Mittwoch, 5. Dezember 2007

Adoptions-Bürokratie (III)

Seit dem 22. November ist es offiziell: wir sind ganz legal Eltern. Mittlerweile haben wir auch die Original-Geburtsurkunde, in der unsere Tochter unsere Nachnamen trägt.

Als ich um beglaubigte Kopien bat -ich wollte gleich zehn Stück, sozusagen als Vorrat für die nächsten Jahre, um nicht alle Nase lang zum weit entfernten registro civil fahren zu müssen- wollte man mir nur höchstens drei geben; mit Überredung konnte ich die Anzahl auf fünf erhöhen.

Warum?
Den Worten des Beamten zufolge muß man neuerdings für alle trámites, bei denen eine acta de nacimiento verlangt wird, eine "aktualisierte", d.h. vor kurzem (nicht länger als sechs Monate) ausgestellte Geburtsurkunde vorlegen.

Ich höre den Amtsschimmel wiehern. Auch in 100 Jahren wird meine Tochter am selben Datum und am selben Ort geboren worden sein und die selbe Registriernummer in den Akten des selben Standesamtes haben.
Wozu braucht man dann für diese trámites (und in Mexico wird für jeden Furz eine verlangt) eine neu-ausgestellte Geburtsurkunde? Traut man etwa den eigenen Urkunden nicht?
Oder ist das eine Mischung aus Beamten-Beschäftigungstherapie (eine acta auszudrucken und abstempeln kostet pro Stück mehr Zeit als zehn) und Geldscheffelei (schließlich werden alle Jahre wieder die Gebühren "angepaßt")?

Por lo pronto brauche ich erst einmal zwei: für den mexicanischen Paß und für den Staatsangehörigkeitsantrag bei der deutschen Botschaft - zweiteres ist wegen der Kondition der Adoption ein Thema für sich (aber nach §6 StAG machbar), auf das ich später nochmal eingehe (konkret: wenn wir's geschafft haben; der Papierkrieg ruft!).

P.S. Ich frage mich, ob durch eine Beglaubigung von einem Notar die Urkunde "aktualisiert" wird. Das kann nämlich unter Umständen (z.B., wenn wir mal in Tapachula oder San Juan de los Frijoles wohnen sollten) billiger und vor allem zeitsparend sein.

Labels: , , ,

4 Kommentare:

Anonymous Svenja schrieb...

Damals (vor 8 Jahren) brauchten wir auch zum heiraten hier in Deutschland eine Geburtsurkunde von Fernando die nicht älter als 6 Monate war.
Auf dem Registro Civil in Mazatlan hatten sie uns auch blöd angschaut und das selbe gesagt, wie du geschrieben hast: Das Datum hat sich doch nicht geändert.

Vielleicht haben diese "junge" Geburtsurkunde nun zuviele verlangt und Mexico hat gemerkt damit können wir noch etwas mehr Geld machen.
Abgeschaut bei anderen Ländern.

Wir haben von unserer Tochter nur jeweils eine Original-Deutsche und eine Original-Mexikanische Geburtsurkunde.
Bisher haben jeweils die Kopien genügt für Ämter, Beantragungen etc.

5. Dezember 2007 um 14:41  
Blogger rolandmex schrieb...

Wenn man in Mexico sein Kind z.B. beim Kindergarten anmeldet, muß man immer eine beglaubigte Geburtsurkunde vorlegen (neben allem möglichen anderen unnötigen Schnickschnack); diesmal jedesmal "frisch" vom Standesamt.
Mit Kopien ist da nichts getan.

In Behördenfragen gilt der Grundsatz: "Trau keinem, der nicht Du selbst bist." und deswegen muß man auch z.B. seine Telefonrechnung als Adress-Nachweis mitbringen, denn der IFE-Ausweis könnte ja gefälscht sein (aber bei den Wahlen wird er problemlos angenommen). [/sarkasmus]

Falls wir einmal eines Tages nach Europa "auswandern" sollten, werde ich die mex. Papiere meiner Tochter schön bei den Akten lassen. Außerhalb von Mexico sind diese Papier eher hinder- als förderlich; mal abgesehen von diesem Aktualisierungs-Brimborium.

5. Dezember 2007 um 17:14  
Blogger cabronsito schrieb...

Das waere doch vielleicht eine sinnvollere Regierungsinvestition gewesen, als die viel diskutierte Eislaufbahn: schoene Automaten, die bei Bedarf alles moegliche ausspucken, wie wir sie in Heisswasserland - meist in irgendwelchen Grossupermaerkten a la Wal Mart - haben.
Klar, kurz vor Schulbeginn (die Begruendung hast Du schon selbst geliefert) funktionieren manche der Dinger wegen Ueberlastung nicht, aber insgesamt gesehen ist das schon eine feine Einrichtung.

An der miesen Geldschinderei koennen wir eh nix aendern.
Aber wo Du von den langen Wegen redest: Ich bin mal ueber die Webseite einer Firma gestolpert, die anbietet, diese Art von Dokumenten aus jeder Ecke des Landes, sprich selbst aus San Francisco de los Cacahuates (sag Bescheid, wenn Google mal diese neuen Doerfer findet) a domicilio liefert. Hab leider den Namen vergessen und auch von den Kosten keinen blassen Schimmer.

@ Svenja, wo ich Dich schon hier treffe, heute flatterte ein Zettel von der mex. Post in meine Hoehle. Ich werde morgen mal schauen, was sich dahinter verbirgt. ;-)

5. Dezember 2007 um 18:38  
Blogger rolandmex schrieb...

Hm, San Nepomuceno de la Pachanga findet Google nicht... - nicht aktualisierte Kartendaten? ;-)

6. Dezember 2007 um 12:00  

Kommentar veröffentlichen

Links zu diesem Beitrag:

Link erstellen

<< Home