Montag, 7. Dezember 2009

Saison-Beginn (II) - Schutz-Maßnahme

Diesen Zettel bekam ich heute abend beim Einsteigen in den Bus gereicht. Die Maßnahmen sind sehr zu begrüßen und zeigen, dass es noch Busfirmen gibt, denen die Sicherheit ihrer Fahrgäste wichtig ist:


Ratet mal, wer gerade einen loyalen Kunden gewonnen hat...

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Sonntag, 20. September 2009

Zuhause telefonieren...

Für alle "Exil-Mexicaner", die sich mit dem Gedanken tragen, wieder nach Deutschland zurückzugehen, gibt es bei Spiegel-Online einen interessanten Artikel:
Karriereknick im Ausland: In der Krise lockt die Heimat

Obwohl im Artikel die Erfahrungen von drei Expats zusammenfassend erzählt werden, gibt es noch einen getrennten Artikel dazu:
Arbeitsnomaden erzählen: Gemischte Auslandserfarungen [sic!]


... da ich hier in Mexico nie auf der "Karriere-Überholspur" mit üppigem Gehalt und Deutschland-untypischem Luxus (Dienstmädchen, Chauffeur, guarura, etc.) war und mir in diesem Land nie etwas geschenkt wurde, sondern ich mir alles erarbeitet habe, dürfte es demnach einfacher sein, mich wieder einzugliedern, oder...?

[/ironie aus]

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Freitag, 4. September 2009

Bei der Eltern-Versammlung

Heute morgen war die erste reunión de padres im neuen Kinderhort meiner Tochter. Die Regional-Direktorin des DIF (dem der Hort angehört) war da, und wäre in einem Moment nicht protección civil aufgetaucht, um sie zu beschützen -so schilderte es meine Frau, denn ich war nicht dabei- dann hätten sie sie glatt gelyncht.

Warum?
Es gibt eine neue Hort-Leiterin, von der man nicht weiss, ob sie durch Beziehungen an den Job gekommen ist (hier fand gerade Bürgermeister-Wechsel statt und da ist es (leider!) üblich, dass alle möglichen Familienmitglieder und Kumpels des presidente municipal irgendwo "untergebracht" werden) oder ihres Könnens wegen; es gibt -zwei Wochen nach Schulbeginn- immer noch kein Erziehungs-Programm für das Schuljahr; es scheint, eine der Kindergärterinnen hat gar keine entsprechende Ausbildung (und war vorher Putzfrau des Horts); es gibt keinen Speisesaal für die Kinder, weil das Mobiliar für die zwei Gruppen benötigt wurde, die neu formiert wurden; usw. usf. - und zu allem Überfluss kam irgendwann eine Mutter in den Saal gerannt und rief: "Man serviert den Kindern das Frühstück aus Eimern!" - woraufhin eine Horde Eltern aus dem Saal stürmte, um mitanzusehen, wie das huevo a la mexicana mit großen Löffeln auf die Teller der Kinder geschaufelt wurde.

Ansonsten gab es das übliche Gemeckere und Gezetere, dass die Kinder (hier wurde über 1- bis 5-Jährige gesprochen!) doch Ballett- oder Volkstanz-Stunden haben sollten, ihnen Englisch beigebracht werden soll oder computación (wobei ich mich frage, was ein 3-Jähriger am Rechner soll...).
Nur meine Frau und ein Vater, dessen Frau Pädagogin ist, waren dagegen - alle anderen schwafelten was von "fitmachen für den Konkurrenz-Kampf" (als ob "pollo - chicken, gallina - hen" oder wildes Rumgehacke auf Tastaturen steinalter XT-Rechner da irgendwas ändern würde...).

Arme Kinder - noch ärmere Eltern.
Weil sie keine Zeit mehr für ihre Kinder haben (wollen), müssen ihre Sprösslinge Englisch und Computer lernen anstatt zu spielen... - und wenn Fragen aufkommen, können Papa und Mama nicht helfen. Wie gesagt: 1- bis 5-Jährige.

Wie das wohl wird, wenn sie 13 sind? - Aber nee, hier ist Mexico... - mit 13 hat man mit lahmem Vorankommen im Lernstoff und Schulausfall (puentes, huelgas, monatliche, völlig unnötige "Lehrer-Versammlungen", etc.) so viel Zeit vertändelt, dass man auf dem Niveau eines Dritt-Klässlers in Deutschland ist.

Jedenfalls ist meine Frau nun Angehörige eines 5-köpfigen "Kontroll-Komitees", das prüft, ob in dem Hort alles in Ordnung ist und dessen Mitglieder auch unangekündigt kommen dürfen.
Mal sehen, was daraus wird...

(andere Mexico-Blogger zum Thema: cabronsito und Andreas)

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Montag, 31. August 2009

Wahrnehmungs-Unterschiede

Heute morgen kam ich sehr verspätet zur Arbeit. Der Verkehr staute sich schon weit vor dem sonst üblichen Konflikt-Punkt und es ging nur im Schritt-Tempo voran.
Ich schrieb gleich eine SMS an die Verantwortliche des Kunden und entschuldigte mich für mein voraussichtliches Zu-Spät-Kommen. Dabei gab ich meinen momentanen Aufenthaltsort an, der gut 10 Kilometer vor der Metro-Station Indios Verdes lag.

Als die Zeit verstrich und es weiterhin kaum voran ging, begannen verschiedene der Passagiere im Bus ihre Firmen anzurufen und zu erklären, dass es viel Verkehr gäbe. Ausnahmslos alle (= 7 Personen) berichteten, sie seien "an der Einfahrt [der Stadt] bei Indios Verdes" ("en la entrada por Indios Verdes"). Tatsächlich standen wir aber nur gut 200 Meter weiter als bei meiner SMS (also immer noch 10 km vor Indios Verdes), was die meisten auch wußten, da tägliche Pendler.

Es wurde wohl deswegen nicht die "ganze Wahrheit" gesagt, weil sich der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung mächtig ärgern würde, da er den Verdacht hätte, der Im-Stau-Steckende wäre zu spät von zuhause weg gefahren (eine alltägliche Begebenheit in diesem Land). Deshalb wird (fast schon unterbewußt) "etwas geflunkert".
Das Ironische dabei ist, dass der Belogene das genau weiß; einfach, weil es "üblich" ist und jeder sich seinen Teil denkt.

Wenn man also eine Verabredung hat (ob privat oder geschäftlich) und der Gesprächspartner einige Minuten (nicht mehr als 10) vorher anruft (oder SMSt), dass er "etwas" später komme (beides eher der Ausnahmefall; meist kommt man einfach zu spät), weil er im Verkehr stecke und dabei angibt wie lange es noch dauert bis zu seiner Ankunft, kann man diese Zeit getrost mit 2, 3 oder 4 multiplizieren, um die wahre Verspätung einschätzen zu können und zu entscheiden, ob man so lange warten will oder nicht.

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Dienstag, 7. Juli 2009

Trocken-Gesetz (II)

Nach den Vorfällen bei den Wahlen am Sonntag (z.B. dieser oder dieser) verstehe ich, weswegen die Mexicaner wie kleine Kinder ans Händchen genommen werden müssen, damit sie sich am Wahltag nicht besaufen und danach Dummheiten anstellen.

Sie können sich am Tag der Wahl ja nicht einmal wie rationell denkende Erwachsene benehmen, wenn sie nüchtern sind!
Stellt Euch vor, was passiert wäre, wenn sie ein paar intus gehabt hätten: noch mehr Tote und Verletzte.

Aber wie das nationale Wahlinstitut IFE immer sagt: "...para que nuestra democrácia crece..." - schön wäre es allerdings, wenn die Mexicaner wüssten, was diese ominöse democracia überhaupt ist...

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Donnerstag, 2. Juli 2009

Andere Länder ...

Dies hier wäre in Mexico wohl nicht möglich; da sind den Supermarkt-Ketten ihre Kunden egaler als anderswo.

Bisher gingen die Preise bei Comercial Mexicana, Chedraui, Aurrera, Wal-Mart, Soriana, Superama & Konsorten immer weiter hoch, und das, wo ausnahmslos alle behaupten, die billigsten zu sein.
Zum scheinbaren (!) Beweis haben sie zwei volle Einkaufswagen mit den gleichen Waren vor der Tür stehen; der eine bei der Konkurrenz eingekauft, der andere aus diesem Geschäft - und natürlich ist die Summe der Preise aus diesem Markt günstiger als die der Konkurrenz.

Ein Beispiel gefällig? Im März 2009 kosteten die Einweg-Windeln (zu denen wir verdonnert wurden, weil die guardería, die unsere Tochter besucht, keine Stoffwindeln akzeptieren will) 109 Pesos, im Juni schon 124 - im gleichen Supermarkt.

Oh, wie schön ist ALDI-Land... ;.)

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Mittwoch, 11. Februar 2009

Hat Slim Recht oder nicht?

Gestern sagte Carlos Slim bei einem Kongress (in etwa und sinngemäß):
Die wirtschaftliche Situation ist sehr schlimm; die schlimmste Krise seit den 1930ern. Viele Firmen -große, mittlere, kleine- werden schließen müssen und des wird tatsächlich leerstehende Bürogebäude geben.

Er möchte kein Schwarzmaler sein, aber es wird eine sehr schwierige Situation sein; man sollte sich darauf vorbereiten und nicht später die Konsequenzen sehen und weinen. Er schlug vor, sich auf die pymes (kleine und mittlere Firmen) und die interne Wirtschaft zu konzentrieren.
Natürlich ging gleich das große Gejaule der politiquillos los, er solle doch nicht so pessimistisch sein, sonst wäre es seine Schuld, wenn es mit der Wirtschaft weiter bergab geht (so in etwa die Regierungspartei PAN, die sich lieber darauf beschränkt alles schön nicht so schlimm zu reden, indem sie -zusammen mit den Medien- einfach nichts von den tagtäglichen Katastrophen-Weltwirtschafts-Nachrichten sagen).

Katia D'Artigues vom El Universal (von der ich das von Slim gesagte übersetzt habe), meint dazu heute, man solle Slim ruhig glauben und führt an warum:
  1. Die staatliche Krankenversicherung IMSS meldet 5.885 entlassene Arbeitnehmer täglich.
    Seit November 2008 bis Januar 2009 wurden 541.000 Personen entlassen - und hier ist nur die Rede von denen, die tatsächlich beim IMSS angemeldet sind (das sind viele eben nicht und werden daher auch gar nicht erfaßt).

  2. Gestern wurde im El Universal eine Umfrage veröffentlicht, die Ende Januar/Anfang Februar 2009 durchgeführt wurde und bei der herauskam, dass "nur" 84% der Mexicaner von der Krise betroffen sind (bisher!).
    73% haben das Budget für Vergnügen (Kino, Theater, Restaurant- und Kneipen-Besuche, etc.) zusammengestrichen, 69% das für Bekleidung, rund 50% sparen bei Kosten im Haushalt (Miete, Renovierungen, etc.) und Transport (Auto, Sprit, etc.), 53% geben weniger für Essen aus.
    70% fürchten, entlassen zu werden.

  3. Der Präsident wird die Gesetze des IMSS und des INFONAVIT (sowas wie die Bausparkasse des Bundes) ändern, um den Arbeitslosen zu helfen. Das ist gut, könnte man meinen. Aber da ist ein kleines Detail: die Initiative wurden einen Monat (!) nach der Unterschrift unter dem so wichtigen "Nationalen Konsens zur Verbesserung der Familien-Ökonomie und der Arbeit" begonnen. Es scheint eben wichtiger zu sein, sich beim Unterschreiben pompös ablichten zu lassen, anstatt etwas wirkungsvolles zum richtigen Zeitpunkt zu tun und ist somit (so sieht es Katia D'Artigues) eine Lüge.

Sie führt dann noch ein paar andere Argumente an, aber die bringe ich hier nicht ein, denn ich denke, vor allem die ersten zwei sind aussagekräftig genug, oder nicht?

Lest selbst (falls Ihr des Spanischen mächtig seid)

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Samstag, 24. Januar 2009

Bitte helft! (II)

Um es kurz zu machen: Julián wurde gefunden; gestern Abend in einem Park in der Nähe der Autobahn México - Puebla. Tot.
Mit gebrochenen Gliedmaßen (Bein und Arm). Ohne jegliches Geld oder Identifikation. Ohne seine Brille.
Die offizielle Version: er wurde überfahren.

Wer die mex. Polizei und deren Zuverlässigkeit kennt, weiß, dass da keiner nachforscht, was wirklich passiert ist (CSI gibt's nur im Fernsehen oder für Reiche wie Fernando Martí), und man "erfindet" eine Todesursache, um sich des Falls möglichst schnell zu entledigen (und die Kriminalitätsstatistik zu schönen).

Heute nachmittag war die Beerdigung. Ich war schon auf verschiedenen, aber auf keiner habe ich so viele Leute (auch Männer) weinen sehen.

Die Vermutungen, was wirklich geschah, gehen weit auseinander.
Tatsache ist, dass Julián in der Nähe der Zona Rosa arbeitete, in Iztacalco wohnte und irgendwo JWD ("Janz weit draußen") aufgefunden wurde.
Möglicherweise wurde er auf dem Heimweg in ein Auto gezerrt, mit roher Gewalt dazu gezwungen, Geld auszuhändigen, und als die Räuber keine Verwendung mehr für ihn hatten, entledigten sie sich von ihm (so wie viele 08/15-Mexicaner eine leere Plastik-Flasche aus dem Fenster des fahrenden Autos werfen...).

Nach all' dem, was man in den letzten Monaten in den Nachrichten hört (trotz der vermeintlichen Erfolgsmeldungen), denke ich, es kommen in dieser Krise schwere Zeiten auf uns zu.
1995 war eine Wirtschafts-Krise; diese hier ist außerdem eine Gesellschafts-Krise, in der wegen des sich seit Jahren entwickelnden Werte-Verfalls ein Menschenleben soviel zählt wie eine leere Cola-Flasche: "Nix mehr drin, was ich gebrauchen kann? Ex & Hopp und weg damit!"
Ich glaube, langsam aber sicher geht dieses Land vor die Hunde.

Ich werde damit beginnen, nach Alternativen zu suchen.

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Dienstag, 20. Januar 2009

Schützt (nur) die Mexicaner! (II)

Der National-Mannschafts-Torhüter Guillermo Ochoa (mexicano por nacimiento!) macht es vor: raus mit dem minderwertigen Abschaum der Mexicaner, den naturalizados.

In einem Interview sprach er sich dafür aus, in Mexico Geborene zu bevorzugen und Fussballspielern, die nicht von Geburt an die mex. Staatsangehörigkeit besitzen, den Zugang zum National-Team zumindest zu erschweren.

Ob er wohl befürchtet, bald von seinem privilegierten Posten als Nr. 1 im Tor entfernt zu werden, weil ein anderer besser hält als er?
Wie wär's, wenn man damit anfinge, einen mexicanischen (nur ein reinrassiger por nacimiento!) Nationaltrainer zu verpflichten? Gibt's da welche, die was taugen (ausser Javier Aguirre, der sich wegen seiner Fähigkeiten in Spanien durchgesetzt hat und offenbar momentan überhaupt keinen Drang verspürt, in die mediocridad der mex. Liga zurückzukehren)?

Wäre ich mexicano por naturalización, würde ich Ochoa mindestens bei der Comisión de los Derechos Humanos wegen Diskriminierung anzeigen.

In Deutschland würde so jemand wahrscheinlich achtkantig aus der National-Mannschaft fliegen, zumal er nur Zwietracht und Misstrauen schürt.

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Montag, 19. Januar 2009

Schützt (nur) die Mexicaner!


Wie man sieht, sind nur mexicanische Kinder und Jugendliche (von denen womöglich nur die reinrassigen gebürtigen) es wert, dass man sie vor Drogen schützt.

Aber wenn man in Deutschland das selbe schriebe, würden auch die mex. Medien mit dem Finger auf die Deutschen zeigen und laut "Pfui!" rufen.

Selbe Diskriminierung, zweierlei Maß.

(Offizielles Plakat der mex. Regierung)

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Montag, 12. Januar 2009

Rechtssicherheit in Mexico

Bei der Beantwortung einer Frage in der Mexico-Community stolperte ich soeben über ein Zitat, das ich selbiger vor fast zwei Jahren postete - und weil´s so schön wahr ist, klebe ich es hier nochmal hin:
¡Ay México! Siempre puro relajo, lo hacen como quieren, pero cuando te quieres chingar a alguien ¡aplícale la ley!*

Amen.

(Quelle)

* zu deutsch: Ach, Mexico! Immer Unordnung; jeder macht was er will; aber wenn Du jemanden in die Pfanne hauen willst - wende die Gesetze an!

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Dienstag, 6. Januar 2009

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...

... dass ich so fröh-höh-lich bin...

Soeben verfaßte ich einen Beitrag in der Mexico-Community, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren!

Ein netter Gruß an all' die armen Schweine, die sich noch jährlich mit der herzallerliebsten mexicanischen "Migra" herumschlagen müssen!
Ich bin inmigrado.

Nä, wat schön!
;-)

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Montag, 20. Oktober 2008

Nutzlos (II)



In einem zivilisierten Rechtsstaat sollte man davon ausgehen können, dass die Bürger ihre Steuern und Abgaben rechtzeitig zu entrichten haben, und wenn sie es nicht tun, in irgendeiner Form bestraft werden.
In Mexico nicht. Hier ist jeder Abgaben-Zahler, der frühzeitig zahlt, ein naiver Voll-Trottel.

Warum?
Na, weil man nur etwas warten muß und schon gibt es eine Erlassung der Strafe (hier: 100%) und einen Rabatt auf die erhöhte Gebühr (hier: 50%).

Warum also rechtzeitig zahlen, wenn man das Geld in der Zwischenzeit woanders Zinsen bringen lassen kann und dann irgendwann, wenn es mal wieder Rabatt gibt, berappt?
Oder eben nie - außer, es wird einem irgendwann mal Wasser oder Strom abgestellt.

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Samstag, 18. Oktober 2008

Kriminalität bekämpfen


Im D.F. geht das so:
  1. Man benennt die Polizei um (von judicial zu investigadora). Das macht schon mal was her: neuer Name, neues Glück. Das korrupte und größtenteils kriminelle Personal bleibt natürlich dasselbe.

  2. Man gründet Nachbarschaft-Komitees, die ihre colonias bewachen; also die Arbeit machen, die eigentlich die Polizei tun sollte und wofür die Bürger (u.a.) Steuern zahlen.

  3. Man versichert den Bürgern, dass alle Anzeigen direkt an die obersten Beamten im Polizei-Apparat weitergeleitet und von ihnen bearbeitet werden. Natürlich ist die Arbeitslast für sie nicht zu bewältigen, und deshalb wird alles an die unteren, wie oben erwähnt, korrupten Ränge zur Bearbeitung abgegeben.

Was ändert sich?
Ich bin zwar sehr skeptisch, aber hoffentlich mehr als der Name. Wenn es nicht schlimmer wird, ist das bei mex. Politikern schon ein Gewinn; vor allem, wenn nun tatsächlich "la crisis económica" zuschlägt und damit zwangsläufig die Kriminalität steigt.

Nach Mexico auswandern irgendwer?

(genaueres hier)

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Dienstag, 14. Oktober 2008

Tip für Arbeitnehmer

Wer in Mexico seinen Job kündigt und dem der Ex-Arbeitgeber den gesetzlich zustehenden finiquito nicht zahlen will, der sollte alle rechtlichen Schritte (die demanda vor dem Arbeitsgericht) innerhalb der Frist von zwei Monaten nach der Kündigung tätigen.

Wer das nicht tut, guckt wie ich in die Röhre mit ausstehenden Zahlungen wie Lohn, Weihnachts- und Urlaubsgeld, usw. - in meinem Fall eine gute 5-stellige Summe.

*grmpf*

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Dienstag, 19. August 2008

Neuer Job

Vorbei ist's mit dem Müßiggang; ab September habe ich eine neue Arbeitsstelle.

Die Suche gestaltete sich etwas schwierig, denn in Mexico besteht noch wenig Bedarf nach Leuten in meiner Profession.
Und die Jobs, die angeboten werden, sind für Neulinge; z.B. bei einem großen Geodaten-Provider, der sich in Mexico als Monopolist wähnt, und der bessere Datensammler einstellt (mit abgeschlossenem Studium und guten Englisch-Kenntnissen), aber nicht bereit ist, ein einigermaßen anständiges Gehalt zu zahlen (ich sag's mal so: ich hätte etwa 20% meines Lohns nur für den ÖPNV ausgegeben; und der ist ja nun wirklich nicht teuer hier).

Der neue Job ist bei der Außenstelle einer Universität, die Informatik-Dienste anbietet und für ein GIS-Projekt bei einem Kunden Spezialisten suchte.
Ich bekomme zwar nur einen Jahresvertrag, aber die Bezahlung ist i.O., ich habe als Projektleiter Verantwortung für eine Horde Datensammler Mitarbeiter in der Produktion und direkten Kontakt mit dem Kunden. Die Projekte können vielfältig sein, denn nach dem jetzigen Auftrag (der bis Ende 2008 dauert) sind andere Aufgaben für andere Firmen/Behörden geplant, die die Arbeit (hoffentlich) nicht langweilig und eintönig werden lassen (was einer der Faktoren bei meinem Ex-Job war, warum ich die Motivation verloren hatte: immer dasselbe...).

Das beste ist, dass unser 3,5-wöchiger Deutschland-Urlaub nicht gestrichen werden muß, sondern von der Uni als ein Weiterbildungskurs deklariert wird, damit ich fehlen kann (unbezahlt, versteht sich).
Der eigentliche Arbeitsstart ist somit erst Anfang Oktober. :-D

OK, schau'n 'mer mal, was daraus wird.

P.S. Währenddessen warte ich immer noch auf meine Abfindung vom vorherigen Arbeitgeber und werde, wenn der Director General mal antwortet, immer auf die nächste Woche vertröstet. Wie lange der Schuppen wohl noch überleben wird?

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Dienstag, 5. August 2008

Freiwillig IMSS-versichert

Bevor hier jemand lästert: besser als gar keine Krankenversicherung ist das allemal!

Wer aus einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis ausscheidet und zunächst kein neues eingeht, ist erst einmal krankenversicherungslos - sollte man denken. Aber nein: bis 59 Tage nach Abmeldung durch den ehemaligen Arbeitgeber kann der Versicherungsnehmer und seine wirtschaftlich Abhängigen (meist Frau und Kind(er)) zu ihrer IMSS-Klinik zur Behandlung, Impfung, etc. gehen.

Und - das dürfte interessant sein für (vorübergehende?) Freiberufler (sprich: persona física) - man kann sich auch freiwillig IMSS-versichern. Für die, die in die 59-Tage-Frist fallen, ist es eine Art freiwillige Verlängerung, die für jedes Familienmitglied einzeln abgeschlossen werden muß unter dem Namen des Ex-Arbeitnehmers (in unserem Fall ich); z.B. kostet sie für eine Person von 20 - 39 Jahren momentan jährlich 1.340,10 Pesos - also nicht die Welt.
Vorteil bei dieser "Verlängerung" ist, dass man keine Einschränkungen in den Leistungen hat; während eine "normale" Freiwilligen-Versicherung mit restricciones (z.B. beim Zahnarzt) beginnt, die erst bei mehrmaligen Verlängerungen nach und nach aufgehoben werden.

Ich habe uns drei für unter 4.000 Pesos ein ganzes Jahr krankenversichert - das ist doch OK, oder? Zumal eine private Versicherung (OK: mit freier Arztwahl, etc.) nicht für unter 30.000 jährlich zu haben wäre (und dann wäre es nur eine für höhere Kosten (gastos médicos mayores) wie Operationen, etc.).

Natürlich ist der IMSS nicht immer (hm, wegen etwas "rustikaler" Behandlung und bürokratischem Sich-selbst-im-Weg-Stehen eigentlich in den wenigsten Fällen) das Gelbe vom Ei, aber wenn man Verwandte in der zuständigen Klinik hat, man sich quasi bei Einschreibung das consultorio (und damit den Arzt) aussuchen kann und auch sonst bevorzugten Service genießt, ist es gut aushaltbar.
Heute z.B. wurde mir im PrevenIMSS die längst überfällige Tetanus-Spritze verpaßt (in den Oberarm; das kannte ich noch nicht, aber es ist ja schon 10 Jahre her seit der letzten Tetanus-Impfung) und meiner Frau sehr kurzfristig eine Roentgen-Aufnahme erstellt, die sie morgen früh bei ihrer consulta im IMSS-Hospital "del segundo nivel" (also beim Spezialisten) braucht.

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Dienstag, 8. Juli 2008

Deutschland-reif


Test bestanden. Ich kann also zurückkehren.

;-)

(Quelle: Spiegel Online)

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Donnerstag, 12. Juni 2008

Deutschland-tauglich

Auf Spiegel-Online gibt es einen Test (wieder mal...), um herauszufinden, ob man bei einer Einbürgerung auch das "Deutschland-Examen" bestehen würde.

Wer diese popelig einfachen Fragen nicht beantworten kann, der sollte wirklich nach Hause gehen...

Mein Resultat:

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Mittwoch, 11. Juni 2008

Wasser Marsch?

In unserem "Legohaus"-fraccionamiento leben wir in einer durch ein Tor geschlossenen privada - also eine "Privatstraße"; ab dem Tor beginnt ein Privatgrundstück. Jeder einzelne ist rechtmäßiger Besitzer seines Hauses und der dazugehörigen zwei Parkplätze davor; alles andere (die Zufahrtsstraße, der Gehweg, die Rasenflächen und Grünanlagen) sind der ley de condominios entsprechend Besitz aller.

Natürlich wollen die Grünflächen bewässert werden, und obwohl jedes Haus einen Wasserhahn an der Frontseite hat, gefällt es besonders den Nachbarn in unmittelbarer Nähe großer Flächen nicht, wenn bei ihnen Wasser abgezapft wird und sie alleine die Kosten dafür tragen sollen.
Die Lösung: ein separater Hahn mit Wasseruhr.

Also zog unsere Privada-Gemeinschafts-Vorsitzende los zum "Wasseramt" (sowas wie die Stadtwerke, die hier direkt der municipio-Regierung unterstellt, nominell aber "unabhängig" und "dezentralisiert" sind). Die Antwort auf unsere Petition: "Gibt's nich'. Ham' wir nich'. Machen wir nich'."
Selbst ein persönliches Gespräch mit dem obersten Chef des "Wasseramtes" (dafür muß man Tage vorher einen Termin ausmachen, der nur gewährt wird, wenn man die Sekretärin von der Dringlichkeit der Anfrage überzeugen imstande und sie nicht gerade schlecht gelaunt ist) hatte kein uns zufriedenstellendes Ergebnis.
Der Grund: in den bürokratischen Verordnungen unseres municipio ist ein solcher Fall nicht vorgesehen - und was nicht beschrieben ist, existiert nicht. Keine Verordnung = keine Beantwortung der Frage.

Aufgrund des abschlägigen Bescheides und weil eine Lösung her mußte, beschloß letzten Sonntag die Privada-Gemeinschaft auf unserer monatlichen Versammlung einstimmig, die offizielle Wasserleitung vor dem Zähler des Nachbarn anzuzapfen, eine separate Leitung abzuzweigen und einen zusätzlichen Wasserhahn für die Grünflächenbewässerung anzubringen.
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Das ist nur ein Beispiel, aber wer in Mexico etwas "richtig" machen will, bekommt sehr oft unnötige bürokratische Steine in den Weg gelegt; sei es wie in diesem Fall ein einfacher Wasseranschluß, sei es bei Kontratierung eines Stromanschlusses oder -und das ist schlimm, weil mit enormem Steuerausfall verbunden- bei Gründung einer Firma.

Da die Leute eine Lösung brauchen (schließlich kann man nicht Tage auf dem Amt vertrödeln, wenn man Geld verdienen will/muß) und nicht noch mehr Probleme, sorgen sie für ihre Bedürfnisse selbst und unbürokratisch. Wir z.B. klauen das Wasser für die Grünflächen, andere bringen diablitos (illegale Abnehmer) an den oberirdischen Stromleitungen an (erst gestern sah ich in den Nachrichten, dass in Metepec (EdoMex.) 50% der Einwohner die abenteuerlichsten Konstrukte gebaut haben, um an Strom zu kommen), wieder andere tun nur das nötigste, um ihrer Firma den Anschein von Legalität zu geben (die Dame der comida corrida a domicilio ist gar nicht registriert: "Zu aufwendig, zu bürokratisch. Warum soll ich anstehen, wenn mir sowieso nur Geld abgenommen werden wird und ich keinen Nutzen daraus habe, weil es in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet?").

"Quién no tranza, no avanza." - unter diesen Umständen, und wenn man diesen Spruch als das Gegenteil von "Quién quiere ser honesto se queda atrapado en la burocrácia y sin solución a sus problemas." sieht, dann hat er durchaus seine Daseins-Berechtigung, auch wenn dieses Verhalten eigentlich asozial ist.

Integrieren wir uns! *ggg*

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