Montag, 7. Dezember 2009

Saison-Beginn (II) - Schutz-Maßnahme

Diesen Zettel bekam ich heute abend beim Einsteigen in den Bus gereicht. Die Maßnahmen sind sehr zu begrüßen und zeigen, dass es noch Busfirmen gibt, denen die Sicherheit ihrer Fahrgäste wichtig ist:


Ratet mal, wer gerade einen loyalen Kunden gewonnen hat...

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Dienstag, 1. Dezember 2009

Saison-Beginn

Von draussen vom Bus, da komm ich her; ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr...

Gestern bin ich das erste Mal seit mehr als 3 Jahren im Bus überfallen worden. Ein großer Fettsack, der alleine mit einer silberner Pistole rumfuchtelte und Schimpfwörter ausstoß.
Wenn ich nicht mittlerweile Familie hätte, würde ich irgendeinem von diesen Schmarotzern mal eins in die Fresse hauen auch auf die Gefahr hin, selbst verkloppt (oder schlimmeres) zu werden. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den anderen Schafen Fahrgästen das Haupt zu senken und zu blöken meine Habseligkeiten in einen Beutel zu werfen.
81 Pesos hat mich die Feature Rich Real Robbery gekostet; Uhr und Handy konnte ich rechtzeitig verstecken.

Ich fürchte, das wird nicht der einzige Überfall gewesen sein in dieser fröhlichen, seligen, gnadenreichen Weihnachtszeit 2009. Wie gut, dass der mex. Präsident verkünden läßt, dass die Krise vorbei ist und es aufwärts geht.
Ob das auch die Wirtschaft und vor allem die Räuber schon wissen...?

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Freitag, 23. Oktober 2009

... äh, was? (IV)


Den Fehler auf diesem Aushang an einem kleinen Restaurant hat wahrscheinlich noch nicht mal der Besitzer bemerkt.

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Sonntag, 18. Oktober 2009

Gemischter Plural

Ich spreche mit meiner 2-jährigen Tochter nur deutsch, während die ganze andere "Umwelt" mit ihr nur auf spanisch konversiert. Trotzdem hat sie verschiedene deutsche Wörter in ihren Wortschatz (der ständig wächst) aufgenommen.
So gibt es -auch im Umgang mit Spanisch-Sprechenden- Buch und Ball (beides einfacher auszusprechen als Libro und Pelota); Agua verwandelt sich in meiner Gegenwart in Wasser; ein bekanntes deutsches Krokodil (das aus dem Lied) hiess zunächst "Ei" (nach dem Liedtext: "...zuerst, da war ich noch ein Ei,...") und nun "Nappi" (übrigens heißen alle Krokodile so); "Pippi Langstrumpf" ist immer noch eins der Lieblingslieder, die der Papa (nicht: Papá) öfter singt (singen muss).

Letzte Woche verblüffte sie uns aber ganz besonders. Wir saßen im Wohnzimmer, als sie plötzlich auf ein Regal zeigte und laut sagte: "Buchos!"
Zuerst kapierte ich gar nicht, was sie meinte, aber dann wurde es mir klar: das Regal ist voller Bücher, und die Mehrzahl von Buch ist... na? - Buchos!

Ist doch logisch, oder?

P.S. Solange sie nicht irgendwann mit "Wochos", "Pommos" und "Würzos" ankommt, ist alles gut... ;-)

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Montag, 14. September 2009

... äh, was? (III)


Noch so ein Hingucker, bei dem man erst überlegen muss, was das bedeuten soll...

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Samstag, 12. September 2009

Selbstmord

Dienstag morgen, ich stand in der vollen Metro, bremste der Zug abrupt im Tunnel zwischen Potrero und La Raza und alle Lichter gingen aus (und mit ihnen der Ventilator, so dass es nach kurzer Zeit nach feuchten Jacken und Urin müffelte). Gut drei Minuten herrschte absolute Stille in der Dunkelheit, nur das leise Wummern der Bässe der iPods war zu hören.
Dann hörte man Stimmen draussen im Tunnel; sie riefen durcheinander "Sind die Passagiere OK?", "Nix weiter passiert?" und "Ruf den Krankenwagen". Ein Mann in meiner Nähe brummte was von "Da hat sich bestimmt einer vor den Zug geworfen.", - und ja, kurz darauf hörten wir: "Ist er tot?" - "Ja, fahr' mal ein Stück zurück.", woraufhin sich der Zug (immer noch ohne Licht im Inneren) ein paar Meter rückwärts bewegte.
 
Gut 15 Minuten verharrten wir in der Dunkelheit, bis endlich Licht und Ventilatoren wieder angingen und der Zug langsam in der Station La Raza einlief. Als wäre nichts geschehen, öffneten sich die Türen und Leute steigen aus und ein. Dann ging es weiter; business as usual.
 
Auch jetzt hängt mir das Ereignis noch nach, obwohl ich nichts gesehen habe.
Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf die Gleise zu werfen? Wie fühlt man sich als Zugführer, wenn man gerade jemanden überfahren musste?

(hier die Nachricht)

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Samstag, 5. September 2009

Paste

Ursprünglich führten ihn im 19. Jahrhundert englische Bergarbeiter, die in den Silber-Minen der Gegend um Real del Monte (Bundesstaat Hidalgo: auch als Mineral del Monte bekannt) lebten, ein. Der pastry, oft aus Blätterteig, war traditionell mit Kartoffeln und Rinder-Hackfleisch gefüllt und war wegen seines einfachen Transports eine populäre Mittagsmahlzeit im Stollen. Der geflochtetene Rand aus Teig, an dem der pastry angefaßt wurde, wurde nicht mitgegessen, weil man sich unter Tage nicht die Hände waschen konnte und er deswegen weggeworfen werden mußte.

Mehr bei Mexiko entdecken.

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Freitag, 4. September 2009

Bei der Eltern-Versammlung

Heute morgen war die erste reunión de padres im neuen Kinderhort meiner Tochter. Die Regional-Direktorin des DIF (dem der Hort angehört) war da, und wäre in einem Moment nicht protección civil aufgetaucht, um sie zu beschützen -so schilderte es meine Frau, denn ich war nicht dabei- dann hätten sie sie glatt gelyncht.

Warum?
Es gibt eine neue Hort-Leiterin, von der man nicht weiss, ob sie durch Beziehungen an den Job gekommen ist (hier fand gerade Bürgermeister-Wechsel statt und da ist es (leider!) üblich, dass alle möglichen Familienmitglieder und Kumpels des presidente municipal irgendwo "untergebracht" werden) oder ihres Könnens wegen; es gibt -zwei Wochen nach Schulbeginn- immer noch kein Erziehungs-Programm für das Schuljahr; es scheint, eine der Kindergärterinnen hat gar keine entsprechende Ausbildung (und war vorher Putzfrau des Horts); es gibt keinen Speisesaal für die Kinder, weil das Mobiliar für die zwei Gruppen benötigt wurde, die neu formiert wurden; usw. usf. - und zu allem Überfluss kam irgendwann eine Mutter in den Saal gerannt und rief: "Man serviert den Kindern das Frühstück aus Eimern!" - woraufhin eine Horde Eltern aus dem Saal stürmte, um mitanzusehen, wie das huevo a la mexicana mit großen Löffeln auf die Teller der Kinder geschaufelt wurde.

Ansonsten gab es das übliche Gemeckere und Gezetere, dass die Kinder (hier wurde über 1- bis 5-Jährige gesprochen!) doch Ballett- oder Volkstanz-Stunden haben sollten, ihnen Englisch beigebracht werden soll oder computación (wobei ich mich frage, was ein 3-Jähriger am Rechner soll...).
Nur meine Frau und ein Vater, dessen Frau Pädagogin ist, waren dagegen - alle anderen schwafelten was von "fitmachen für den Konkurrenz-Kampf" (als ob "pollo - chicken, gallina - hen" oder wildes Rumgehacke auf Tastaturen steinalter XT-Rechner da irgendwas ändern würde...).

Arme Kinder - noch ärmere Eltern.
Weil sie keine Zeit mehr für ihre Kinder haben (wollen), müssen ihre Sprösslinge Englisch und Computer lernen anstatt zu spielen... - und wenn Fragen aufkommen, können Papa und Mama nicht helfen. Wie gesagt: 1- bis 5-Jährige.

Wie das wohl wird, wenn sie 13 sind? - Aber nee, hier ist Mexico... - mit 13 hat man mit lahmem Vorankommen im Lernstoff und Schulausfall (puentes, huelgas, monatliche, völlig unnötige "Lehrer-Versammlungen", etc.) so viel Zeit vertändelt, dass man auf dem Niveau eines Dritt-Klässlers in Deutschland ist.

Jedenfalls ist meine Frau nun Angehörige eines 5-köpfigen "Kontroll-Komitees", das prüft, ob in dem Hort alles in Ordnung ist und dessen Mitglieder auch unangekündigt kommen dürfen.
Mal sehen, was daraus wird...

(andere Mexico-Blogger zum Thema: cabronsito und Andreas)

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Montag, 31. August 2009

Wahrnehmungs-Unterschiede

Heute morgen kam ich sehr verspätet zur Arbeit. Der Verkehr staute sich schon weit vor dem sonst üblichen Konflikt-Punkt und es ging nur im Schritt-Tempo voran.
Ich schrieb gleich eine SMS an die Verantwortliche des Kunden und entschuldigte mich für mein voraussichtliches Zu-Spät-Kommen. Dabei gab ich meinen momentanen Aufenthaltsort an, der gut 10 Kilometer vor der Metro-Station Indios Verdes lag.

Als die Zeit verstrich und es weiterhin kaum voran ging, begannen verschiedene der Passagiere im Bus ihre Firmen anzurufen und zu erklären, dass es viel Verkehr gäbe. Ausnahmslos alle (= 7 Personen) berichteten, sie seien "an der Einfahrt [der Stadt] bei Indios Verdes" ("en la entrada por Indios Verdes"). Tatsächlich standen wir aber nur gut 200 Meter weiter als bei meiner SMS (also immer noch 10 km vor Indios Verdes), was die meisten auch wußten, da tägliche Pendler.

Es wurde wohl deswegen nicht die "ganze Wahrheit" gesagt, weil sich der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung mächtig ärgern würde, da er den Verdacht hätte, der Im-Stau-Steckende wäre zu spät von zuhause weg gefahren (eine alltägliche Begebenheit in diesem Land). Deshalb wird (fast schon unterbewußt) "etwas geflunkert".
Das Ironische dabei ist, dass der Belogene das genau weiß; einfach, weil es "üblich" ist und jeder sich seinen Teil denkt.

Wenn man also eine Verabredung hat (ob privat oder geschäftlich) und der Gesprächspartner einige Minuten (nicht mehr als 10) vorher anruft (oder SMSt), dass er "etwas" später komme (beides eher der Ausnahmefall; meist kommt man einfach zu spät), weil er im Verkehr stecke und dabei angibt wie lange es noch dauert bis zu seiner Ankunft, kann man diese Zeit getrost mit 2, 3 oder 4 multiplizieren, um die wahre Verspätung einschätzen zu können und zu entscheiden, ob man so lange warten will oder nicht.

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Freitag, 28. August 2009

Vorfreude

Heute erzählte mir meine Frau kopfschüttelnd, sie hätte im Supermarkt gesehen, dass schon pan de muerto verkauft wird - und das, wo der día de los muertos erst am 1./2. November ist.

Meine Antwort: "Und? Hast Du auch schon das Noche Buena-Bier gesehen?"

... - Ich glaube, den Witz hat sie nicht kapiert, denn sie guckte nur verständnislos. ;-)

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Montag, 24. August 2009

Kubikmeter-Cola

Nach der offiziellen mex. Norm (und internationalem Standard) ist der Inhalt dieser Flasche korrekt geschrieben (mit ",", um Fraktionen darzustellen).

Nach mex. Gepflogenheiten (die sich bei Maßeinheiten sehr oft am nördlichen Nachbarn USA orientieren) kann es aber bei dieser Schreibweise (und ich bin sicher, es ist beabsichtigt) zu Mißverständnissen kommen, so dass man daraus einfach 1000 Liter abliest.

Übrigens: auf der großen Flasche derselben Marke steht: 3,300 L.

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Mittwoch, 19. August 2009

Ruhe vor (oder nach?) dem Sturm

Seit Ende Juli ist es hier etwas stiller. Das hat zwei Gründe.

Zum einen wurde mir im Büro der Hahn halb zugedreht, d.h. bestimmte Seiten sind blockiert. Dazu gehören auch alle blogspot.com-Sites, und nur über iGoogle/Google Reader bekomme ich überhaupt zu sehen, was da so gebloggt wird. Kommentieren ist unmöglich und abends nach dem Nachhausekommen ist die Motivation, schon wieder am Rechner zu hocken, nicht besonders hoch.

Zum anderen habe ich in letzter Zeit doch länger vor dem Computer gesessen als es mir und meinem Schlaf-Haushalt gut tut. Ich habe mir in Eigenregie Kenntnisse im Open Source-CMS (Content Management System) Joomla! angeeignet und mein (zugegebenermaßen etwas vernachlässigtes) Projekt Mexiko entdecken umgestaltet und erweitert.

Seit vorgestern Nacht ist "Mexiko entdecken 2.0" (so der interne Arbeitstitel) online und darf begutachtet und kritisiert werden. Der Plan ist, 2x im Monat -auch wenn es nur eine Kleinigkeit in der Rubrik "Notizblock" ist- anzufügen. Mal sehen, wie das zeitlich bei mir hinkommt.
Natürlich fehlen Details, und das eine oder andere wird hoffentlich mit der Zeit mittels components, modules und plugins besser gelöst werden können.

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Montag, 27. Juli 2009

... äh, was? (II)

Hier ein Rätsel für alle Semantik-Fans:


Auf was bezieht sich das "al mismo"? Auf das vehículo oder den paso?

Ich sehe mich unfähig, aus dem Satz zu erkennen, was uns der freundliche (und pseudo-wortgewandte) Schreiber sagen will, aber ich würde mein Auto dort nicht abstellen wollen. Wer weiß, ob da nicht subversive Reifenstecher am Werk sind? ;-)

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Donnerstag, 23. Juli 2009

Sicherheits-Maßnahmen


Die (in Mexico immer gegenwärtige) "crisis" schlägt um sich.
In den Supermärkten wurden die Maßnahmen gegenüber Ladendieben verschärft - wie so oft mit seltsamen Stilblüten: als ich letzte Woche im Wal-Mart eine Dose Laktose-frei Babymilch kaufen wollte (meine Tochter hatte üblen Durchfall), waren die Dosen alle mit einer robusten Plastikschnur am Regal festgezurrt. Man mußte die encargada del área fragen, damit diese in einem geheimen Versteck wühlte, eine Dose herausnahm, einen bis zu einer eigens dafür im Laden eingerichteten Kasse begleitete und sie dort dem Kassierer übergab (der dann auch gleich kassierte).

Obiges Bild nahm ich in der Comer in La Villa auf: die Dame oben auf der Leiter überwacht die (sowieso abgesperrte) Kosmetik-Abteilung, damit auch ja kein Lippenstift "verloren" geht.

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Donnerstag, 9. Juli 2009

Die Liste der IMSS-Kindergärten

Nun hat die staatliche Sozial-/Krankenversicherung IMSS nach 33 (in Worten: dreiunddreissig) Tagen endlich die famose Liste der lizensierten Kindergärten abgegeben.

Warum das so lange gedauert hat?
- Na, man musste die entsprechenden Dokumente erst einscannen, um sie dann als TIF-Dateien zu präsentieren. Offenbar hat der IMSS nur einen Scanner oder nur eine Person im staff, die das Gerät bedienen kann. Dass man zum effizienten Gebrauch der Liste die Daten eigentlich in einer Datenbank haben sollte, ist bis zum IMSS noch nicht vorgedrungen.
Ich frage mich, wie der IMSS seine Lizenznehmer kontrolliert, und ob er überhaupt weiss, wo die Kindergärten sind...

Zur Liste selbst ist wohl nicht viel zu sagen, weil sie so ausfiel, wie zu erwarten war: alle möglichen Leute mit palancas sind darauf vertreten, wie z.B. ein entfernter Cousin des Präsidenten, Familienangehörige, Freunde, Kumpel und was-weiss-ich von Gouverneuren, Ex-Gouverneuren, Bundes- und Landes-Abgeordneten, Senatoren, Bürgermeistern und anderen Politikern.
Also alles nicht neues in Impunilandia - obwohl ich glaube (wie viele andere auch), dass die Liste geschönt wurde, und Namen vom Schlage eines Chapo Guzmán, Norberto Rivera, Carlos Salinas de Gortari oder José María Aznar aus dem Register gestrichen wurden, um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen...

(Mehr dazu hier, hier und hier)

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Sonntag, 5. Juli 2009

ABC, you and me...

Heute vor einem Monat brannte der Kindergarten ABC in Hermosillo aus; bisher sind 47 Babies und Klein-Kinder an ihren schweren Brandverletzungen gestorben.
Eine wirklich traurige Geschichte, die mich jedes Mal heftig schlucken lässt, wenn ich mir vorstelle, unter den Opfern wäre meine eigene Tochter gewesen...

Trauriger ist allerdings, wie man die Schuldigen sucht, bzw. welche Ungereimheiten da (wieder mal!) auftauchen.
Wie vor einem guten Jahr bei der gescheiterter Razzia in der Discothek News Divine (es kamen mehrere Jugendliche um, man steckte einen Verantwortlichen der Polizei in den Knast (der Sündenbock), der 'Sicherheits-Minister' des DF trat zurück (besser: er wurde zurückgetreten - und ist -wie immer bei Politikern in dieser Kategorie- damit von jeglichen Untersuchungen ausgenommen und damit unschuldig wie die Jungfrau Maria), die Disco wurde von der DF-Regierung enteignet und weiter passierte... - nichts!), steckt auch hier wieder mal der Wurm drin, weil von vorne bis hinten, von unten bis oben und diagonal in alle Richtungen alles voller Heuchelei, Betrug, Gesetzes-Überschreitungen und -Missbrauch, Kompetenzgerangel, nepotismo und einfacher "Scheiss-egal-war-ja-nicht-mein-Kind"-Mentalität ist und die Korruption zum Himmel stinkt.

Kurz:
- keiner ist zuständig; nicht der Gouverneur des Bundesstaates Sonora; nicht die örtliche Feuerwehr, die für die Feuersicherheit von öffentlichen Gebäuden zu sorgen hat; nicht die Besitzer des Kindergartens; nicht der IMSS, unter dessen Namen der Kindergarten lief; nicht die Bundesregierung... niemand halt. Man schiebt sich die Schuld gegenseitig zu (übigens mit den absurdesten Argumente, die man je gehört hat; das beste war, dass der Brand ja in der angrenzenden Lagerhalle ausgebrochen sei - als ob damit erklärt sei, weswegen es kaum Fenster, keine Feuerlöscher, Rauchmelder und Notausgänge im Kindergarten gab) - keiner hat was gesehen, gehört oder gesagt (dieser "Keiner" muss eine einflussreiche Person in Mexico sein; der macht soviele schlimme Dinge, dass man ein hohes Kopfgeld auf ihn aussetzen sollte).

- Berichten zufolge waren alle Papiere des Kindergartens in Ordnung. Herr Mordidota lässt grüssen!

- die (nominellen) Besitzer des Kindergarten sind die Ehefrauen wichtiger Politiker im Staat Sonora (Muss ich mehr sagen? Hallo, Herr Tráfico de Influencias! - aber wir können beruhigt sein: die Herren sind zurückgetreten - und werden sicherlich, wenn der Medienrummel vorbei ist, an anderer Stelle wieder positioniert)

- kurzfristig hat man ein paar "Schuldige" festgesetzt, nachdem wochenlang keiner ausfindig gemacht werden konnte. Ich nehme an, das sind so wichtige Leute wie die Putzfrau oder der Nachtwächter, oder ein Obdachloser, der gerade auf der anderen Strassenseite seinen Rausch ausschlief.

- angeblich (!) gibt es Haftbefehle gegen Verantwortliche, die sich alle auf wundersame Weise entweder in Luft aufgelöst und verschwunden sind oder sich sonstwie geschützt haben. Da es sich ja "nur" um Totschlag von 47 Kindern handelt, können alle auf Kaution wieder raus, damit sie nicht wie in ihrem eigenen Kindergarten im schmutzigen und ungemütlichen Gefängnis bleiben müssen (Ratet mal, wer die fianza zahlt? Kleiner Tip: die, die die Steuern zahlen...).

- das IMSS wurde aufgefordert, eine Liste aller lizensierten Kindergärten zu präsentieren, an der sie nun schon gut zwei Wochen herumdoktorn. Pfuschen und Manipulieren konnten (und können) die von der PRI besser...

Wer hier irgendwelche Gerechtigkeit erwartet, wird -wie immer- enttäuscht werden.

Wer sich etwas mehr dafür interessiert, der sollte Katia D'Artigues' Kolumne von gestern lesen.
Und wer eine Idee davon bekommen will, wie es den Eltern der durch die Korruption in diesem Land ermordeten (ja, das ist es: vorsätzlich und aus niedrigen Beweggründen (= Selbstbereicherung ohne Rücksicht auf Verluste)) Kleinkinder geht, der lese Javier Solorzano's Vitral. Mir selbst steigt bei diesen Schilderungen die blanke Wut in den Kopf.

Viva México... - ¡malditos cabrones!

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Dienstag, 23. Juni 2009

Psycho-Terror im Bus

Vorige Woche, als ich nach der Arbeit in den Bus stieg, der mich in meine "Legohaus-Siedlung" (O-Ton Andreas) vor den Toren der Stinkestadt bringt, wunderte ich mich, dass vorne in dem schon etwas klapprigen Bus zwei moderne Flachbildschirm angebracht waren, auf denen Videos gezeigt wurden.

Der "Service" entpuppte sich schnell als ein lästiger Marketing-Trick der Partei "que sí cumple" (und das seit mehr als 70 Jahren) PRI: die Videos waren eine Mischung aus Hollywood-Film-Trailers auf englisch (! - wohl alle von der Apple Movie Trailers-Seite heruntergeladen), Piraten-Musikvideos von amerikanischen Rockbands (AC/DC, The Offspring) und mexicanischen Schnulzensängern (Vicente Fernández und andere) und Ausschnitten aus "America's Funniest Home Videos" (synchronisiert).

Nach jedem dieser Kurzvideos (30 sec. bis 5 Minuten) sprang der DVD-Spieler zurück und spielte immer die gleichen zwei PRI-Werbespots ab, die einem schon ab dem zweiten Mal heftig auf den Zeiger gingen. Natürlich war der Ton bei den Spots doppelt so laut wie bei den Videos.
Danach folgte das nächste Filmchen, welche nach etwa 45 Minuten anfingen sich zu wiederholen.

Glücklicherweise hatte ich an dem Tag meinen iPod dabei und konnte den PRI-Psycho-Terror durch Hochdrehen der Musiklautstärke ausblenden während ich ein Buch las.

Heute morgen aber nicht. Als ich in den Bus stieg war da an der Tür dieser Aufkleber "BusTV"... - und erst als ich mich hinsetzte merkte ich, dass ich den "Terror-Bus" erwischt hatte.
Na denn: "... Highway to Hell..."

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Sonntag, 21. Juni 2009

Mexicanisches IG-Metall-"Gelage"

Bei Spiegel-Online steht zu lesen (ich zitiere):
Die Wolfsburger IG Metall gerät wieder in die Schlagzeilen: Ein ehemaliger Kassierer prangt die Verschwendungssucht der örtlichen Funktionäre an. Die sollen Geld für teure Bürostühle und Restaurantbesuche ausgegeben haben - und für ein Gelage in einem mexikanischen Striplokal.

Hamburg - Der damals Zweite Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Wolfsburg, Frank Patta, hat sich nach SPIEGEL-Informationen die Ausgaben in einer Table-Dance-Bar im mexikanischen Puebla von der Gewerkschaft erstatten lassen. Patta war mit einer Gewerkschaftsdelegation im Mai 2006 zum deutsch-iberoamerikanischen gewerkschaftlichen Netzwerktreffen in Mexiko.
Am 18. Mai besuchte er zusammen mit Kollegen ein Strip-Lokal. Die Rechnung über umgerechnet rund 105 Euro reichte Patta später bei der IG Metall in Wolfsburg ein.

Soso, ein "Gelage" in einem Strip-Lokal in Puebla. 105 Euro waren damals knapp 1.550 Pesos (Quelle).
Dafür bekommt man in einem "anständigen" Teibol gerade mal eine Flasche Billig-Tequila mit 6 refrescos an den Tisch gebracht und darf den Damen, die sich an einer Stange räkeln und sich ihrer spärlichen Bekleidung entledigen, zuschauen. Die IG-Metaller müssen also in einer ganz üblen Spelunke gewesen sein, wenn sie mit den paar Kröten dort ein "Sauf-" oder "Sex-Gelage" veranstalten konnten.

P.S. Diese Anmerkung mache ich unabhängig davon, dass die Herren unerlaubt Spesen abgerechnet haben, die nicht abzurechnen sind.

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Freitag, 12. Juni 2009

Lichtblick im Alltag

An den Eingängen vieler Metro-Stationen sitzen Frauen mit absichtlich bekifften Kindern und betteln um "una moneda". Viele der Kids, die schon laufen können (so ab etwa 3 Jahre), werden alleine losgeschickt, zupfen den Passanten an den Kleidern und halten wortlos ihre Tasse hoch.

Heute morgen, als ich an der Station 18 de Marzo die Stufen herunterkam, stand da einer von den Knirpsen. Eine Krankenschwester (wohl auch auf dem Weg zur Arbeit) hielt an, der Kleine hielt seinen Becher hin. Die Dame wühlte in ihrer Tasche und gab dem Jungen ein belegtes Brötchen und einen Joghurt.

Der Kleine freute sich riesig; er sagte nichts, aber das dankbare Leuchten in seinen Augen war beeindruckend.

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Mittwoch, 27. Mai 2009

Lokale Ignoranz - reloaded

Erinnert Ihr Euch an den Beitrag, in dem ich über behördliche Ignoranz zum Thema Miguel E. Schultz schrieb?

Offenbar hat die DF-Regierung ihren Fehler bemerkt und das Schild mit einem Aufkleber korrigiert, um den Namen in Ordnung zu bringen.

Pero que creen...? - Es ist schlimmer gekommen. Das ist wirklich eine Lachnummer.
Seht selbst (aufgenommen an der gleichen Straßenecke - wohlgemerkt: der offizielle Name der Straße ist Miguel E. Schultz):

Vorher:



Nachher:



Vive México! LOL

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