Dienstag, 31. März 2009

Die gerechtesten aller gerechten Wahlen

Demnächst stehen Parlaments-Wahlen an. Deswegen sind die Parteien plötzlich wieder am Bürger (= Wähler) interessiert und reden ihm nach dem Mund: sie fordern die Todesstrafe für Entführer, Legalisierung von Drogen, wollen das Gehalt erhöhen/den Spritpreis senken und anderen populistischen Unsinn und veranstalten partei-interne Wahlen, bei denen so viel gemauschelt und geschoben wird (allen voran die demokratischste aller Parteien: PRD), dass selbst Manipulations-Profis wie Venezuela's Hugo Chávez mit den Ohren schlackern.
Gleichzeitig schlagen alle Parteien aufeinander ein, um wenigstens etwas Profil zu erlangen; konkrete und vor allem realisierbare Vorschläge (die sie nach den Wahlen auch einhalten wollen) haben sie nämlich mal wieder keine (ausser die obengenannten, die grösstenteils verfassungswidrig sind).

Währenddessen muss man neben lächerlichen Partei-Werbespots auch die Radio- und Fernseh-Werbung des IFE (Instituto Federal Electoral - das ist das nominell unabhängige Klüngel-Gremium, bei dem sich die Parteien absprechen, wie und wen sie bei den nächsten Wahlen veräppeln) über sich ergehen lassen und erfahren, dass die anstehenden Wahlen am 5. Juli 2009 noch weisser... - äh, gerechter sind als alle anderen vorher (und ich Naivling glaubte doch tatsächlich, gerechter als die gerechten Präsidentschafts-Wahlen 2006 ginge es gar nicht mehr...).

Ausserdem wurden die Bürger über Monate hinweg mit der Aufforderung bombardiert, sie müssten unbedingt (!) ihre credencial para votar des IFE erneuern (die zum Wählen notwendig ist), wenn darauf eine "03" stünde (was heisst, dass sie schon steinalt ist), sonst könnten sie nicht wählen.

Aber offenbar kennen die sesselpupsenden IFE consejeros (die wahrscheinlich noch nie ein stinknormales IFE-Büro von innen gesehen haben) ihr eigenes Volk nicht, und es ist ihnen unbekannt, dass Mexicaner traditionell (fast) alles auf den letzten Drücker machen.
Konkret: das IFE kommt in den letzten Monaten mit dem Ansturm der Bürger nicht zurecht und nun -man spiele einen Tusch oder den Narhalla-Marsch- kann man auch mit der alten credencial IFE wählen.

... para que nuestra democracia crece!

LOL

P.S. Heute ist der letzte Tag, an dem man seine neue credencial IFE (d.h., die der jenigen, die vorher eine neue beantragt hatten) abholen kann. In den Nachrichten heute morgen hörte ich, dass die IFE-Büros bis 23.59 Uhr geöffnet sein werden.

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Montag, 9. Februar 2009

Lachnummer

Gestern abend lag ich schon im Bett und schaute gemütlich fern. In einer "Werbepause" sah ich folgenden Spot:
Ein Mann sitzt am Mittagstisch, seine Frau serviert ihm das Essen, und er klagt: "¿Qué? ¿Romeritos sin camarones?"
("Was denn? Romeritos ohne Garnelen?")

Sie antwortet: "Si, para un esposo sin trabajo."
("Ja. Für einen Ehemann ohne Arbeit.")

Er daraufhin: "Con López Obrador no hubiera pasado eso."
("Mit López Hablador wäre das nicht passiert.")

Ich musste so laut lachen, dass meine Frau erschrocken zusammenzuckte.

Danach erschien der Leibhaftige Manuel Andrés López Obrador (MALO) auf dem Bildschirm, hielt seine Fresse Visage sein Gesicht in die Kamera und sagte etwas, was ich nicht hörte, weil ich so laut lachte.
Am Ende erschien das Logo der Partido de Trabajo (PT).

Es ist wohl unnötig zu sagen, dass mich der Spot köstlich amüsierte, denn jetzt wissen wir: wäre der MALO heute mex. Präsident, wäre die Weltwirtschaftskrise nicht passiert und alles wäre gut.

*ROFL*

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Dienstag, 20. März 2007

Demokratisch verbannt

Vor einiger Zeit hatte Erwin (a.k.a. Von Kinder!) einen Flickr-Foto-Pool zum Thema "voto x voto" eröffnet und mich eingeladen mit den auf dem famosen plantón auf Reforma geschossenen Fotos teilzunehmen (was ich gerne tat).

Nun bekam ich eine vom Server generierte Nachricht:
You have been banned from the Voto x Voto - Convención Nacional Democrática group. You will not be able to rejoin this group unless a group administrator removes the ban.

Oh, die Inquisition schlägt zu... - ohne Vorankündigung, ohne Begründung.

Offenbar passe ich nicht mehr in die Schablone des Demokratie-Verständnisses des ideologischen Ziehvaters ("el MALOco") der admins Nahual, Eneas und (oder?) von Kinder und daher sind meine kritisch-entlarvenden Aufnahmen geeignet für den persona non grata-Status in diesen Kreisen.
Wenn das Schiff untergeht, wird halt lästiger Ballast abgeworfen oder einfach verbannt, denn was nicht sein darf wird nicht sein.

Schade um die von "Convención Nacional Democrática"-Teilnehmern ach-so-beschworene Meinungsvielfalt.

(eine höher aufgelöste Bildschirm-Kopie der erhaltenen Nachricht hier)

Aktualisierung (21.3.07, 12:35 Uhr):
Erwin ist dabei nachzuforschen, weswegen der Bann gegen mich ausgesprochen wurde und hat sich vorab bei mir entschuldigt (siehe hier).

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Mittwoch, 29. November 2006

República Bananera


(Foto aus der El Universal-Gallerie)

Gestern ham' 'se sich nu' endlich gekloppt: die Abgeordneten in der (wie sie sich selbst nennt) "Honorable [sic!] Cámara de Diputados" der Vereinigten Mexicanischen Staaten.
Sieht lustig aus, wie angeblich Ach-so-sehr-um-das-Volk-besorgte Politiker sich gegenseitig Faustschläge geben oder das von den Steuerzahlern finanzierte Hugo Boss-Sakko zerreißen; nur weil einige den Präsidenten (oder den, der ihm folgt) nicht mögen und andere glauben, ihn verteidigen zu müssen.
Das Volk benimmt sich weitaus zivilisierter als seine "Vertreter"!

Das sind übrigens die selben Herrschaften, die sich letzte Woche "im Namen des Volkes" eine saftige Gehaltserhöhung genehmigt haben. Nur die PRD-Abgeordneten prostestierten (halbherzig?) - annehmen tun sie das Geld aber gerne (anstatt es z.B. an Amnesty International zu spenden); es muß schließlich ihr eigener "Gegen-Präsident" (den übrigens niemand bei seiner payasada gestört hat) mitsamt seinem "gabinete" auch irgendwie finanziert werden, damit er "Volkes Stimme" mitteilen kann.

So bleiben wir im gleichen Staat.
Egal, was die "Volks-Vertreter", die immerhin vom Volk (auch von mir) bezahlt werden, aushecken und egal, von welcher Partei sie sind (PAN, PRD oder PRI): das Volk ist ihnen wie immer scheißegal.
Hauptsache, die Geldbörse stimmt - die eigene, versteht sich.

Und dem Volk ist scheißegal, was "die da oben" veranstalten; immer wird das Kreuzchen an der selben Stelle gemacht; was anders ist, ist, dass ein paar Mißgeleiteten eingetrichtert wurde, mit Straßenblockaden und Autos-Abfackeln könne man politische Probleme lösen.
Demokratie funktioniert anders; sie hat nichts mit "Seguro Popular" oder "Fox traidor!"-Rufen zu tun.

República Bananera eben.
Kann man mehr erwarten im Staate Mexico?

P.S. Katia D Artigues scheint den "Tathergang" genauer zu kennen; jedenfalls erklärt sie ihn in ihrer heutigen Kolumne.
Resúmen: Mißverständnisse, die zu Katastrophen ausarten - also auch da nichts neues im Staate Mexico: alle reden und keiner kriegt den Sinn mit von dem, was der andere sagt.

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Dienstag, 21. November 2006

Habemus Presidente

Wir sagen Euch an den lieben Advent,
sehet, der erste Präsident!
Wir sagen Euch an eine lustige Zeit,
mal seh'n wann der nächste ist bereit.

Freut Euch, Ihr Mexis, freuet Euch sehr,
wer wird sein Euer Herr?

Entschuldigt die Benutzung des Begriffs "Mexi"; den mußte ich nehmen, weil sonst das Versmaß nicht mehr gestimmt hätte. Gemeint sind natürlich die Mexicaner.

En otras noticias:
Calderón hat ein paar seiner künftigen Minister bekanntgegeben. Die ersten, die er nannte, heißen Carstens und Kessel mit Nachnamen.
Sehr mexicanische Namen, nicht wahr?

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Mittwoch, 8. November 2006

Fox will weinen



In letzter Zeit hat unser der bei den Mexicanern über alles geliebte Präsident "Chente" Fox offenbar die Vorsicht fallen lassen und redet wieder daher, wie ihm der Schnabel gewachsen ist (selbst ein Helmut Kohl in den Anfangsjahren seiner Kanzlerschaft kann da nicht mithalten).
Eigentlich könnte er sich das Gehalt seines Regierungssprechers, den er just deswegen (weil er in entscheidenden Momenten den Mund nicht halten kann) engagiert hat, sparen und ihn vorzeitig vor die Tür setzen.

Irgendwann letzte Woche meinte Fox in einer seiner Reden vor einfachen Leuten des Volkes: "Es ist eine Segnung [wörtlich: "don"] in Mexico geboren zu sein. Stellt Euch vor, Ihr wärt in den USA geboren." - Boing! Eigentor!
Als ich das sah (hörte), konnte ich nur mit dem Kopf schütteln ob so viel Ungeschicktheit.

Gestern wurde ihm dann vom Parlament eine Reise nach Australien untersagt wegen des ungelösten Oaxaca-Konflikts.
Das nahm er zum Anlaß, vor versammelter Nation (= im Fernsehen zur besten Sendezeit) herumzuheulen, was für böse Leute doch diese Oppositions-Abgeordneten seien.
Die treffendste Schlagzeile in den heutigen Zeitungen ist die oben abgebildete aus dem El Gráfico: "Fox will weinen".

"Quiere llorar" rufen sich Schulkinder in Mexico zu, wenn ein Mitschüler eins auf die Mütze bekommen hat und nah daran ist, loszuheulen.

Und so kommt mir diese Kinderei auch vor:
Fox hat seine Hausaufgaben nicht gemacht (sprich: den Oaxaca-Konflikt gelöst), also verfügen seine Eltern (das Parlament), dass er nicht nach draußen spielen (auf Australien-Reise) gehen darf, auch wenn er sich schon zum Klicker-Spielen mit seinen Freunden (= Termine mit anderen Staatschefs) verabredet hat.

Läscherlisch, dat janze. LOL

(wer noch mehr zu lachen haben will, der kann Chentes Diskurs nachlesen - es fehlen nur die gelegentlichen Schniefer, Nasehochzieher und der beleidigt-sture Gesichtsausdruck... ;-) )

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Montag, 30. Oktober 2006

Links oder rechts?

Den folgenden "cartón" habe ich bei Paco Calderón gefunden.
Wie wunderbar nimmt er Linke und Rechte auf's Korn. Mit nicht nur einem Fünkchen Wahrheit.

An die eigene Nase fassen ausdrücklich erlaubt (ich schließe mich ein).

(bitte aufs Bild klicken für die Version in Original-Größe)

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Mittwoch, 11. Oktober 2006

Ergebnisse des MALO-Boykotts



An sich ist der Mann ja keinen Gedanken mehr wert... - so schnell wie er seine Zelte auf Reforma auf- und wieder abgebaut hat, ist er auch in der Versenkung verschwunden. Schade eigentlich: jetzt muß man wieder über's Wetter reden, wenn man Smalltalk machen will... ;-)

Kurios ist nur das Folgende: Wal-Mart hat in den letzten 3 Monaten seinen Umsatz in Mexico im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr um 20,9% gesteigert.

War wohl nix mit Boykott. LOL
Bessere Werbung als mit diesen lächerlichen Aufrufen konnte man nicht machen...

Mich würden mal die Ergebnisse der anderen "Boykottierten" interessieren.

(mehr Info im El Universal)

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Dienstag, 19. September 2006

Reforma nach dem plantón (II)

Gestern morgen hatte ich das "Vergnügen", auf dem Paseo de la Reforma fahren zu "dürfen" (heutzutage muß man Demonstranten ja schon danken, wenn man sich frei in der Stadt bewegen kann).
So sauber wie er in diesem Beitrag aussah, ist er gar nicht. Zwar ist er gefegt, geschrubbt und die DF-Stadtbediensteten haben noch schnell neue Blumen in den von den "plantoneros" zertrampelten Beeten gepflanzt, aber überall sieht man Graffitis auf Straßenbelag, Bordsteinen und Bürgersteigen (Ihr wißt schon: von der Sorte "voto x voto, Fox es un traidor, bla-bla-bla").

Wie gesagt: ich bin nur vorbeigefahren, habe also Details wie abgerissene oder entwurzelte Äste/Büsche/Bäume, beschmierte (oder geklaute) Statuen, freiliegende Kabel, etc. nicht gesehen - Vivir México aber wohl.
Dort wird im Artikel Reforma devastada gefragt, wer denn nun die Behebung der Schäden zahlen wird.
Antwort der DF-Administration: "Es werden 30 Mio. Pesos aus dem Tourismus-Fond zur Verfügung gestellt, um Reforma wieder attraktiv zu machen."

Na prima. Wurde nicht der ehemalige DF-Bürgermeister, ein gewisser López Obrador, dafür gelobt, dass er Reforma vor weniger als zwei Jahren so wunderschön renoviert hatte - für eine riesige Stange (Steuer-) Geld natürlich? Und stimmt es nicht, dass ebenjener López Obrador direkt (er hat zur Blockade aufgerufen) dafür verantwortlich ist, dass die Straße so zerstört worden ist?

¡Pasenle la cuenta de la renovación a ese cabrón! ¡Que lo pague de los millones que se metió Bejarano en sus bolsas!

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Freitag, 15. September 2006

Reforma nach dem plantón

So sieht's auf dem Paseo de la Reforma heute aus:



Eduardo Arcos fragt dazu, wer denn nun die Straßen gesäubert habe, die Protestler oder die Stadtverwaltung.

Antwort eines Lesers in den Kommentaren: "Was denn? Sind Stadtregierung und Protestler nicht die gleichen?"

LOL

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Donnerstag, 14. September 2006

Convención Nacional Democrática

Anm.: dieser Eintrag wurde mit Verspätung eingefügt (am 15.9. um etwa 10:00 Uhr morgens); und zwar nur zur Dokumentation eines Teils einer Aussage von mir, die ich in der Mexico-Community im Thread gleichen Namens abgab.

Wenn ich mich recht entsinne, ist die Definition eines Delegierten folgende: das ist jemand, der von einer bestimmten Anzahl von Personen (Mindestzahl erforderlich) zur Repräsentation ihrer Interessen gewählt wird; also z.B. der Präsident der Straßen-Gemeinschaft, der Vertreter des Hochhaus-Gebäudes, der Bürgermeister.
Dass bei dieser Convención Demagógica jetzt jeder Hinz nur mit einer ID ausgestattet sich als "Delegierter" einschreiben kann, ist "etwas" suspekt - oder nicht?
Oder verstehe ich nichts von Demokratie?

(...)

Ich bin übrigens überzeugt, dass das Gleiche auch passieren würde, wenn die PRD an der Macht wäre und "PRIPAN" Hidalgo spielen wollte.
Politiker sind alle gleich: sie wollen Macht und Geld. Rivalisierende Gruppen bringen sich gegenseitig um (oder verar... - äh überreden die Bevölkerung dazu, ihnen dabei zu helfen).

Ansonsten glaube ich (und ich bin nicht der einzige), dass die "Convención" nur eine Inzenierung ist, damit man López am Ende doch irgendetwas geben kann (und wenn's nur ein warmer Händedruck ist).
Man veranstaltet den Zirkus nur für ihn und nicht für die "Democrácia" (wie die PRD sie versteht).
Man "wählt" ihn (welche Legitimation hat das Ganze, wenn jeder Hinz (nicht persönlich gemeint) sich einschreiben kann und Leute, denen MALOco's Treiben egal ist oder die wegen seiner Eskapaden verärgert sind, gar nicht teilnehmen?): zum Gegen-Präsidenten, zum Gegen-Papst, zum Gegen-Caesar, zum Suppenkasper,... - jeder ist feliz y contento; er kann nach Hause gehen und sagen: "Das Volk ist auf meiner Seite."

Soll er doch: mir ist das schnurz (und mehr als der Hälfte der Mexicaner auch).

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Mittwoch, 13. September 2006

Was vom plantón übrig ist...



Ungeschnittene Aufnahme von gestern, 13:45 Uhr auf der Av. Juárez zwischen Bucareli (El Caballito) und Balderas.

P.S. Übrigens bin ich nicht der einzige, der das beobachtet: Vivir México berichtet von leeren bzw. bereits abgebrochenen Zelten/Planen auf Reforma.

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Donnerstag, 7. September 2006

Passiver Widerstand!



Vor der überaus gerechtfertigten Blockade einer der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt gab es eine Elektro-Karre der D.F.-Stadtverwaltung mit inmovilizadores (Park-Krallen) auf der kleinen Ladefläche, die denjenigen Autofahrern, die an bestimmten Stellen, an denen ein entsprechendes Schild stand (siehe oben; hier verdreht von Witzbolden) geparkt hatten, an ein Rad geklemmt wurde, und das man dann nur durch die Entrichtung eines Entgelts wieder abgelöst bekam.
Heute wird dies nur noch sporadisch angewandt, und zwar nach zweierlei Maß: wer sich als PRD-Anhänger bekanntgibt (z.B. per Aufkleber oder mit weißer Schuhcreme aufgepinselten Sprüchen), wird verschont; andere bekommen gnadenlos die Kralle angelegt (wer's nicht glaubt, für den mache ich gerne Fotos hier um die Ecke).

Nun hat unser herzallerliebster Herr Popels López ja vor ein paar Tagen gesagt: "Al diablo con las instituciones." und damit dazu aufgerufen, das Recht selbst in die Hand zu nehmen.

Nun suche ich Investoren für ein neues Projekt mit dem Namen "Al diablo con los coches".

Worum geht es?
Es werden neue Park-Krallen hergestellt mit Ketten aus granithartem Stahl, ähnlich dem Stahl, der in Europa für Hochsicherheits-Fahrrad-Schlösser verwendet wird. Daran werden knacksichere Vorhängeschlösser befestigt.
Bewaffnete Streifenwagen des Projekts patrullieren die Umgegend des Paseo de la Reforma, Av. Juárez und Francisco I. Madero und legen Park-Krallen allen Autos an, die sich ungerechterweise der Justiz entziehen und sich als PRD-Anhänger ausgeben, um ihrer gerechten Strafe für Falschparken zu entkommen.
Auf der Kralle befindet sich eine Telefon-Nummer und eine Adresse, bei der die "Be-Parkkrallten" vorsprechen und ihre Strafe von 500 Pesos bezahlen können (natürlich ist die Kasse gegen mögliche Angriffe von verärgerten PRDistas, die ja nicht einmal Respekt vor dem Widerstand haben, gesichert), damit ihnen dann in Begleitung eines bewaffneten Angestellten des Projekts die Park-Kralle von ihrem Fahrzeug entfernt wird (es wird erwartet, dass dem Angestellten ein Trinkgeld in angemessener Höhe gegeben wird; schließlich unterstützt das Projekt den Widerstand gegen die Institutionen).
Das Projekt ist auf die nächsten sechs Jahre bis zur Präsidentschafts-Wahl Anfang Juli 2012 angelegt, bei der sicher die Anarchie wahre Demokratie gewinnen wird und es dann überflüssig wird, weil dann eh jeder tut, was er will.

Bei Interesse einer Investition bitte ich, mit mir in Kontakt zu treten.

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Mittwoch, 6. September 2006

Passiver Widerstand?

An sich ein lächerliches Beispiel, aber ein typisches, wie ich finde:

gestern abend, als Adal Ramones in seiner (Live!-) Sendung Otro Rollo seinen allwöchentlichen monólogo hielt, sprang eine Gruppe Jugendlicher auf und begann "Sufragio efectivo, no imposición" zu rufen. Ramones unterbrach sein Programm mit einer Werbe-Pause.
Ich habe es nicht selbst gesehen, sondern heute morgen davon gehört und die Nachricht im El Universal gefunden.

Von Hausrecht haben sie wohl noch nie gehört, oder?
Wenn den Teleriseños ein Zuschauer nicht paßt, fliegt er raus - schließlich sind die Leute bei ihnen, den Hausherren, zu Gast und haben sich entsprechend zu benehmen.
Falls nicht: "Da ist die Tür!" (völlig normal, finde ich)

Ist das der famose "passive Widerstand" à la López?
Vor dem Parlament auftauchen und Sicherheitskräfte mit Steinen bewerfen? Im Parlament die Tribüne einnehmen? Den legal gewählten Präsidenten beschimpfen? In Fernseh-Live-Sendungen Parolen brüllen?

Na, dann ist's doch nur noch eine Frage der Zeit, bis jemandem mal der Kragen platzt und die Störenfriede gewaltsam entfernt werden - oder im Extremfall eins übergebraten bekommen.
Dann wäre allerdings von Seiten der Störer die Hölle los: "der Staat unterdrückt die rechtmäßig protestierenden".

Schade, dass ich bald nicht mehr ungestört in's Kino gehen kann ohne dass ein paar Idioten Parolen krakehlen. Schade, dass ich demnächst in der Bank ein paar Protestler aushalten muß, die verhindern wollen, dass ich zum Bankschalter gelange. Schade, dass man bald beim Behördengang noch länger warten muß, weil entweder die Bürokraten nicht arbeiten (in PRD-geführten Staaten/D.F.) oder irgendeine Bande den Zugang versperrt. Schade, dass mir im Supermarkt meine Einkäufe aus dem Wagen geklaut werden mit der Begründung, man müsse ja jetzt Widerstand leisten.
(Anm.: dieser ganze Abschnitt ist hypothetisch)

Ich stelle mir die Frage: wem nützen diese Störereien? Den Armen, wie López behauptet? Den Entrechteten? Ich bezweifle das.
Sie nützen nur ihm und den paar Leuten, die da noch auf Reforma/Juárez/Madero hocken, den Verkehr aufhalten und denen für ihr "selbstloses" Engagement "für Volk und Vaterland" "für das Wohl des mexicanischen Volkes" eine Eigentums-Wohnung versprochen wurde (bekam ich gestern aus erster Hand von einer Person bestätigt).

Pobre México: tan lejos de dios y tan maldito con el MALOco. ;-)

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Montag, 4. September 2006

Politische Flexibilität


Das passiert, wenn politische Überzeugungen nur Mode-Erscheinungen unterliegen und derjenige unterstützt wird, der das (subjektiv) beste Design hat, einfach "hip" ist und deshalb am besten verkauft...

(Foto von Aztlan)

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Mittwoch, 30. August 2006

Jobkiller López

Der famose plantón der PRDisten auf Reforma/Juárez/Madero, denen ein Haus versprochen wurde, wenn sie nur lange genug ausharren und "voto x voto" krakelen (pobres ingenuos...) hat schon so einige Arbeitsplätze gekostet.

Bisher war das für mich weit weg in irgendwelchen Restaurants oder bei viene-vienes nahe Reforma (Andreas berichtete), aber jetzt erfuhr ich von unseren Büro-Nachbarn, dass auch sie betroffen sind.

Die Firma handelt mit Gold- und Silber-Schmuck (desöfteren kommen grimmig aussehende Kameraden einer Sicherheitsfirma mit dem Finger am Abzug ihrer geladenen Gewehre und Pistolen, um schwere Plastik-Tüten zu bringen oder abzuholen) und hat viele ausländische (vor allem US-) Kunden, die sie persönlich besuchen. Aufgrund des plantóns bleiben jetzt aber diese Kunden weg, weil sie um ihre Sicherheit fürchten.

So weit, so gut. Am Freitag wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, dass es der Firma nicht gut gehe (das glaube ich: es gibt kaum noch Publikumsverkehr), und dass die Belegschaft jetzt erstmal eine Woche unbezahlten Urlaub nehmen müsse und danach würden nur noch vier Tage pro Woche gearbeitet (bei entsprechender Lohnkürzung, versteht sich). Besonders besorgt sind die zwei mensajeros (Boten) der Firma (also die am schlechtesten bezahlten mit der geringsten Ausbildung), die die ersten wären, die entlassen würden.
Wie sagte ein gewisser Politiker während seiner Präsidentschafts-Kampagne so schön? - Primero los Pobres.

Stimmt.

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Dienstag, 29. August 2006

Neue Mode: plantones (IV)

Kurz vor 12 Uhr heute Mittag war's mal wieder soweit (naja, ich habe keine Ahnung, ob's während meiner Woche Abwesenheit auch passierte): ein neuer plantón-Versuch.

Diesmal von ca. 80 Personen der Unión de Taxistas Regulares, die die Av. Insurgentes Sur nahe der Kreuzung mit Álvaro Obregón (Colonias Roma/Condesa) sperren wollten, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Selbst für den Metrobús gab's kein Durchkommen.

Was sie wollten?
Die tenencia (entspricht der Autosteuer) erlassen bekommen. Seit neuestem kann man nämlich die verificación (entspricht der deutschen ASU) nicht mehr durchführen lassen, wenn man die Zahlung der tenencia nicht nachweisen kann.

Im Klartext: die Herren Taxifahrer fordern, dass man ihren Arbeitsraum (die Straße) nicht besteuert - das ist in etwa so, als wenn sich meine Firma weigern würde, Miete, Säuberung und Instandhaltung des Büros zu zahlen und stattdessen alle Hausbesitzer der Stadt dafür aufkommen müßten.

Nach gut 20 Minuten war der Spuk vorbei; da kamen nämlich die granaderos und verscheuchten die "taxistas irregulares".

(mehr Info und Fotos auf Vivir México)

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Montag, 28. August 2006

Idee für T-Shirt

Gerade lese ich Andreas' T-Shirt-post und erinnere mich an das Rumgeblödel mit ein paar Kollegen beim Mittagessen heute.
Dabei kamen wir auf die Idee, selber T-Shirts zu drucken und zu verkaufen.

Was draufstehen wird?

vorne:
YO soy el presidente de México.

hinten:
LA CONSTITUCION
Artículo 1: El Presidente siempre tiene la razón.
Artículo 2: En caso que no tenga la razón aplica artículo 1.


Die würden sicher weggehen wie warme Semmeln.
Hm, mal drüber schlafen...

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Mittwoch, 16. August 2006

Neue Mode: plantones (III)

Jetzt weiß ich auch, was die ejidatarios, die immer noch die Carretera Ajusco - Toluca blockieren, wollen:

Seit Jahren gab es Streit zwischen den Bauern des Dorfes Xalatlaco (Staat México) und denen aus San Miguel y Santo Tomás Ajusco (DF) um das Gelände Agua Grande (insgesamt 1506 Hektar). Der Tribunal Unitario Agrario (ein Agrar-Gericht) hat den ajusqueños (heißen die so?) das Gelände zugesprochen.
Letzten Donnerstag hätte Richter Dionisio Vera Casanova den Ausführungs-Befehl erteilen sollen, um den ajusqueños etwa 509 Hektar rechtlich unwiderruflich zuzusprechen, was er offenbar nicht getan hat.
Um Druck auf den Richter auszuüben, sperren die Bauern jetzt die Straße.

Ich frage mich allerdings, was normale Autofahrer mit dem Konflikt zu tun haben.

Mehr Trittbrett-Fahrer:
die Maut-Autobahn México-Puebla ist auf Höhe des km 24 durch Anwohner der Gemeinde Valle de Chalco verbarrikadiert, die sporadische bzw. nicht vorhandene Trinkwasser-Versorgung anmahnen.
Anstatt ihren Protest zu den zuständigen Stellen zu tragen, dort Druck auszuüben und bei den nächsten Wahlen (bzw. bei den letzten: die Bürgermeister-Wahlen waren erst am 12. März 2006) einen anderen Kandidaten zu wählen (oder gar einen aufzustellen), ist's natürlich einfacher, den Verkehr zu behindern - vor allem wegen des Medien-Interesses.

Prima Demokratie, die da auf uns zukommt...

P.S. Jetzt, wo Narrenfreiheit herrscht, plädiere ich für eine Straßen-Blockade (am besten eine vielbefahrene Autobahn wie die nach Cuernavaca oder Toluca) aller in Mexico lebenden Deutschen, um Freibier zu fordern - natürlich muß es deutsches sein, denn mex. Reis-Bier wollen wir nicht. ;-)

(mit Info von Vivir México)

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Dienstag, 15. August 2006

Neue Mode: plantones (II)

Wie gesagt: Mitläufer gibt es immer - z. Zt. immer mehr.
Wer weiß, was die Bauern und die verhinderten Studenten wollen (sie wahrscheinlich auch nicht), aber bei den MALOco-Fans ist's klar: Anarchie.

Seltsames Demokratie-Verständnis...

Der heutige Verkehrslage-Bericht:
  • Nachbarn der Straßen Sidar y Rovirosa und Cecilio Robelo müssen, um sich im Bereich dieser Straßen aufzuhalten, den Polizisten des Estado Mayor Presidencial (Spezial-Polizei des Präsidenten) einen offiziellen Ausweis vorzeigen und sind so in ihrem freien Zugang eingeschränkt.

  • Ejidatarios (= Bauern) aus San Miguel Ajusco und Santo Tomás Ajusco blockieren die Landstraße Ajusco-Toluca auf Höhe des Valle de la Cantimplora. Einige der Protestler sind mit Flinten und Macheten bewaffnet.

  • Jugendliche, die bei den Aufnahme-Prüfungen bei UNAM und IPN durchgerasselt sind, demonstrieren auf der Calzada México-Tacuba.

  • 600 DF-Polizisten patrullieren rund um San Lázaro (der Cámara de Diputados), sperren die äußeren Fahrstreifen links und rechts der Eje 2 Oriente Congreso de la Unión, und die Avenida Eduardo Molina an der Kreuzung mit Emiliano Zapata und Sidar y Rovirosa.

  • MALOco-Protestler blockierten den Haupteingang des UNO-Sitzes in Mexico, hingen ein Transparent auf und forderten eine vollständige Neuauszählung der Stimmen.

  • PFP-Polizisten schützen die Secretaría de Gobernación (Innenministerium) und sperren Eje 1 Poniente Avenida Bucareli seit 7.00 Uhr heute morgen auf Höhe der Straße Atenas.

  • Heute morgen, als die Arbeit aufgenommen werden sollte, wurde der Zutritt zur spanischen Botschaft für Bedienstete und Besucher von MALOco-Anhängern blockiert, die so taten, als würden sie sich vor der Botschaft anketten.

(über Vivir México)

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