Donnerstag, 12. Juni 2008

Deutschland-tauglich

Auf Spiegel-Online gibt es einen Test (wieder mal...), um herauszufinden, ob man bei einer Einbürgerung auch das "Deutschland-Examen" bestehen würde.

Wer diese popelig einfachen Fragen nicht beantworten kann, der sollte wirklich nach Hause gehen...

Mein Resultat:

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Mittwoch, 11. Juni 2008

Wasser Marsch?

In unserem "Legohaus"-fraccionamiento leben wir in einer durch ein Tor geschlossenen privada - also eine "Privatstraße"; ab dem Tor beginnt ein Privatgrundstück. Jeder einzelne ist rechtmäßiger Besitzer seines Hauses und der dazugehörigen zwei Parkplätze davor; alles andere (die Zufahrtsstraße, der Gehweg, die Rasenflächen und Grünanlagen) sind der ley de condominios entsprechend Besitz aller.

Natürlich wollen die Grünflächen bewässert werden, und obwohl jedes Haus einen Wasserhahn an der Frontseite hat, gefällt es besonders den Nachbarn in unmittelbarer Nähe großer Flächen nicht, wenn bei ihnen Wasser abgezapft wird und sie alleine die Kosten dafür tragen sollen.
Die Lösung: ein separater Hahn mit Wasseruhr.

Also zog unsere Privada-Gemeinschafts-Vorsitzende los zum "Wasseramt" (sowas wie die Stadtwerke, die hier direkt der municipio-Regierung unterstellt, nominell aber "unabhängig" und "dezentralisiert" sind). Die Antwort auf unsere Petition: "Gibt's nich'. Ham' wir nich'. Machen wir nich'."
Selbst ein persönliches Gespräch mit dem obersten Chef des "Wasseramtes" (dafür muß man Tage vorher einen Termin ausmachen, der nur gewährt wird, wenn man die Sekretärin von der Dringlichkeit der Anfrage überzeugen imstande und sie nicht gerade schlecht gelaunt ist) hatte kein uns zufriedenstellendes Ergebnis.
Der Grund: in den bürokratischen Verordnungen unseres municipio ist ein solcher Fall nicht vorgesehen - und was nicht beschrieben ist, existiert nicht. Keine Verordnung = keine Beantwortung der Frage.

Aufgrund des abschlägigen Bescheides und weil eine Lösung her mußte, beschloß letzten Sonntag die Privada-Gemeinschaft auf unserer monatlichen Versammlung einstimmig, die offizielle Wasserleitung vor dem Zähler des Nachbarn anzuzapfen, eine separate Leitung abzuzweigen und einen zusätzlichen Wasserhahn für die Grünflächenbewässerung anzubringen.
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Das ist nur ein Beispiel, aber wer in Mexico etwas "richtig" machen will, bekommt sehr oft unnötige bürokratische Steine in den Weg gelegt; sei es wie in diesem Fall ein einfacher Wasseranschluß, sei es bei Kontratierung eines Stromanschlusses oder -und das ist schlimm, weil mit enormem Steuerausfall verbunden- bei Gründung einer Firma.

Da die Leute eine Lösung brauchen (schließlich kann man nicht Tage auf dem Amt vertrödeln, wenn man Geld verdienen will/muß) und nicht noch mehr Probleme, sorgen sie für ihre Bedürfnisse selbst und unbürokratisch. Wir z.B. klauen das Wasser für die Grünflächen, andere bringen diablitos (illegale Abnehmer) an den oberirdischen Stromleitungen an (erst gestern sah ich in den Nachrichten, dass in Metepec (EdoMex.) 50% der Einwohner die abenteuerlichsten Konstrukte gebaut haben, um an Strom zu kommen), wieder andere tun nur das nötigste, um ihrer Firma den Anschein von Legalität zu geben (die Dame der comida corrida a domicilio ist gar nicht registriert: "Zu aufwendig, zu bürokratisch. Warum soll ich anstehen, wenn mir sowieso nur Geld abgenommen werden wird und ich keinen Nutzen daraus habe, weil es in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet?").

"Quién no tranza, no avanza." - unter diesen Umständen, und wenn man diesen Spruch als das Gegenteil von "Quién quiere ser honesto se queda atrapado en la burocrácia y sin solución a sus problemas." sieht, dann hat er durchaus seine Daseins-Berechtigung, auch wenn dieses Verhalten eigentlich asozial ist.

Integrieren wir uns! *ggg*

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Mittwoch, 4. Juni 2008

Job in der Traumstadt

Bei solchen Stellen-Anzeigen gehen mir immer die Augen über. Was wäre, wenn...

Vor 10 Jahren (just bis zum 30. Mai) habe ich 14 Monate lang in Vancouver gelebt und gearbeitet, und für mich ist sie immer noch die schönste Stadt der Welt (wenn nur dieser ewige Regen nicht wäre). Als ich im Oktober 2007 für ein paar Tage bei alten Freunden dort zu Besuch war, war ich auf Anhieb wieder begeistert von ihr.

Als Ausländer hätte ich aber sowieso kaum eine Chance auf diese Jobs. *seufz*

;-)

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Dienstag, 3. Juni 2008

10 Jahre Mexico

Den Tag habe ich verpennt, aber am 31. Mai hatte ich mein zehnjähriges Mexico-Jubiläum - o sea: an diesem Tag vor genau zehn Jahren reiste ich nach Mexico ein und blieb.

Pippi Langstrumpf Karen gratuliert. ;-)

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Mittwoch, 21. Mai 2008

Die wunderbare Welt der Migra

Ich komme mir vor wie "Roland im Wunderland".

Am Montag ging ich, nachdem ich alle Papiere zusammen und die Gebühr bezahlt hatte, zur Migra in Homero in den 14. Stock. Da das Ausfüllen des FM1-Formulars (unter Ausländern auch als "Knastbogen" bekannt) in den beiden vorherigen Fällen nicht einfach war (das berühmte "Falta algo. Regresa mañana."), hatte ich die Schreibmaschine meiner Frau im Rucksack (ein übel-schwerer Klotz), um notfalls vor Ort Korrekturen vornehmen zu können.

Nach weniger als 10 Minuten Warten war ich dran (Wunder Nr. 1).
Der Sachbearbeiter half mir, meinen schweren Rucksack auf einen Sitz zu hieven (Wunder Nr. 2).
Er empfing meine Papiere, schaute sie an seinem Schreibtisch durch und fragte dann: "Wie ist die Postleitzahl Ihrer Wohnung und der Firma, bei der Sie arbeiten?" Ich sagte sie ihm, und er trug sie per Hand in das FM1-Formular ein (Wunder Nr. 3).
Dann kam er zu mir und fragte, ob die im Antragsformular erwähnte Telefonnummer die von zuhause sei. Ich nickte und er sagte: "Damit wir anrufen, wenn die fotocredencial fertig ist." - "Da nimmt meine Frau ab." - "Kein Problem. Wir hinterlassen recado für Sie." (Wunder Nr. 4)
Am Ende fragte ich: "Wie lange dauert es ungefähr, bis die fotocredencial fertig ist?" - "Etwa 10 Tage.", antwortete er freundlich (Wunder Nr. 5).

Gestern rief mich am Nachmittag meine Frau an, um mir mitzuteilen, dass die Migra angerufen hätte. Ich möge mich doch bitte melden. "Hm", dachte ich, "bestimmt fehlt irgendein Papier und ich muß wiederkommen..."

Ich rufe bei der Migra an; es meldet sich eine Dame. Man habe mir ein recado hinterlassen, sage ich. -"Haben Sie Ihre Antrags-Nummer?" - "Ups, nein. Das Formular liegt zuhause; ich rufe aus dem Büro an." - "Wie ist Ihr Name? Mal schauen, ob ich ihren Antrag auch so finde." Und tatsächlich: sie findet mich (Wunder Nr. 6).
Die Dame sagt: "Wir würden gerne einen Termin ausmachen, damit Sie Ihr fotocredencial abholen können. Ist Ihnen Dienstag oder Mittwoch recht?" - "Hm, Mittwoch." - "Sehr schön. Wir sehen uns also am kommenden Mittwoch um so-und-soviel Uhr hier im 14. Stock." - "In Ordnung. Danke." ... Migra? Termin? (Wunder Nr. 7)

Falls Wunder Nr. 8 eintritt, kann ich am Mittwoch nächster Woche kurz nach so-und-soviel Uhr vor dem Migra-Gebäude laut und mit ausgelassener Freude rufen:
"Nie wieder Migra!"

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Donnerstag, 15. Mai 2008

Inmigrado

(Da schulde ich noch ein paar Worte zum Thema)

Da ist sie: die declaratoria de inmigrado (die schwarzen Balken sind von mir).

Ich bin jetzt natürlich außerordentlich stolz, denn nun kann ich, was das Arbeiten angeht, tun und lassen was ich will ohne bei jedem Arbeit(geber)-Wechsel um Erlaubnis bitten zu müssen (vorausgesetzt, es ist legítimo; Telefonkarten an Ampeln verkaufen ist es!).

Teuer genug war sie ja: 10 lange Jahre lang jedes Jahr bei der Migra antanzen, (fast) immer die ewig gleichen Papiere beibringen und eine ganze Stange Geld abdrücken. Und selbst, um dieses oficio zu erhalten, wurden mir knapp 4.000,– Pesos abgenommen.
Was fehlt, ist die fotocredencial, eine Art Kompakt-ID in Scheck-Karten-Größe nur für inmigrados, die das lästige (und über die Jahre immer abgewetztere) graue Heftchen überflüssig macht. Kostet noch mal 1.142,– Pesos.

Hier der Wortlaut der declaratoria im Original:

En atención al trámite que ha realizado, y una vez efectuado el estudio de los documentos que integran su expediente migratorio, el Instituto Nacional de Migración, con fundamento en los artículos 52, 53 y 54 de la Ley General de Población, y 63, fracción III, del Reglamento interior de la Secretaría de Gobernación, ha resulte concederle la calidad de

INMIGRADO

Al otorgársele esta calidad migratoria, le resultan aplicables los artículos 55, 56 y 65 de la Ley General de Población y 194 de su Reglamento, así como los demás derechos, obligaciones y restricciones que se contienen en dichos ordenamientos.

(...)

La Secretaría de Gobernación, a través de este Instituto, le manifiesta su cngratulación por haber obtenido su residencia definitiva en el país.


Ihr dürft mich jetzt "inmigrado" nennen - "inmigrado Roland". 8-)
Aus dem "seine Exzellenz" wird wohl nichts wegen "Alter-Knacker-Syndrom". ;-)

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Donnerstag, 8. Mai 2008

Seine exzellente Durchlaucht, Konsul Roland

Bei Spiegel-Online gab's gestern einen Test, ob man (so wörtlich) "das Zeug zum Botschafter" hat. Dazu hatte man drei Tests (zum Allgemeinwissen, zu Geschichte und Politik und zur Volkswirtschaftslehre) eingestellt.

Einfach waren die Fragen nicht, aber ich werde wohl bald den Antrag zur Erteilung der deutschen Honoralkonsulschaft in... - ja, wo denn? ... - in Tulancingo (das ist es!) stellen. Da kriegt man doch Diplomaten-Autokennzeichen und kann über rote Ampeln brettern, die Metrobús-Spur benutzen und parken, wo man will, ohne dass man Knöllchen kriegt, oder?

Also, Herr Botschafter Dr. Roland (Michael Wegener): Ich stehe zum Dienst bereit. Ich habe gedient und die Tests bestanden. Hier der Nachweis:







;-)

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Montag, 28. April 2008

Bald Doppel-Staatsbürgerschaft möglich?

Viel wird und wurde diskutiert darüber, dass man als Deutscher nicht die mexicanische Staatsbürgerschaft annehmen kann ohne die deutsche zu verlieren. Das liegt -nach (fast) übereinstimmenden Aussagen von mex. und deutschen Behörden- an Deutschland, das die doppelte Staatsangehörigkeit nicht erlaubt (außer bei denen, die schon mit mehr als einer Staatsbürgerschaft geboren werden).

Das Staatsbürgerschafts-Recht wurde 1999 dahingehend reformiert, dass Einwanderer-Kinder bei Geburt in Deutschland automatisch Deutsche wurden und sich an ihrem 18. Geburtstag für eine ihrer Staatsbürgerschaften entscheiden müßten; auch Unter-10-Jährige Ausländerkinder konnten auf Antrag Deutsche werden.

So. Nun laufen die Fristen für die ersten ab, und keiner (oder nur wenige) wollen sich entscheiden müssen (was in gewisser Weise verständlich ist).

Was dabei interessant werden könnte, ist, dass eine 18-jährige Deutsch-Türkin dagegen klagen und -wenn nötig- bis vor's Bundesverfassungsgericht ziehen will; das Argument: "Recht auf freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit".
Ich schreibe "könnte", weil das möglicherweise auch Auswirkungen auf das Staatsbürgerschaftsrecht an sich haben könnte. Konkret: wenn Recht wirklich konsequent angewandt wird, sollte es möglich sein, in Zukunft die mex. Staatsbürgerschaft annehmen zu können, ohne dass wir die deutsche verlieren.

Jetzt heißt's abwarten. Zuerst, um zu sehen wie weit die junge Dame kommt und dann, inwiefern sich die Gesetzeslage bzw. die Anwendung des Gesetzes ändert.

(Mehr dazu im Spiegel-Online-Artikel Einwandererkinder: Das Ende der Doppelpässe)

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Mittwoch, 23. April 2008

Wie man sich widerrechtlich ein Grundstück aneignet - Teil III

Das siehst Du aber sehr eng....als ob sich der alte Mann das Stückchen Land einverleibt hätte und es als sein Eigentum betrachten würde. Es handelt sich dabei um, du schreibst selbst, ca. 4 qm. Unglaublich. Das Taxifahrer eine "Abkürzung" über ein Grundstück einrichten ist doch im Grunde sehr positiv.
Eigeninitiative nennt man das.


Das schreibt Leser Andreas hier in den Kommentaren.
Ich antworte mit einem neuen Beitrag hier, weil das Thema wohl doch etwas mehr erläutert werden muß als ich annahm.

Die, die viel haben und ihr Hab und Gut (meist durch private "Sicherheits-Leute") geschützt wissen, haben leicht reden, wenn es darum geht großzügig zu sein mit denen, die (vermeintich) nichts haben.

Andreas hat Recht: vier Quadratmeter ist sehr wenig. Es ging mir in dem Beitrag auch nicht darum, diesen anscheinend hart arbeiteten Herrn zu verteufeln. Ich wollte das Prinzip des Landklaus und die Folgen beispielhaft und an einem realen, selbst beobachteten Beispiel erklären.

Die Folgen massiver illegaler Landnahme (das sind 4 qm x mehrere zehntausend = mehrere tausend Hektar) werden einem deutlich, wenn man von Indios Verdes Richtung Norden fährt. Von der Maut-Autobahn sieht man es gut: im Tal die Industrie und an den Hängen bis fast an die Gipfel mit steilsten Straßensteigungen (manchmal helfen nur Treppen) ein aschgraues Häusermeer (von manchen verglichen mit Palästinenser-Siedlungen im Gaza-Streifen) bis zu einer hohen Mauer, die gezogen werden mußte, um weitere Invasion in die Naturschutzgebiete Tepeyac (ein Nationalpark) und Sierra de Guadalupe zu verhindern. Diese Häuser waren (sind?) fast alle illegal errichtet; meist haben sie nicht einmal fließendes Wasser (Strom schon; den bekommt man vom nächsten Strom-Mast, wenn es sein muß mit kilometerlangen Kabeln, die notdürftig irgendwo verlegt werden) und der Trinkwasser-Tankwagen muß bis dort hochfahren. Die allermeisten haben mittlerweile die notariell beglaubigten escrituras ihrer Häuser, denn sie sind ein großes Wählerpotenzial, das sich die jeweils regierende Partei im Stadtparlament gesichert (böse Zungen behaupten: auf Kosten der steuerzahlenden Allgemeinheit gekauft) hat.
Ecatepec, das einwohnerstärkste municipio Mexicos (laut INEGI mehr als 1,6 Mio. Einwohner), ist zum Großteil durch illegale Landnahme entstanden.

Ist das alles so schlimm?
Im Prinzip nicht: die, die nichts hatten, konnten so wenigstens zu etwas Besitz kommen. Wenn, ja wenn es da nicht gut organisierte Banden gäbe (ich nannte die der PRD nahestehende Frente Popular Francisco Villa (FPFV)), die gezielt Landraub zur persönlichen Bereicherung betreiben. Die FPFV hat in Tláhuac (D.F.) Teil des durch Invasion ergaunerten Landes, das später -pragmatisch, wie mex. Parteien nun einmal sind- legalisiert wurde, an Bau-Firmen verkauft, die dort fraccionamientos de interés social errichten (wollen).

Viele derjenigen, die irgendwo illegal gesiedelt haben, leben in Zonen, die als gefährlich eingestuft sind: in trockenen Fluß- und Bach-Betten, die sich bei starken Regenfällen in wahre Sturzbäche verwandeln; an Hängen, denen bei Regen Erdrutsche oder Kanten-Abbruch drohen; in der Nähe von alten, undokumentierten Minen, die jederzeit einstürzen könnten.
Wer aber escrituras hat, hat auch Rechte.
Wenn z.B. mal wieder -wie in Chalco- der gleich nebenan (und de facto höherliegende) Kanal nach einem Regenguß über die Ufer tritt und große Teile der ehemals illegalen Siedlungen überschwemmt, ist das Geschrei groß. Die Feuerwehr pumpt und pumpt; die Politiker besuchen werbewirksam die Katastrophe (immer begleitet von ihren (gekauften) Getreuen von Televisa und Azteca) und versprechen Hilfe und Wiederaufbau.

Nur... - wer zahlt den Wiederaufbau (bzw. das, was, nachdem sich viele Zwischenhändler daran bereichert haben, davon übriggeblieben ist)?
Ach ja, die Steuerzahler so wie ich, der ich so blöd war, mein Haus mit einer Hypothek (die ich immer noch Monat für Monat abbezahle) legal zu kaufen, immer brav predial (Grundsteuer), Wasser und Strom zahle und meine Steuererklärung für das Geld mache, das ich ehrlich verdient habe.
Was für ein Trottel ich doch bin! Ich glaube, ich sollte mich nicht mehr ärgern oder beschweren, sondern mich endlich in die mex. Gesellschaft voll und ganz integrieren, dann wären mir solche Barbareien auch egal, die 4 Quadratmeter des alten Herrn und noch mehr die Millionen-Selbstbedienung der Politiker und deren lächerliche Parlaments-"Du-bist-blöd-und-deswegen-blockiere-ich-Dir-den-Zutritt"-Spielchen, die allgemeine Rechts-Unsicherheit und (wieder gestiegene) Korruption in diesem Land.
Hauptsache, mir und meiner direkten Familie geht es gut, egal wie ich meinen Besitz erlangt habe -erschwindelt oder ehrlich verdient-, wobei die Gesellschaft an sich und das Wohlergehen der Allgemeinheit völlig nebensächlich sind.
Es gibt ja nicht umsonst den traditionsreichen mex. Spruch: "Quién no transa, no avanza." - Laßt ihn uns anwenden und wahre paisanos werden.
Amen.

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Dienstag, 12. Februar 2008

Nie wieder Migra (I)

...hoffentlich!

Gestern habe ich den Antrag auf Declaratoria de Inmigrado abgegeben.
Bis dahin kein Problem.

Jetzt nehmen sich die Damen und Herren -laut Aussage des Beamten, der meine Papiere akzeptierte- drei bis vier Monate (!!) Zeit, um zu entscheiden, ob ich würdig bin, mit diesem Status in den Vereinigten mexicanischen Staaten verweilen zu dürfen.

Zwischenzeitlich ist das einzige Dokument, das meinen legalen Aufenthalt beweist, das Antragsformular mit ein paar Stempeln und rotem Beamten-Gekritzele.

Toll, was?
Mal sehen, was jetzt kommt...

P.S. laut Manual de Trámites der Migra darf dieser trámite nur maximal 35 Kalendertage dauern. Ich befürchte aber abgelehnt oder anderweitig schikaniert zu werden, wenn ich über die contraloría Druck auf Erfüllung der Soll-Zeit mache; also lasse ich das lieber.

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Mittwoch, 2. Januar 2008

Nicht kreditfähig (IV) / dispositivo de geolocalización (II)

...und die Geschichte geht weiter:

Ihr seht, wir sind doch bei Toyota Pachuca geblieben.
Warum? Na, meine Frau bestand auf diesem Modell (und hat als Anzahlungs-Zahlerin ein kräftiges Wörtchen mitzureden) und bei den anderen Toyota-Händlern in der Umgebung des D.F. ist die Warteliste noch länger.

Jetzt kommt's: bei anderen Toyota-Händlern wird der geforderte (ich zitiere) "Dispositivo de Geolocalización o de Georeferenciación Satelital Radioeléctrico o de tecnología similar" nur gegen Aufpreis und in Verbindung mit einem Service-Vertrag vorgenommen.
Kostenpunkt für ein Jahr: mehr als 6.000 Pesos; für fünf Jahre: > 10.000 Pesos.

Wozu sollte ich einen Service-Vertrag haben, wenn ich nur das vom Gesetz geforderte Gerät will, welches ich mir sicherlich für weit weniger Geld besorgen und einbauen lassen kann?

Ich sollte wohl eher die im Kreditvertrag verankerte Autoversicherungs-Firma fragen, wieviel Rabatt ich bekomme, wenn ich diesen Service habe; schließlich haben sie eine extrem große Sicherheit, dass, falls das Auto gestohlen wird, es auch wieder gefunden wird und sie dadurch die Auszahlung der Versicherungssumme sparen - "vermindertes Versicherungs-Risiko" heißt sowas.

Also lassen wir das mit dem GPS und sehen, wie wir das regeln.
Wenn man den schwammig formulierten Reglamento-Text mal genauer anguckt müßte es doch auch reichen, wenn ich mein Garmin GPS oder meinen ALDI-Navi im Auto herumliegen habe; schließlich sind beide Dispositivos de Geolocalización und mit einem Knopfdruck zeige ich jedem Polizisten, dass ich mich selber "geolokalisieren" kann - oder etwa nicht?

Eins ist sicher: frische Wischer diese Geschichte ist noch nicht zu Ende. Man darf gespannt sein... ;-)

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Nicht kreditfähig (III) / dispositivo de geolocalización (I)

Das Reglamento de Tránsito Metropolitano (Version vom 20.06.2007), das auch in meinem, im Estado de México liegenden municipio gilt, besagt:
Artículo 16.- Los conductores deben cerciorarse de que su vehículo esté provisto de:
(...)

XI. Dispositivo de Geolocalización o de Georeferenciación Satelital Radioeléctrico o de tecnología similar.

und
TRANSITORIOS

TERCERO.- Lo dispuesto en la fracción XI del artículo 16 referente al Dispositivo de Geolocalización o de Georeferenciación Satelital Radioeléctrico o de tecnología similar, será obligatorio para los modelos 2008 en adelante.

Die 2008er-Neuwagen von Toyota Pachuca haben diesen dispositivo nicht.

Warum? Na, die Autos werden doch im Bundesstaat Hidalgo ausgeliefert, und da ist das nicht notwendig.
Wie gut, dass die hidalguenses nie im Leben auf die Idee kommen werden, in den D.F. oder dessen área metropolitana zu reisen...

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Freitag, 21. Dezember 2007

Doch erreichbar

Soeben gesehen: die Seite der CONAPRED ist mittlerweile erreichbar.

Also: ¡Discriminados de México, hagan valer sus derechos!

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Donnerstag, 20. Dezember 2007

Nicht kreditfähig (II)

Offenbar sind dem Verkäufer von Toyota Pachuca seine Kunden egal, denn sonst kann ich mir sein Verhalten nicht erklären.

Doch von vorne: da ich als böser-böser Ausländer bei Toyota México keinen Kredit bekomme (siehe hier), soll er jetzt auf den Namen meiner Frau laufen - ohne ausländischen (pfui!) aval (Bürgen).

Dass wir uns die Wagenfarbe des Billig-Familienautos (noch so'n untermotorisiertes "Sparbrötchen") nicht aussuchen können und auf eine ellenlange Warteliste gesetzt werden, können wir ja noch verschmerzen.
Wenn wir aber am 13. Dezember vom Verkäufer angerufen werden, er sagt, dass der Wagen am 15. oder 16.12. ankommt, wir abmachen, dass er uns am 17. Dezember anruft, damit wir die Anzahlung überweisen können und ich ihn am späten Nachmittag des 18. anrufen muß, weil er sich nicht gemeldet hat, dann werde ich stutzig.
Noch stutziger werde ich, wenn er bei diesem Telefongespräch mitteilt, das Auto (Farbe: silbergrau) käme am 20.12. an, wir mögen doch schon mal vorsorglich die Anzahlung leisten, um es uns zu sichern, wir dem Herrn Toyota-Pachuca-Verkäufer erklären müssen, dass wir erst anzahlen, wenn der Wagen physisch präsent ist; v.a. weil die Summe nicht unter der Matratze liegt, sondern auf einem Festgeldkonto "arbeitet" und wir mit ihm darüber diskutieren müssen.

Lange Rede, kurzer Sinn: heute kam der Wagen an, der Verkäufer konnte uns angeblich telefonisch nicht erreichen (obwohl er Haus-, Büro- und Handy-Nummern von beiden hat) und hat das Auto an einen anderen Kunden verhökert - wahrscheinlich einer von denen, die sich von Reservierungs-chantajes einschüchtern lassen und vorab für ungeleistete Dienste zahlen.
Die nächste Lieferung unseres Modells ist für Mitte Januar 2008 anberaumt.

Danke, Toyota Pachuca! Frohe Weihnachten!

Also bleibt Zeit genug, sich nach Alternativen bei der Konkurrenz umzuschauen oder möglicherweise wieder einen Gebrauchtwagen zu kaufen.
Da war doch was mit kostengünstigem Import aus USA ab 2008...

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Dienstag, 11. Dezember 2007

Nicht erreichbar

Heute morgen sah ich zufällig in der Metro eine Werbung der CONAPRED (Consejo Nacional para Prevenir la Discriminación - schöner Name, was?), auf der unten etwas stand von wegen (sinngemäß) "...wenn Du Opfer von Diskrimination wurdest wegen Geschlecht, Hautfarbe, ...blablabla... Nationalität, ...blablabla..., dann melde Dich. Webseite: www.conapred.org.mx"

Soeben habe ich mal versucht, die Seite aufzurufen.



Wäre ja auch ein Wunder, wenn man Ausländern in Mexico Rechte gäbe...

Da fällt die heutige Schlagzeile auf der Titelseite des El Universal kaum noch auf:
"Da México trato de animal a inmigrantes"

(mehr Details hier).

Und da beschweren sich die Mexicaner alle Nase lang, wie die gringos ihre illegalen Landsleute behandeln - ts, ts, ts...

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Mittwoch, 5. Dezember 2007

Adoptions-Bürokratie (III)

Seit dem 22. November ist es offiziell: wir sind ganz legal Eltern. Mittlerweile haben wir auch die Original-Geburtsurkunde, in der unsere Tochter unsere Nachnamen trägt.

Als ich um beglaubigte Kopien bat -ich wollte gleich zehn Stück, sozusagen als Vorrat für die nächsten Jahre, um nicht alle Nase lang zum weit entfernten registro civil fahren zu müssen- wollte man mir nur höchstens drei geben; mit Überredung konnte ich die Anzahl auf fünf erhöhen.

Warum?
Den Worten des Beamten zufolge muß man neuerdings für alle trámites, bei denen eine acta de nacimiento verlangt wird, eine "aktualisierte", d.h. vor kurzem (nicht länger als sechs Monate) ausgestellte Geburtsurkunde vorlegen.

Ich höre den Amtsschimmel wiehern. Auch in 100 Jahren wird meine Tochter am selben Datum und am selben Ort geboren worden sein und die selbe Registriernummer in den Akten des selben Standesamtes haben.
Wozu braucht man dann für diese trámites (und in Mexico wird für jeden Furz eine verlangt) eine neu-ausgestellte Geburtsurkunde? Traut man etwa den eigenen Urkunden nicht?
Oder ist das eine Mischung aus Beamten-Beschäftigungstherapie (eine acta auszudrucken und abstempeln kostet pro Stück mehr Zeit als zehn) und Geldscheffelei (schließlich werden alle Jahre wieder die Gebühren "angepaßt")?

Por lo pronto brauche ich erst einmal zwei: für den mexicanischen Paß und für den Staatsangehörigkeitsantrag bei der deutschen Botschaft - zweiteres ist wegen der Kondition der Adoption ein Thema für sich (aber nach §6 StAG machbar), auf das ich später nochmal eingehe (konkret: wenn wir's geschafft haben; der Papierkrieg ruft!).

P.S. Ich frage mich, ob durch eine Beglaubigung von einem Notar die Urkunde "aktualisiert" wird. Das kann nämlich unter Umständen (z.B., wenn wir mal in Tapachula oder San Juan de los Frijoles wohnen sollten) billiger und vor allem zeitsparend sein.

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Samstag, 24. November 2007

Nicht kreditfähig

Letzte Woche besuchten wir einen Toyota-Händler, um ein neues Auto zu kaufen. Ich füllte den Kredit-Antrag aus und "zur Sicherheit" auch einen auf den Namen meiner Frau, bei der ich der aval (Bürge) sein sollte.

Heute rief ich den Autohaus-Fuzzi an und stellt Euch vor, wie's aussieht:
obwohl ich den Besitz von zwei hypothekenfreien (!) Häusern, zwei (zugegebenermaßen alten) Autos, ein genügend hohes Einkommen und einen guten Bankkontostand nachweisen kann und fast die Hälfte des Wagenwertes als Anzahlung geben möchte, bin ich nicht kreditfähig (ein dreifach Hoch auf Toyota Financial Services México!).
Als ich dem Autohaus-Fuzzi sagte, dann könne er doch den Antrag auf den Namen meiner Frau ausfüllen, meinte er nur, ein Ausländer könne kein aval sein.

Diese verdammte, offene Diskriminierung von Ausländern in Mexico geht mir wirklich auf den Zeiger!
Jeder mexicanische Hinz, von denen die Banken wissen, dass er sie niemals wird bezahlen können, kriegt 1000 Kreditkarten hinterherworfen, und einem Ausländer, der legal im Land ist und mehr als genug Sicherheiten nachweisen kann, bekommt keinen Kredit auf ein scheiß Auto!

Wenn ich sowieso keinen Kredit bekomme, was kümmert es mich, demnächst im buró de crédito zu landen? Vielleicht sollte ich langsam einmal anfangen, mich den Gepflogenheiten des Landes anzupassen und systematisch meine Schulden mañana zu begleichen (Vorsicht, ich bin extrem sauer; also nicht allzu wörtlich nehmen).

Grrrrr!

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Mittwoch, 22. August 2007

"1000 gute Gründe: Auswandern" (I)

Ich stricke immer noch an einem erklärenden Beitrag zu Andreas' Frage, aber einer der Faktoren, Deutschland den Rücken zu kehren, war das, was Ende August 1992 in Rostock-Lichtenhagen passierte.

Spiegel-Online erinnert heute daran: Als der Mob die Herrschaft übernahm.

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Montag, 20. August 2007

Fachkräfte-Mangel in Deutschland...

... und ich bin in Mexico. ;-)

Spiegel-Online
schreibt, dieser Umstand (der Fachkräfte-Mangel, nicht mein Mexico-Aufenthalt ;-) ) kostet die Wirtschaft ein Prozent des jährlichen BIPs. Das werden diese Jahr etwa 20 Milliarden Euro sein.

Naja, für mich gilt das aber nicht, denn:
Bei den Hochqualifizierten fehlt es der Studie zufolge vor allem an Nachwuchs bei Technikern und Meistern sowie in den akademischen Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In den Geistes-, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gebe es hingegen keine akuten Engpässe.

Kartographie ist eine Sozialwissenschaft (obwohl mittlerweile mit Informatik-Touch). Wäre ja auch zu schön gewesen... ;-)

Mal im Ernst: jetzt sollen ausländische Fachkräfte nach Deutschland importiert werden.
Warum versucht man nicht, abgewanderte nationale Fachkräfte zurückzugewinnen?

Ach nee, das wäre ja auch nix: Ausländer haben weder Wahl- noch andere Mitbestimmungsrechte und zahlen immer brav ohne zu Mucken ihre Steuern. Und wenn es wieder genügend deutsche Fachkräfte gibt, schickt man sie einfach mit einer neuen "Hau-ab-Prämie"* in ihre "Heimat" (die dann längst keine Heimat mehr ist) zurück.

Irgendwie erinnert mich das an die Wirtschaftswunder-Jahre... - obwohl unter anderen Vorzeichen: diesmal werden keine Produktions-Trottel gebraucht, die die Arbeiten machen, für die sich Deutsche zu fein sind, sondern Leute mit Grips (weil Mathe zu anstrengend oder Deutsche zu blöd sind?).

Ob man dem 1.000.000sten "Gastarbeiter" auch ein Kreidler-Moped schenkt?
Oder besser ein BenQ-Siemens-Handy? Oder einen Rechner mit Infineon-Chip? Oder einen Transrapid-Zug?

Nä, wat bin isch fies! ;-)

(Foto von der Seite Nordrhein-Westfalen: eine Zeitreise (NRW 2000))

* so hieß das nach dem "Gesetz zur Förderung der Rückkehrbereitschaft von Ausländern" von 1983 gezahlte Geld im Volksmund.

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Samstag, 18. August 2007

"1000 gute Gründe: Die Rente" - die Diskussion (I)

Andreas hatte eine "Blogparade" (was immer das ist... ;-) ) zum Thema Auswandern vorgeschlagen und als eines der Argumente die Rente angeführt. Ich kommentierte, dass ich die Jammerei nicht verstehe und Sven antwortete (siehe in den Kommentaren des Eintrags 1000 gute Gründe: Die Rente).
Eigentlich war das folgende als eine Antwort auf Sven's Argumente gedacht; weil es aber "etwas" ausführlicher wurde und sehr wahrscheinlich eine Kontroverse auslösen wird (ja, ja, ich und das Provozieren... ;-) ), veröffentliche ich dazu hier einen unabhängigen Blog-Eintrag.

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"Warum beklagt man sich also so heftig?"

Weil eben der Generationenvertrag nicht mehr funktioniert, weil das mit simpler Mathematik seit 1975 vorherzusehen war, und weil trotzdem niemand in verantwortlicher Position den Mumm hatte, mal den Mund aufzumachen (siehe Herr Blüm)...

Heftiges Beschweren bleibt für mich trotz Deiner Argumentation unklar; v.a. wenn es -wie Du sagst- 1975 schon so einfach vorherzusehen war.

Ich sag's mal direkt, ohne Dich persönlich angreifen zu wollen (ich sitze ja im selben Boot): wenn die Eltern der heute 20- bis 40-jährigen und die allergrößte Mehrzahl der deutschen Erwachsenen sich in der Zeit, in der wir im Kindergarten waren, darum "gekümmert" hätten, mehr künftige Steuerzahler zu zeugen, wäre es nicht so weit kommen (ich lasse hier bewußt andere Faktoren wie z.B. Arbeitslosigkeit oder miese Wirtschaftspolitik aus).

Tatsache ist doch, dass die deutsche Bevölkerung lange gar nichts von diesem Problem wissen wollte - ganz so, als ob man mit Totschweigen und Herausschieben die Zukunftsnöte lösen könnte... - jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird laut gejammert und den damals Verantwortlichen die Schuld zugeschoben.

Ich finde das billig, denn seinerzeit haben die Bundesbürger gerne z.B. dem Herrn Blüm und seiner Partei ihre Stimme gegeben (sogar mehrmals), weil es doch so schön ist, den Versprechungen Glauben zu schenken und es ja (angeblich) nur besser werden kann (auch Politik ist nichts weiter als Marketing, wo man dem Wähler das sagt, was er hören will).

Wenn die Mehrzahl der Wähler seit den 1970er Jahren nicht 1 und 1 zusammenzählen und sich ein Zukunfts-Szenario ausmalen konnte (oder besser: wollte), dann muß man das eben heute und in den nächsten Jahrzehnten ausbaden.
Ewig kann man nicht auf Pump leben. Wir können uns bei unseren Eltern und Großeltern bedanken - und werden wahrscheinlich genauso mit unser Zukunft umgehen.

Was ich auch nicht verstehe, ist dieser Egoismus (wieder kein persönlicher Angriff - siehe oben). Die Rentenversicherung wurde als ein Sozialsystem geschaffen; "sozial" heißt, dass alle mithelfen und -zahlen, um es aufrecht erhalten zu können. Die Rente ist (noch) keine Kasse, in die jedes Individuum für seine persönliche Rente sorgt, sondern ein Topf, in den die wirtschaftlich Aktiven einzahlen und die wirtschaftlich nicht mehr Aktiven versorgt werden. Dabei tragen die Aktiven sämtliche Kosten - wie gesagt: so ist's seit Jahrtausenden. Wenn nun die Inaktiven (sei's aus Alters- oder Krankheits-Gründen) mehr werden, müssen die Aktiven eben mehr zahlen.

Wird das System geändert auf Individual-Konten, dann geht die ganze Sozial-Idee flöten; da können wir doch wieder mit dem Kleinfeudalismus anfangen, wo jeder nur seinen persönlichen Vorteil und (vielleicht) den seiner direkten Familie sieht. In Mexico ist das fast schon so (mit den AFOREs); soziales Engagement in diesem Land ist Mangelware.
In Deutschland ist man auf einem guten Weg dazu; frag' mal, wer sich noch kostenlos bei Pfadfindern, in der Kirchengemeinde oder freiwilliger Feuerwehr engagieren will. Lieber tritt man aus der Kirche aus, weil man nicht die Meinung des Papstes teilt; dass hinter der Kirchensteuer aber auch soziales Engagement wie Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser (eigentlich alles Aufgaben des Sozialstaats) stecken, interessiert nicht - die brauch' ich ja sowieso nicht, wenn ich keine Kinder habe!
Jetzt will man auch noch die Wehrpflicht "freiwillig" machen; für mich hört sich das nach absichtlicher Sabotage am Sozialstaat an - und das von der "sozialen" Partei.

Das Ergebnis ist wieder vorherzusehen: bei weniger Solidarität ist jeder nur für sein eigenes Wohl zuständig; die anderen interessieren einen einen Kehricht. Wozu sollte ich Kinder haben? - die kosten doch nur!
Dass sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Investition in die Zukunft sind (sie sollen mich irgendwann mal unterhalten), sieht kaum einer; lieber hat man ein oder mehrere Häuser als Sicherheit.
Ich habe bisher noch nicht gehört, dass Häuser alte Menschen aktiv versorgen - und junge (nicht mal bezahlte Pfleger) wird's ja kaum mehr geben, weil ihre "Aufzucht" "so teuer" ist (entsprechend sind dann auch ihre Stundensätze - "freie Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage" heißt das).

Ich schlage folgendes vor (Vorsicht! Grausam, asozial und nicht ernstgemeint): wer die Renten-Altersgrenze (z.Zt. 65 Jahre) erreicht und nicht mindestens -zusammen mit seinen Geschwistern- die Mindestquote von 2,1 Kindern pro Frau erfüllt hat, wird hingerichtet. Die anderen bekommen 5 Jahre mehr.
Wäre das was?
So löst man das Problem recht schnell und alle können sich über niedrigere Rentenversicherungsbeiträge freuen. Die Pflegeversicherung wird dann überflüssig, weil alle Kranken, deren Pflegekosten einen bestimmten Betrag übersteigen, eine Zyankali-Pille bekommen, in eine Einöde transportiert und ihrem Schicksal überlassen werden, damit sie fernab von den Gesunden ableben können.
Wieder weniger Lohn-Nebenkosten - hurra!

Willkommen in der Steinzeit! Irgendwie hört sich das nach Mad Max und anderen dunklen Zukunfts-Filmen aus den 1980ern an (ich erinnere mich an einen, wo die Alten tatsächlich in die Wüste geschickt wurden, weil wirtschaftlich nicht mehr rentabel); Brave New World läßt grüßen (dort werden Kinder zentral gezeugt, versorgt und ausgebildet, damit sie nicht lästig sind).

Eine Anmerkung zum Schluß: Das alles ist nicht persönlich! Ich habe mich nur an Argumente gehalten, um bildlich klar zu machen, was ich meine. Dabei habe ich bewußt desöfteren extreme Szenarien "erfunden", auch um zu provozieren.

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