Samstag, 12. September 2009

Selbstmord

Dienstag morgen, ich stand in der vollen Metro, bremste der Zug abrupt im Tunnel zwischen Potrero und La Raza und alle Lichter gingen aus (und mit ihnen der Ventilator, so dass es nach kurzer Zeit nach feuchten Jacken und Urin müffelte). Gut drei Minuten herrschte absolute Stille in der Dunkelheit, nur das leise Wummern der Bässe der iPods war zu hören.
Dann hörte man Stimmen draussen im Tunnel; sie riefen durcheinander "Sind die Passagiere OK?", "Nix weiter passiert?" und "Ruf den Krankenwagen". Ein Mann in meiner Nähe brummte was von "Da hat sich bestimmt einer vor den Zug geworfen.", - und ja, kurz darauf hörten wir: "Ist er tot?" - "Ja, fahr' mal ein Stück zurück.", woraufhin sich der Zug (immer noch ohne Licht im Inneren) ein paar Meter rückwärts bewegte.
 
Gut 15 Minuten verharrten wir in der Dunkelheit, bis endlich Licht und Ventilatoren wieder angingen und der Zug langsam in der Station La Raza einlief. Als wäre nichts geschehen, öffneten sich die Türen und Leute steigen aus und ein. Dann ging es weiter; business as usual.
 
Auch jetzt hängt mir das Ereignis noch nach, obwohl ich nichts gesehen habe.
Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf die Gleise zu werfen? Wie fühlt man sich als Zugführer, wenn man gerade jemanden überfahren musste?

(hier die Nachricht)

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