Samstag, 31. Oktober 2009

Magical Mystery Tour

Vor wenigen Minuten -schaut auf die Uhrzeit dieses Threads- bin ich nach Hause gekommen. Nicht etwa aus einem antro oder einer cantina, sondern direkt von der Arbeit (nüchterner war ich selten; ich bin sogar so nüchtern, dass mir der Magen knurrt und ich mich erstmal im Kühlschrank bedienen mußte, um den Hunger ein wenig zu stillen).

Der Bus, mit dem ich normalerweise etwa 50 Minuten unterwegs bin, hat heute knapp 7 (in Worten: sieben!) Stunden gebraucht.

Heute (oder besser: gestern) nachmittag fiel eine Regen-tromba (bei dem es sprichwörtlich wie aus Eimern gießt und im Nu alles überschwemmt ist) auf den Norden der Stinke-Stadt nieder. Als ich meinen Bus Richtung Norden (Ecatepec/Tizayuca) nehmen wollte, stand da ein einsamer Wagen, und der Beifahrer rief: "Es gibt keine Busse, steigt ein, auch wenn Ihr stehen müsst!" Ich dachte kurz nach und quetschte mich mit vielen anderen in den Bus, denn ich wollte nicht wie bei anderen Unwettern stundenlang warten, um einen Bus zu erwischen, auch wenn ich stehen mußte (wenn die Strassen überschwemmt sind und Verkehrs-Chaos herrscht, kommen die Busse aus dem Norden, die sozusagen der Nachschub sind für Fahrten in Richtung Norden sind, nicht zahlreich genug an).

Als er losfuhr, konnte ich durch die regennassen, beschlagenen Fenster gar nicht richtig sehen, wo wir langfuhren, erkannte aber etwas später, dass wir in Richtung Tlalnepantla unterwegs waren - eine völlig verkehrte Richtung, die einen enormen Umweg bedeutete, aber ich dachte mir, der Fahrer wisse wohl, was er tue.

Weit gefehlt!
Zuerst schien es, er suche immer genau die Straßen auf, auf denen am meisten Verkehr herrschte - stehender Verkehr. Dann hätte man vermuten können, er würde absichtlich Chaos erzeugen, indem er versuche, die stehenden Vehikel auf den eigentlichen dem Gegenverkehr vorbehaltenen Spuren zu überholen und dadurch den entgegenkommenden Autos den Weg zu versperren (was noch mehr Chaos und Stehen verursachte). Dann fuhr er in ein kleines Sträßchen, bei dem er nach gut 500 m umkehren mußte, weil eine LKW-Sperre (auf etwa 2,5 m Höhe) angebracht war (wohl um zu verhindern dass eine Brücke zu schwer belastet wird). Danach fuhr er in noch kleinere, holprige Sträßchen, die zu Matschwegen wurden und an deren Ende es auch nicht weiterging, weil ein Bach über die Ufer getreten war und der Weg daher unpassierbar war.

Kurz: auf unserer Reise "besuchten" wir die municipios Tlalnepantla, Tultitlán, Tultepec, Coacalco, San Pablo de las Salinas, ... - und das Ganze erlebte ich die gesamte Zeit über stehend im Bus.

Hätte nicht ein gut gelaunter 19-Jähriger angefangen Witze zu reißen (anfangs, um einem Mädchen zu gefallen) und hätten nicht etwa 5 Passagiere (unter ihnen meinereiner) den Spaß mitgemacht und allen möglichen Unsinn geredet, der viele Mit-Fahrer zum Lachen brachte, wäre diese Magical Mystery Tour unerträglich und noch länger, als sie schon war, geworden.
In einem sonst absolut anonymen Ambiente lernte ich Oscar, Juan, Gaby, Ángel und Paty kennen, mit denen ich viel Spaß hatte - und das bei purem cotorreo. Bestimmt werden wir uns wiedererkennen und erinnern, falls wir uns noch einmal im Bus begegnen.
Auf jedem Fall haben wir schon abgemacht (mehr im Scherz als ernsthaft), uns am selben Tag nächstes Jahr zu treffen, um eine Rundtour durch den Süden der Stadt zu machen - diesmal aber vorbereitet: tortas, chelas, chescos und -wichtig!- Snickers sind dann dabei.

(ein paar Nachrichten zum Regen-Guß: hier, hier und hier)

P.S. Von der Bushaltestelle wurde ich von einer (mir bisher wildfremden) Familie mitgenommen (den Mann hatte ich im Bus kennengelernt), und der Herr erzählte mir, sein Sohn wäre mehr als eine Stunde später von C.U. (im Süden der Stadt) losgefahren, aber schon vor gut 2 Stunden angekommen - mit dem gleichen Bus, nur, dass dieser die normale Strecke genommen hatte.

Labels: , ,

Samstag, 12. September 2009

Selbstmord

Dienstag morgen, ich stand in der vollen Metro, bremste der Zug abrupt im Tunnel zwischen Potrero und La Raza und alle Lichter gingen aus (und mit ihnen der Ventilator, so dass es nach kurzer Zeit nach feuchten Jacken und Urin müffelte). Gut drei Minuten herrschte absolute Stille in der Dunkelheit, nur das leise Wummern der Bässe der iPods war zu hören.
Dann hörte man Stimmen draussen im Tunnel; sie riefen durcheinander "Sind die Passagiere OK?", "Nix weiter passiert?" und "Ruf den Krankenwagen". Ein Mann in meiner Nähe brummte was von "Da hat sich bestimmt einer vor den Zug geworfen.", - und ja, kurz darauf hörten wir: "Ist er tot?" - "Ja, fahr' mal ein Stück zurück.", woraufhin sich der Zug (immer noch ohne Licht im Inneren) ein paar Meter rückwärts bewegte.
 
Gut 15 Minuten verharrten wir in der Dunkelheit, bis endlich Licht und Ventilatoren wieder angingen und der Zug langsam in der Station La Raza einlief. Als wäre nichts geschehen, öffneten sich die Türen und Leute steigen aus und ein. Dann ging es weiter; business as usual.
 
Auch jetzt hängt mir das Ereignis noch nach, obwohl ich nichts gesehen habe.
Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf die Gleise zu werfen? Wie fühlt man sich als Zugführer, wenn man gerade jemanden überfahren musste?

(hier die Nachricht)

Labels: , ,

Freitag, 24. Juli 2009

So? Oder darf es etwas mehr sein?


Seit der D.F. "unabhängig" ist, regiert die gleiche Partei, die wesentliche Verbesserungen gegenüber den Vorgängern der SED PRI versprochen hatte.
Hier sieht man die logros der letzten Jahre.

(Protest-Aufkleber in der Metro)

Labels: ,

Dienstag, 23. Juni 2009

Psycho-Terror im Bus

Vorige Woche, als ich nach der Arbeit in den Bus stieg, der mich in meine "Legohaus-Siedlung" (O-Ton Andreas) vor den Toren der Stinkestadt bringt, wunderte ich mich, dass vorne in dem schon etwas klapprigen Bus zwei moderne Flachbildschirm angebracht waren, auf denen Videos gezeigt wurden.

Der "Service" entpuppte sich schnell als ein lästiger Marketing-Trick der Partei "que sí cumple" (und das seit mehr als 70 Jahren) PRI: die Videos waren eine Mischung aus Hollywood-Film-Trailers auf englisch (! - wohl alle von der Apple Movie Trailers-Seite heruntergeladen), Piraten-Musikvideos von amerikanischen Rockbands (AC/DC, The Offspring) und mexicanischen Schnulzensängern (Vicente Fernández und andere) und Ausschnitten aus "America's Funniest Home Videos" (synchronisiert).

Nach jedem dieser Kurzvideos (30 sec. bis 5 Minuten) sprang der DVD-Spieler zurück und spielte immer die gleichen zwei PRI-Werbespots ab, die einem schon ab dem zweiten Mal heftig auf den Zeiger gingen. Natürlich war der Ton bei den Spots doppelt so laut wie bei den Videos.
Danach folgte das nächste Filmchen, welche nach etwa 45 Minuten anfingen sich zu wiederholen.

Glücklicherweise hatte ich an dem Tag meinen iPod dabei und konnte den PRI-Psycho-Terror durch Hochdrehen der Musiklautstärke ausblenden während ich ein Buch las.

Heute morgen aber nicht. Als ich in den Bus stieg war da an der Tür dieser Aufkleber "BusTV"... - und erst als ich mich hinsetzte merkte ich, dass ich den "Terror-Bus" erwischt hatte.
Na denn: "... Highway to Hell..."

Labels: , , , , , ,

Freitag, 12. Juni 2009

Lichtblick im Alltag

An den Eingängen vieler Metro-Stationen sitzen Frauen mit absichtlich bekifften Kindern und betteln um "una moneda". Viele der Kids, die schon laufen können (so ab etwa 3 Jahre), werden alleine losgeschickt, zupfen den Passanten an den Kleidern und halten wortlos ihre Tasse hoch.

Heute morgen, als ich an der Station 18 de Marzo die Stufen herunterkam, stand da einer von den Knirpsen. Eine Krankenschwester (wohl auch auf dem Weg zur Arbeit) hielt an, der Kleine hielt seinen Becher hin. Die Dame wühlte in ihrer Tasche und gab dem Jungen ein belegtes Brötchen und einen Joghurt.

Der Kleine freute sich riesig; er sagte nichts, aber das dankbare Leuchten in seinen Augen war beeindruckend.

Labels: , , ,

Sonntag, 25. Januar 2009

Drei auf einen Streich

oder: die Kunst, in einem Satz gleich drei Frauen zu beleidigen: Britney (Spears) kann nicht singen, (Susana) Zabaleta ist häßlich und Ninel (Conde) hat weder Stimme noch hübsches Gesicht.

Oder bin ich der einzige, der das zwischen den Zeilen liest?

(Werbeplakat in einem Metro-Waggon)

Labels: , ,

Freitag, 16. Januar 2009

Hämorrhoide Nr. 1

Bei diesem Graffiti auf einem Werbeplakat in einem Waggon der Metro war ich schwer versucht, unter das "Viva..." mit einem Filzschreiber "El hemorroide no. 1" zu schreiben.

;-)

Labels: , ,

Freitag, 7. November 2008

Kardinal-Fehler

Heute morgen erdreistete ich mich, bei den vorderen Türen des Metrobús einzusteigen (diese 'Zone' ist Frauen vorbehalten), weil es in der 'Männerecke' sehr voll war.

Anfangs fanden die Damen das gar nicht so schlimm -hässlich bin ich ja nicht unbedingt-; ein paar Blicke wurden ausgetauscht. Mit Absicht behielt ich meinen Rucksack auf Brusthöhe, und mit der anderen Hand griff ich weit oben an die Haltstange im Bus; mein Ehering gut sichtbar - keine Frau sollte sich bedroht fühlen, weil ich sie betatschen oder meine Vorderseite in ihre Hüfte drücken wollte.

Als es an einer anderen Station etwas enger wurde, kamen die ersten Kommentare: "Dieser Bereich ist Frauen vorbehalten, oder?" (natürlich ´hintenrum´, weil ja niemand niemanden direkt ansprechen will).
Etwas weiter war einer jungen Dame mein Rucksack lästig (eine Thermoskanne ist halt hart...), und sie bat mich, ihn herunterzunehmen.

An der Station Buenavista wurde es endgültig eng. Das Gemurmel von wegen 'Frauen vorbehalten' ging wieder los; der Ordner auf dem Bussteig sagte mir: "Hier ist reserviert für Frauen; gehen Sie bitte weiter durch." - Nur weil ich erwiderte, dass es nur noch zwei Stationen sind, liess er mich gewähren.

Mittlerweile war ich schamrot im Gesicht. Ich fühlte mich bedroht. Die Frauen waren ganz schön feindseelig.

Als ich kurz darauf ausstieg, war ich sicher, dass ich das nicht mehr tun werde.

Und ich dachte -naiv wie ich bin-, diese Regelung sei eingeführt worden, um Frauen vor lüsternden Männern zu schützen, und nicht, damit sie mehr Platz haben im Bus. Jetzt weiss ich auch etwas genauer, wie es ist, wegen seines Geschlechts diskriminiert zu werden (bisher war es fast immer nur meine Nationalität).
Weisse vorne im Bus, Schwarze hinten...?

Labels: , ,

Freitag, 15. Februar 2008

Mexicanische Männer sind Sex-Schweine (II)

Nur zur Info: bisher (?) habe ich keine Antwort auf meinen Leserbrief erhalten. Mal sehen, ob da noch was kommt.

Vielleicht ist Olaf Sundermeyer gerade wieder unterwegs in der Mission, Unwahrheiten über vermeintlich kriminelle Gesellschaften zu schreiben und dazu eine Person zu befragen. ;-)

Labels: ,

Freitag, 8. Februar 2008

Mexicanische Männer sind Sex-Schweine

Diesen Eindruck bekommt man, wenn man den Artikel Nahverkehr in Mexiko: Keine Lust auf den Sexbus auf Spiegel-Online liest.

So beginnt er (ich zitiere):
Nirgends ist mehr Nähe als im öffentlichen Nahverkehr von Mexiko-Stadt. Weibliche Fahrgäste sind in Bussen und Bahnen Freiwild, werden angegrabscht, sexuell belästigt.

Weiter unten steht dann:
Bus- und Bahnhaltestellen sind in der Metropole Mexiko-Stadt Orte der Angst, vor allem für Weiße, Reiche und Touristen, die eingeschüchtert sind von erschreckenden Polizeiberichten und die Metro deshalb nicht nutzen. Für Frauen ist das Warten auf dem Bahnsteig, das Gedränge in den U-Bahn-Waggons ein Spießrutenlaufen: Sie sind die Beute.


So ein Humbug!

Offenbar ist der Klatsch-Reporter (so ist sein Stil; möglichst dramatisch-schlimm die Situation aufplustern) namens Olaf Sundermeyer sehr selten, vielleicht noch nie mit dem ÖPNV in Mexico City unterwegs gewesen.
Ich schon. Fast täglich. Und ich bin "weiß". Und habe cara de turista.

So, Herr Sundermeyer, fangen wir mal an:

  1. Seit Jahren gibt es in verschiedenen Linien der Metro zu Stoßzeiten (von 6:00 bis 10:00 Uhr, von 18:00 bis 21:00 Uhr) zwei komplette Waggons (je nach Linie am Anfang oder am Ende des Zuges), die für Frauen reserviert sind. Das hat mit dem "Liberalen" Ebrard (vorher war er "Sozialdemokrat" und "links"; heute ist er "liberal") wenig zu tun (die Aktion "Leer de Boleto" gibt es auch schon länger als Ebrard Bürgermeister ist)und scheint mir sehr gut zu funktionieren. Als jemand, der -wie gesagt- fast täglich die Linie 3 benutzt, kann ich behaupten, dass die Waggons der Frauen immer leerer sind als die "Misch"-Waggons.
    Ich weiß nicht, wie das in anderen Linien um die von Ihnen genannte Uhrzeit ist, aber ich vermute sehr ähnlich.

  2. Frauen rempeln und drücken genauso wie Männer. Sie stehen da in nichts nach. Ich kenne verschiedene Frauen, die mit Absicht die Frauen-Waggons meiden, weil dort noch mehr gedrückt wird und mit härteren Bandagen vorgegangen wird (mir wurde von Fußtritten, Gesicht-Kratzen, Schubsen von Schwangeren und Auf-die-Füße-Treten mit Stöckelschuhen berichtet) als in den "Misch"-Waggons.

  3. Morgens sind Mexicaner frisch geduscht und riechen nur selten streng. Das von ihnen beschrieben "Geruchsmelange" kommt abends vor. Oder hat es damit zu tun, dass Sie sonst nur im Privat-PKW unterwegs sind und sich für den Klatsch-Report dazu herablassen mußten, einmal den ach-so-unsicheren ÖPNV zu benutzen?
    Von welchen "erschreckenden Polizeiberichten" reden Sie, weswegen "Weiße, Reiche und Touristen" die Metro nicht nutzen? Bitte mehr als zwei Beispiele aus den letzten sechs Monaten!
    Und: wenn die Metro so voll ist, dass keiner mehr hineinpaßt, wie schafft es dann ein CD-Verkäufer, in den Zug zu kommen?

  4. Die Linie 5 kommt an der Station Hidalgo gar nicht vorbei. Die Linie 1 oder B, die beide an der Station San Lázaro vorbeiführen, auch nicht. Dafür reicht ein kurzer Blick auf den Netzplan aus Ihrer Fotogalerie.

  5. Um im ÖPNV schwanger zu werden muß schon mehr passieren, als dass man begrabscht wird. Wo haben Sie das denn her? Da stand einmal was in einem Klatschblatt und halb Mexico City hat sich kaputtgelacht darüber, aber es paßt wohl gut in Ihr Klischee vom bösen, gefährlichen ÖPNV.

  6. Wo bitte ist die "Verkehrsinsel zwischen den wuchtigen Bürogebäuden der Zeitung "El Universal" und der Versicherung Metlife"? Ich arbeite zwei Blocks weg vom El Universal und sehe das Gebäude aus dem Bürofenster; das Gebäude von Metlife ist aber nicht hier, sondern in Polanco.

  7. Begriffe wie "Sexobus" und "Gehörnte" sind meinen Kolleginnen hier im Büro, die tagtäglich mehrmals in Metro und peseros unterwegs sind (wir beliefern Buchgeschäfte mit Büchern) unbekannt. Sie meinen auch, dass manche Frauen es zulassen, begrabscht zu werden und das der Grund sei, weswegen sich Männer das immer noch erlauben. Wenn sie einmal einen Schlag ins Gesicht bekommen haben, werden sie sich das beim nächsten Mal überlegen.
    Weder meine Kolleginnen und Kollegen noch ich wissen von "solchen Geschichten", von denen die "Zeitungen voll" sind (Welche? El Alarma? Ovaciones? La Prensa? El Gráfico?), bei denen Passagieren des Frauenbusse hinterhergeschlichen wird. Besonders meine Kolleginnen denken (einige davon jung und hübsch), das ist Paranoia pur.
    Es wäre gut gewesen, mehrere Augenzeugen unabhängig voneinander zu befragen als das zu übernehmen, was Ihnen Ihre Informantin "Clara" sagte. Für Stammtisch-Gerede ist das gut genug, für ein Online-Magazin vom Schlage des Spiegel nicht.

  8. Von den -seien wir einmal geizig- 20 Millionen Einwohnern der Stadt, benutzen täglich sechs Millionen die Metro (plus die, die in peseros und anderen Bussen unterwegs sind). Ich stimme zu, dass es schlimm ist, dass eine Million Frauen von Erfahrungen mit Gewalt in der Metro sprechen (die nicht nur von Männern ausgeht; siehe oben); davon gut 300.000 ("jede dritte Frau" Ihrem Artikel zufolge) wurden eigenen Angaben zufolge sexuell belästigt. So.
    Nun rechnen wir einmal nach: nicht einmal 0,05% der Frauen wurden belästigt. Man muß auch die Verhältnisse sehen; rohe Zahlen hören sich immer schlimm an, besonders im Moloch Mexico City. Ich wette, in Berlin werden -prozentual am Fahrgastaufkommen gemessen- mehr Frauen belästigt als in Mexico City.


Alles in allem: extrem schlecht recherchiert von jemandem, der entweder ganz neu in der Stadt ist (oder nur auf Durchreise für ein paar Tage) oder einer fresita, der den öffentlichen Nahverkehr nur aus Gerüchten aus seinem fresa-Bekanntenkreis kennt.
Beim nächsten Mal sollten Sie sich wirklich auf das Niveau der Leute hinunterbegeben, um einen autentischen Bericht verfassen zu können und nicht einen, der voller Klischees, Halbwahrheiten und Vorurteile ist.

P.S. Große Teile dieser Antwort habe ich als Leserbrief an Spiegel-Online verschickt.

Labels: ,

Mittwoch, 1. August 2007

Regen-Chaos

Geschlagene vier Stunden brauchte ich gestern abend, um von der Arbeit nach Hause zu kommen.

Als ich in Indios Verdes aus der Metro stieg, waren die Gänge vollgestopft mit Menschen; einige versuchten gegen den Strom wieder in die Metro-Station zu kommen und riefen irgendwas von "Es gibt keine Busse!".
In der Menschen-Menge gab's auch welche, die auf einmal riefen: "Una porra pa' el Peje" und einige gaben dazu den passenden (beleidigenden) Pfeifton ab. Andere meinten, die PRD würde viel reden, es aber auch nicht besser machen als die anderen Parteien.
Was der Mann oder die Partei mit dem Chaos zu tun haben sollte, verstand und verstehe ich aber nicht; Hauptsache jemandem die Schuld gegeben...
(Seltsam fand ich, dass ich niemanden über Calderón lästern hörte)

Als ich es endlich ins Freie geschafft hatte, sah ich erst, was passiert war. Offenbar gab es einen stillstehenden Verkehrs-Stau in Richtung Ecatepec, was wegen der rush hour zu einem riesigen Rückstau führte und weswegen der "Bus-Nachschub" nicht ankam. Wie üblich, wurde einem nicht gesagt, was los war, und man irrte wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend, um nach Alternativen zu suchen, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, welche das sein könnte(n).
Keine Busse also in dieser Ecke und keiner konnte (oder wollte) mir sagen, warum. Weil es noch leicht regnete, nahm ich an, dass es damit zu tun hatte.

Ich überlegte und machte mich zu Fuß Richtung Metro 18 de Marzo auf, um von dort nach Martín Carrera zu fahren und zu sehen, ob von dort Busse fuhren. Falls nicht, machte ich mich bereit, ins Büro zurückzukehren und dort zu übernachten.

Auf dem Weg traf ich Ecke Insurgentes/Montevideo einen Polizisten, den ich fragte, ob er wüßte, was los sei. "Da wird gebaut und es wurde die Straße gesperrt", sagte er mir. Ich dachte mir meinen Teil über die wunderbare Organisation der Bauarbeiten, die just zur Verkehrs-Stoßzeit auf die Idee kam, die Straße zu sperren...

Meine Frau hatte ich schon vorher versucht zu erreichen; als ich endlich durchkam (das Netz war überlastet; kein Wunder, wenn alle Welt in Indios Verdes gleichzeitig versucht anzurufen), nahm sie nicht ab, weil ihr Handy (mal wieder) im untersten Winkel ihrer Handtasche vergraben war und sie es nicht hörte. Grrr!

Ich kam in Martín Carrera an, um auch dort viele Leute und kaum Busse vorzufinden. Mittlerweile waren es 23:00 Uhr, eine Uhrzeit, um die ich mich normalerweise nicht in dieser Gegend herumtreibe ("leicht" gefährlich).
Ich fragte einen der Bus-Einweiser, ob er wüßte, was denn da los sei, dass es keine Busse gäbe. "Vor der Costeña-Fabrik steht das Wasser so hoch, dass keiner durchkommt", meinte er nur. Das schien mir wahrscheinlicher als die Info, die der Poli erfunden mir der Polizist gegeben hatte.

Ich wollte gerade umdrehen, als ein Bus der Linie ankam, die auch an "meiner" Haltestelle an der Autobahn anhält. Ich ergatterte einen Sitzplatz und dachte nur: "Jetzt ist mir schnurz, um wieviel Uhr ich ankomme. Hier kann ich pennen."
Um 0:30 Uhr kam ich zu Hause an.

Heute morgen sehe ich in der Zeitung, was der Grund des Chaos' war: Sube el agua 1.30 m por lluvia, ayer en Ecatepec

Und es soll weiterhin so bleiben: Continuarán las lluvias en Valle de México

Wie gesagt: der Lago de Texcoco fordert sein Gebiet zurück... - Zeit sich einen Job nördlich des Sees zu suchen...

Foto: El Universal

Labels: , ,

Montag, 7. Mai 2007

Bunte Metro



Auf der Linie 2 (Cuatro Caminos - Taxqueña) verkehren einer oder mehrere Züge, die mit touristischen Motiven der Stadt beklebt sind. Wenn der Zug einläuft und man einsteigt, bekommt man das im Gedränge gar nicht so richtig mit, aber beim Aussteigen dreht man sich wegen der ungewöhnlichen Farben (gelb, rot, grün) unweigerlich um.

Ich finde die Idee gut. Das sollte man auf anderen Linien auch machen; vielleicht sogar Künstlern Gestaltungsfreiraum geben - nicht im Sinne von direktem Besprühen (was ja permanent wäre und die Zuge zu einem gewissen Grad beschädigen würde), sondern beim Design der "Aufkleber"-Serien, die auf die Waggons kommen.

Labels: , ,

Donnerstag, 29. März 2007

Neue Metro-Linie 12?

Diesmal kein Scherz: ganz offiziell mit Marcelos Grinsefresse vorneweg unter Anwesenheit von SM Marcelo Ebrard, seines Zeichens Regierungschef des D.F., wurde der Bau der Linie 12 der Metro angekündigt. Bezahlt werden soll die Linie -die erste seit der Fertigstellung der Línea B in Cárdenas' Zeit (sprich: Ende 1999) und López' Segundo Piso (der jetzt schon zu baufällig ist, um darauf jemals eine Metro-Linie legen zu können ;-) )- aus einem "guardadito" (das ist sowas wie ein paar Münzen unter der Matratze), der vom D.F.-Haushalt abgezwackt werden soll.

Begonnen wird (soll?) die 15-Kilometer-lange Linie im zweiten Halbjahr 2008; der Bau dauert 2,5 Jahre (also bis 2011) und wird voraussichtlich 9 Milliarden Pesos kosten (was nach Berechnungen des El Universal 600.000 Pesos pro Kilometer sind - tja, Frau Reporterin Alejandra Martínez: "Sechs! Setzen!").
Ich halte die Kosten für viel zu niedrig angesetzt - aber Mexicaner vergessen ja immer, die mordidas und den "guardadito" für den Regierungschef mit einzukalkulieren. ;-)

(komplette Nachricht -inkl. schlimmem Rechenfehler- beim El Universal)

Labels: , ,

Montag, 26. März 2007

El colmo del naquismo

Als passionierter Metro-Fahrer ;-) bin ich es gewohnt, dass alle Nase lang ein Heini mit einem zum Ghetto Blaster umgestalteten Rucksack einsteigt, den Wagen volldröhnt und dann seine Piraten-CD verkaufen will.

Neu war mir allerdings das, was mir heute morgen passiert ist.
Als ich einstieg, hörte ich irgendeine Luis-Miguel-Schnulze, und als ich näher hinhörte, stellte ich fest, dass mein Metro-"Nachbar" sein Sony-Ericsson-Handy so eingestellt hatte, dass er seine Musik aus dem auf der Rückseite befindlichen Lautsprecher hören konnte - und so den ganzen Waggon an seinem Musikgeschmack teilhaben ließ; ob er wollte oder nicht.
Auch andere Passagiere schauten sich irritiert um (so nach dem Motto: "Warum preist er seine Musik nicht an?").

Qué naco, güey ... ;-)

P.S. wenigstens hatte er ein weites "Geschmacksfeld": nach Luis Miguel kam irgendwas von Fóbia und dann dieses "Da-da-dam"-Liedchen von der WM (das mit "love generation" oder so).

Labels: , ,