrücklich im objeto der datos complementarios des F.M. vermerkt sein) und dann mit einem Empfehlungsschreiben auf Firmenpapier (papel membretado) des Schuhgeschäfts, in dem spezifiziert wird, um welches Schuhmodell es sich handelt (inkl. Registriernummer und Preis) und eine Absichtserklärung enthält, in dem das Geschäft zusichert, mir das Paar tatsächlich verkaufen zu wollen, zum INM laufen, um eine Kauf-Erlaubnis zu beantragen. Dazu muß ich Fotokopien aller Seiten meines F.M.2 und aller Seiten meines Passes, einen Brief von mir, in dem ich die Erteilung der Kauferlaubnis beantrage, natürlich (!) die Antragsformulare in doppelter Ausführung und einen Nachweis (+ Kopie), dass ich die anfallenden derechos bezahlt habe, beifügen.
Damit erhalte ich einen Schrieb hochoffiziellen oficio, der mir während der nächsten vier Wochen gestattet, in genau diesem genannten Schuhgeschäft genau dieses Paar Schuhe zu kaufen.

Hoffentlich habe ich das Recht, mir eine factura ausstellen zu lassen und brauche keinen permiso dafür...

Absurd, was? Aber möglich...

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3 Kommentare:

Blogger Sven schrieb...

Mir wurde gestern offenbart, dass ich vermutlich zur Migra muss, um eine Erlaubnis zu beantragen, damit ich an der Uni einen Spanischkurs belegen kann.

Das fiel denen uebrigens ein, als ich mich fuer 'Nivel 4' eingeschrieben habe... Nivel 3 habe ich bereits ohne weiteren Papierkram hinter mich gebracht...

Dein Schuh-Beispiel trifft uebrigens nicht ganz zu. Nach meiner Erfahrung wird es einem keinesfalls schwergemacht, hier Geld auszugeben. Wer allerdings irgendwelche Rechte in Anspruch nehmen will, muss ein dickes Fell (und Geld) haben.

18. Oktober 2007 um 12:39  
Anonymous Svenja schrieb...

Also in der Provinz (und dazu zähle ich Mazatlan) läuft diese Bürokratie einfacher.
Man benötigt viel weniger Dokumente für alles, und was sie nicht kennen, wird wenn man ihnen erklärt wofür, weshalb, warum und wie es auszusehen hat, trotzdem ausgestellt bzw. hergestellt.

Ist uns bei den Dokumenten für die Hochzeit in Deutschland passiert.
Wir brauchten eine Geburtsurkunde die nicht älter als 6Monate war und eine Ledigkeitsbescheinigung.

Das ist halt der Nachteil wenn man in bzw. an der großen Stadt lebt. Einfach mehr Bürokratie
Trotzdem viel Erfolg
Svenja

18. Oktober 2007 um 23:54  
Blogger rolandmex schrieb...

"Nach meiner Erfahrung wird es einem keinesfalls schwergemacht, hier Geld auszugeben."

Hm, mag sein. Aber glaub' nicht, dass das Adoptions-Verfahren billig ist. Für mich ist das nochmal mehr als ein voller Monatslohn.

Und, Svenja: auch auf dem platten Land muß man diese Papiere beibringen. Früher war man da vielleicht etwas großzügiger, aber diese Zeiten dürften mittlerweile vorbei sein.

19. Oktober 2007 um 13:54  

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